LANDHOCKEY: Mathias Schaeben soll den Luzerner SC zu Titeln führen

Der Luzerner SC wagt ein mutiges Experiment: Der erst 25-jährige Trainer Mathias Schaeben leitet diese NLA-Saison sowohl die Geschicke des Frauen- wie des Männerteams. Der Deutsche soll in Zukunft sogar für Titel bürgen.

Roland Bucher
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Mathias Schaeben und seine Faszination für Hockey: «Es gibt nie ein Spiel, das perfekt ist.» (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 29. September 2017))

Mathias Schaeben und seine Faszination für Hockey: «Es gibt nie ein Spiel, das perfekt ist.» (Bild: Philipp Schmidli (Luzern, 29. September 2017))

Roland Bucher

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Im Sommer vor zwei Jahren entschloss sich Mathias Schaeben eines Morgens, im Frühtau zu Berge zu steigen. Der junge Mann, damals in der Luzerner Hubelmattzone einquartiert, packte den Rucksack, ging nach Kriens und orientierte sich an den Wanderzeichen. Vier Stunden später hatte er den Weg über die Fräkmüntegg und den steilen Heitertannli-Alpinpfad auf den Luzerner Hausberg, den Pilatus, geschafft. «Es war ein einmaliges Erlebnis», erzählt der aus Leverkusen in die Schweiz gezogene junge Mann, «damals habe ich mich endgültig in Luzern verliebt.»

Luzern und seine «überwältigenden Naturschönheiten», wie Schaeben zu schwärmen pflegt, ist eine seiner beiden Passionen, die er in der Zentralschweiz entdeckt hat. Die ganz grosse Liebe, «nicht anders als mit absoluter Leidenschaft» zu umschreiben, die hat er indes dem Hockey geschenkt. Sportlich in einer Fussballerfamilie aufgewachsen, verschrieb er sich schon mit zehn Jahren dem Krummstock: «Ich habe zwei Trainingslektionen gebraucht, dann wusste ich: Das ist meine Sportart.»

Was Mathias Schaeben anpackt, duldet keine Halbheiten. Mit 14 Jahren stand er bereits als Trainer vor einer Juniorenequipe, dozierte über Technik und Taktik. «Es ist unerhört, was Hockey in dieser Beziehung fordert», erklärt der von dieser Sportart – ja, diesen Ausdruck darf man durchaus benutzen – Besessene, «es gibt nie ein Spiel, das perfekt ist. Es gibt immer wieder so viel dazuzulernen.» Feinheiten, Kniffs, Tricks. «Das ist die höchste Herausforderung, das hat mich von Beginn weg fasziniert.» Sein Vergleich: Wenn ein Fussballer Freistösse übe, dann habe er irgendeinmal den optimalen Drall drauf. Aber im Hockey: «Da gibt es keinen Standard, da erfordert fast jede Spielsituation neue Intuition.»

Präsident Affentranger erklärt seine Wahl

Ja, so ticke Mathias Schaeben, sagt Bruno Affentranger, der Präsident des sich forsch zur Vorwärtsstrategie bekennenden Luzerner SC: «Er lebt und leidet das Hockey.» Ein «Verrückter» in einer höchst positiven Einschätzung. «Dieser junge Mann hat uns mit seinen Ideen derart überzeugt, dass wir schnell einmal spürten: Ihm dürfen wir Verantwortung übertragen.»

Sehr viel Verantwortung für einen Trainer, der sich in Deutschland zwar einen guten Namen in der Nachwuchsausbildung angeeignet hat, dem indes doch eine gewisse Portion Erfahrung zu fehlen scheint. Ein Einwand, der schnell entkräftet ist: Schaeben betreut seit zwei Jahren das NLA-Fanionteam der LSC-Frauen, dies mit guten Referenzen – und als bei den NLA-Männern nach dem Rücktritt des Spielertrainers ein Vakuum entstand, machte Affentranger aus der Not eine Tugend. Der LSC-General beförderte Schaeben in die Doppelfunktion, und der sagt artig: «Das ist für mich eine Ehre. In Deutschland hätte ich eine derart grandiose Möglichkeit, meine Qualitäten unter Beweis zu stellen, nie erhalten.»

