Langlauf Davos
So war Dario Colognas Premiere als TV-Kommentator: Starker Auftritt, aber auch eine verpasste Chance

Nadine Fähndrich feierte beim Heimweltcup in Davos mit ihrem Sieg im Sprint und einem guten 8. Platz über 20 Kilometer ein perfektes Wochenende. Der vierfache Olympiasieger Dario Cologna erlebte derweil eine Feuertaufe der anderen Art.

Rainer Sommerhalder
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Dario Cologna stellte bei der Premiere am TV-Mikrofon seine Fachkompetenz unter Beweis.

Dario Cologna stellte bei der Premiere am TV-Mikrofon seine Fachkompetenz unter Beweis.

Gian Ehrenzeller / KEYSTONE

Seit Bernhard Russi im Jahr 1986 war nie mehr ein so hochdekorierter Schweizer Wintersportler im Fernsehen als Co-Kommentator am Werk wie jetzt Dario Cologna in Davos. Der Unterschied: Russi startete seine zweite Karriere als Experte acht Jahre nach dem Ende seiner Karriere, bei Cologna sind seit dem Rücktritt gerade mal neun Monate vergangen.

Der vierfache Olympiasieger bewältigte die Premiere mit der gleichen Eleganz, wie er 15 Jahre lang auf der Loipe überzeugte. Er ergriff selbstbewusst das Wort, punktete mit seinem enormen und vielfältigen Fachwissen und leistete sich kaum einen sprachlichen Bock. Cologna scheute sich auch nicht, deutlich zu werden. «Das Feld der Frauen ist nicht gut besetzt», sagte er. Oder: «Sie (Anja Weber) kann es besser.»

Und immer wieder realisierten die Zuschauerinnen und Zuschauer am TV, wie nahe der 36-Jährige noch am Geschehen dran ist. Er verriet, dass der spätere Sprint-Sieger Federico Pellegrino am Morgen um drei Uhr seine hochschwangere Frau im Aostatal verliess, um in seiner Lieblingsdestination vor der Geburt noch einmal so richtig für sportliche Furore zu sorgen.

Emotionen sind nicht so Colognas Ding

Nur einmal hätte man sich gewünscht, der Bündner würde ein wenig mehr seine Verschmitztheit als Privatperson und etwas weniger die Abgeklärtheit als Athlet in die Waagschale werfen. Als Nadine Fähndrich im Sprint als Erste über die Ziellinie stürmte, hätten er und Kommentator Patrick Schmid punkto Emotionalität einen Gang raufschalten dürfen. Denn wie sagte Dario Cologna bei der späteren Analyse selbst: «Schweizer Weltcupsieger gibt es nicht so viele verschiedene.»

Dass man die Premiere des Schweizer Langlauf-Monuments in seiner neuen Rolle nicht als ausnahmslos geglückt bezeichnen darf, lag weniger an ihm und mehr an seinem Sparringpartner in der TV-Kabine. Colognas persönliche Meinung zu verschiedenen Themen hätte man schlicht und einfach abholen können, wenn man ihn danach gefragt hätte.

Zum Beispiel über die neuen einheitlichen Distanzen von Frauen und Männern, über die Problematik der Essstörungen im Langlauf, über die Folgen der erdrückenden Dominanz der Norweger für die Sportart oder seine Ansicht zum Ausschluss der Russen. Man wartete zwei Tage lang vergeblich auf solche Fragen.

Selbstbewusst in die Manöverkritik

Wie aber hat Dario Cologna seinen Einstand selbst erlebt? Auch er hätte sich als Steilpass die eine oder andere Frage zu seiner persönlichen Sicht gewünscht. Dies sei beim Training im TV-Studio zur Vorbereitung auf die Livesendung auch so gehandhabt und als Mehrwert erkannt worden. «Ich wurde dannzumal vom Coach aufgefordert, von mir selbst und meinen Erlebnissen zu erzählen.»

Cologna sagt, er habe sich wohl in der neuen Rolle gefühlt und sei nicht sonderlich nervös gewesen. «Ich habe schliesslich gewusst, wovon ich spreche.» Der nächste Einsatz ist beim Start der Tour de Ski im Val Mustair geplant, danach reist er auch als Experte an die WM nach Planica. Heute Montag folgt die Nachbesprechung bei SRF. «Es gibt sicherlich noch Potenzial», sagt Dario Cologna und ist selbstbewusst genug, dieses nicht allein bei sich zu suchen.