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Triathletin Daniela Ryf vor dem Ironman in Hawaii: "Ich finde immer etwas, das sich verbessern lässt."

Daniela Ryf, die beste Triathletin der Welt über die Ironman-Distanz, will in Hawaii ihren vierten Weltmeistertitel holen. Bereits einen Monat vor dem Rennen steckt die Favoritin im Hawaii-Modus. Denn eines darf sich die Favoritin nicht leisten: nicht nervös zu sein.
Jürg Greb

Mit 90 kg Gepäck, zwei Koffern voller Sportkleidung, Velo- und Laufschuhen und Esswaren, auch Schokolade, hat Daniela Ryf am vergangenen Donnerstag das Flugzeug bestiegen. Eine 22-Stunden-Reise über San Francisco nach Hawaii stand ihr bevor. Unmittelbar davor stellte sich die weltbeste Langdistanz-Triathletin der vergangenen Jahre den Medienvertretern. Gewohnt souverän, schnell denkend und schnell redend, präsentierte die 31-jährige Solothurnerin ihre Gedanken und Einschätzungen. Gleichzeitig zeigte sie sich aber auch verletzlich. «Ich fühle mich nie sicher», sagten sie und liess ihre Nervosität durchblicken. Für sie geht es um die Verteidigung des Weltmeistertitels beim Ironman Hawaii am 13. Oktober. Die «Schweizer Sportlerin des Jahres» von 2015 peilt den vierten Sieg in Folge an.

Den Zustand in diesem Spannungsfeld braucht Daniela Ryf. Würde sie sich an den Resultaten orientieren, ergäbe sich leicht eine zu grosse Sicherheit. Sieg an Sieg hat sie gereiht in den letzten Jahren – zumindest in den wichtigen Rennen. Dubai, Südafrika, Rapperswil, Roth, Zürich, 70.3-WM Chattanooga und der Ironman Hawaii im vergangenen Jahr sowie Rapperswil, Frankfurt, Zürich, Gdynia und 70.3-WM in Südafrika in diesem hiessen die Stationen. Nicht von der obersten Podeststufe lachen konnte sie letztmals im vergangenen November, als sie beim Ironman 70.3 in Bahrain nicht über Platz 3 hinauskam, die Millionenprämie für die sogenannte Tripple Crown verpasste und feststellen musste: «Irgendwann ist’s auch für mich schwierig, den Fokus hochzuhalten.» Zu kurz erwies sich die Periode zum Hawaii-Triumph – für einmal.

Nach Olympia-Enttäuschung folgte der Wechsel auf die Langdistanz

Und sie sagt: «Niederlagen können ­zusätzlich motivieren.» Sie sorgen für ­einen besonderen Motivationskick. Her­auslesen lässt sich aus dieser Aussage aber auch: Niederlagen sind es, die sie wenn immer möglich verhindern will. Und alles andere als Siege sind für Ryf Niederlagen, zweite Plätze ist sie kaum gewohnt. Ryf zeichnet sich aber auch ­dadurch aus, dass sie aus Erfolgserlebnissen wertvolle Schlüsse zu ziehen ­versteht. «Ich finde immer wieder etwas, das noch besser hätte gelingen können und ich besser hätte machen müssen.»

Dieses Wechselspiel mit dem eigenen Körper und den Gedanken perfektionierte Daniela Ryf schon früh. Als Juniorin errang sie zweimal den Europameistertitel über die olympische Distanz. Mit 21 holte sie WM-Gold bei den U23 und qualifizierte sich für die Olympischen Spiele 2008 in Peking. Rang 7 stellte ein Ausrufezeichen dar. In der ­Folge musste sie aber auch unten durch. Gesundheitlich wurde sie zurückgeworfen. Bei Olympia 2012 in London resultierte lediglich Rang 40. Auslöser für den Wechsel auf die Langdistanz stellte dieser Misserfolg dar. Und das war ein guter Entschied. Bereits 2014 zeigte sie mit dem zweiten Rang beim Hawaii-Début ihr Potenzial auf.

Intervall-Einheiten mit extremer Vorermüdung

Das Eintauchen in den Hawaii-Modus fasziniert Daniela Ryf seither immer wieder von Neuem. Dass sie dabei physisch und psychisch die eigenen Grenzen verschiebt und sich immer wieder neu kennenlernt, gehört für sie dazu. Sie fordert sich gerne. Wenn sie von ganz langen Einheiten spricht, die sie auslaugen und eine extreme Müdigkeit bewirken, kommt sie ab und an erst nachher zum wirklich Fordernden. Etwa wenn es gilt, Intervallserien auf der Bahn hinzulegen, schnelle, das Limit herausfordernde, etwa 20 mal 800 m. Bei solchen Einheiten stellt sich bei ihr nicht selten ein Gefühl des Staunens ein: «Es ist völlig faszinierend, was sich aus deinem Körper herausholen lässt. Das halten wir selber kaum für möglich.» Eines ist sie sich aber stets bewusst: Der Umgang mit dem Körper und seinen Ressourcen kommt einer Gratwanderung gleich. Jan Frodeno, der Mehrfach-Hawaii-Sieger und Titelverteidiger, lachte mit Ryf vor vierzehn Tagen als 70.3-Weltmeister vom Podest. Diese Woche musste er für Hawaii ab­sagen: eine Stressreaktion im Rücken zwingt ihn dazu. «Solches illustriert, wie nah beieinander Erfolg und Misserfolg liegen», sagt Daniela Ryf dazu.

Daniela Ryf bei ihrem Sieg in Hawaii vor einem Jahr. (Bild: Bruce Omori/EPA)

Daniela Ryf bei ihrem Sieg in Hawaii vor einem Jahr. (Bild: Bruce Omori/EPA)

Zwei Wochen verbringt Daniela Ryf nun auf Maui. Der Akklimatisation gilt die Aufmerksamkeit, der grossen Hitze, der hohen Luftfeuchtigkeit. Und wichtig ist ihr der etwas verminderte Rummel im Vergleich zu Big Island. Auch jetzt will sie sich mit anspruchsvollen Trainingseinheiten fordern und sich darauf konzentrieren. Die Aufwärtstendenz der Formkurve soll sich fortsetzen, so die Absicht von Coach Brett Sutton. Mit dem Australier arbeitet sie seit 2014 zusammen. Er verfolgt die Entwicklung aus der Ferne akribisch. Nach Hawaii geschickt hat er seinen Assistenten und einen ­Sparingpartner fürs Training. Nach Big Island übersetzen wird Ryf acht Tage vor dem Rennen.

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