Eine Girls Academy als Vision

Bruno Affentranger, der Mann am Schaltpult des Luzerner SC und profunder Kenner der nationalen und internationalen Hockeyszene, tut eines nicht: Mathias Schaeben, seinen Trainerzögling, unter Druck setzen. Der Präsident des ambitionierten Vereins denkt in langfristigen Dimensionen, etappiert über mehrere Jahre bis 2024. Das sei gut für ihn zu wissen, betont Schaeben: «In Ruhe arbeiten können – das macht vieles einfacher.» Doch Schaeben kitzelt auch die Ungeduld. Während man bei den Männern wohl noch eine mittlere Durststrecke zu durchwaten habe, weil in den letzten Monaten mehrere Hochkaräter zurückgetreten sind, will er mit der Frauenequipe durchaus im Marschtempo ganz nach vorne. «Wir haben», meint er verschmitzt, «im Duell gegen unseren Erzrivalen Rotweiss Wettingen mehrere Male die Zwei gezogen. Das wollen wir jetzt korrigieren», sagt der doppelte Mathias, der bei überschneidenden Terminen den Fokus auf die Frauen legt.

Sich Meisterschafts- oder Cup-Gold an die Brust zu heften, das ist einer seiner beiden grossen Aufgabenkreise. Das absolute Hauptanliegen des Vereins aber ist eine deutliche quantitative Steigerung der Nachwuchsabteilung. Da ist sich Mathias Schaeben auch nicht zu schade, im Utenberg-Schulhaus mal eine Turnstunde mitzugestalten und zu demonstrieren, wie attraktiv Hockey sein kann. Im Verbund mit den beiden LSC-Teilzeit­trainern Kristof Klein und Daniel Dziemba hat Schaeben das bewerkstelligt, was kaum möglich schien: Innert kurzer Zeit wuchs die LSC-Nachwuchsabteilung von rund 70 auf 135 Hockey-­Begeisterte. «Eine Fleisssache», meint Schaeben bescheiden, «mir liegt halt nichts so am ­Herzen, wie die Kids von der ­Faszination des Hockeys zu überzeugen.»

Ehrgeiziges Ziel: Der Luzerner SC will (auch) in dieser Beziehung die nationale Spitzenreiterrolle übernehmen. Bis im Jahre 2020 sollen 200 Kinder in den LSC-Trainingslektionen auf ­höhere Aufgaben vorbereitet werden. Eine Plattform für die Rekrutierung ist übrigens die sogenannte «Girls Academy», die junge Mädchen für das wettkampfmässige Hockey animieren soll.

Mit Frauenteam an die Olympischen Spiele

Mathias Schaeben guckt dabei natürlich auch über den LSC-Gartenzaun hinaus. Im Schweizer Verband zählt er in der Frauensektion zum Trainerstab, an der U21-EM im Januar in Wien stiess er mit seinem Team überraschend auf Rang 4 vor. «Man hat uns als Abstiegskandidat eingeschätzt», betont er, «am Schluss haben wir die Bronzemedaille nur knapp verpasst.»

Auch auf internationaler Ebene will sich Schaeben einen Namen machen. Das höchste aller Gefühle wäre: «Einmal als Coach der Frauen-Nationalmannschaft an Olympischen Spielen dabei sein zu können, das wäre fantastisch.» Und auch die Krönung seiner Lebensaufgabe.

Mathias Schaeben

Geboren: 20. März 1992
Geburtsort: Leverkusen (GER)
Wohnort: Luzern
Zivilstand: ledig
Ausbildung: Abitur; J+S-Experte; Trainer B Leistungssport
Karriere als Trainer: 2-mal deutscher Meister mit U14-Girls; Aufstieg mit Frauenteam in die 1. Bundesliga; Schweizer Vizemeister NLA Frauen Indoor; Indoor-EM 2017 Rang 4 mit U21-Frauen
Vorbild: Chris Faust (ehemaliger Schweizer Nationaltrainer im Landhockey)
Hobby: Wakeskate
Motto: Et kütt wie et kütt (Kölsch); es kommt, wie es kommt