LAUFSPORT: «Ausreden gibt es bei mir nicht»

Flavia Stutz gewinnt in Stans den Innerschweizer Crossmeistertitel. Der Fokus der 19-jährigen Ufhuserin liegt aber schon auf dem nächsten Highlight.

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Flavia Stutz unterwegs zu ihrem überlegenen Sieg in Stans. (Bild: Hanspeter Roos)

Flavia Stutz unterwegs zu ihrem überlegenen Sieg in Stans. (Bild: Hanspeter Roos)

Stephan Santschi

«Am Ende habe ich im Schlussspurt nicht mehr dagegenhalten können.» Flavia Stutz gab auf den letzten Metern nochmals alles, doch Raphael Kunz blieb unerreichbar. Auf ihr persönliches Ergebnis hatte dies freilich keinen Einfluss. Im Feld der Frauen-Elite lief die 19-jährige Ufhuserin am Sonntagnachmittag in Stans zum Innerschweizer Crossmeistertitel. Sie tat dies in der Zeit von 21:38,84 Minuten derart ungefährdet, dass eben nicht der Vergleich mit direkten Konkurrentinnen, sondern jener mit Athleten der zeitgleich und ebenfalls über sechs Kilometer startenden U-20-Männer-Kategorie interessant war.

Dort hätte sie sich, hinter Kunz, auf Rang drei klassiert. «Es lief gut, ich bin zufrieden. Die Temperaturen waren angenehm», bemerkte Stutz und fügte schmunzelnd an: «Auf der Strecke hätte es für einen Crosslauf durchaus noch etwas mehr Dreck haben können.» In der Tat waren es keine garstigen Verhältnisse, die sich den Teilnehmern der Innerschweizer Crossmeisterschaften boten.

Die Liebe zur Natur

Für Stutz waren die siegreichen Rennen in Stans und in der Vorwoche im Kanton Fribourg eine Vorbereitung für das, was am nächsten Samstag in Benken SG folgt. Dort finden die Schweizer Meisterschaften im Cross statt. Nachdem sie vor einem Jahr den nationalen U-20-­Titel errungen hat, zählt für sie auch diesmal, bei der erstmaligen Teilnahme in der U-23-Kategorie, nur ein Ziel: «Gold, ich will gewinnen.»

Für ihr Hobby, den Laufsport, investiert Flavia Stutz viel. Fast täglich spult das Mitglied der Läuferriege Gettnau Trainingskilometer ab. Meistens am Abend nach der Arbeit, allein. «Das braucht Willen, vor allem im Winter, wenn es draussen dunkel und kalt ist. Doch Ausreden gibt es bei mir nicht. Ich will einfach laufen», erklärt sie. Die Natur hat es ihr angetan, eng mit der Natur verbunden wuchs sie auf – auf dem Bauernhof der Eltern. So vermag auch ihre Berufswahl nicht zu überraschen. Aktuell absolviert die ausgebildete Gärtnerin eine Zusatzlehre als Floristin. Auf dem heimischen Hof finde sie dabei genug Platz, um «mit den Blumen zu üben», wie sie erzählt.

Der Reiz des Marathons

Die ganz grossen Ziele hat sie nicht in ihrer Sportkarriere, an Weltmeisterschaften oder Olympische Spiele denkt sie nicht. Das heisst aber nicht, dass sie frei von internationalen Ambitionen ist, im Gegenteil: Stutz, die bereits zweimal an einer U-20-Cross-Europameisterschaft teilgenommen hat (17./24.), möchte mittelfristig an der EM der Aktiven teilnehmen. Und dann hat sie eine Distanz im Visier, die ihrem Körper noch mehr abfordern wird als die Rennen auf unebenem Geläuf: den Marathon. «Das möchte ich gerne ausprobieren. Ich mache nun die Lehre fertig, und dann werde ich wohl nicht 100 Prozent arbeiten, um genug Zeit fürs Training zu haben», erläutert sie ihre Pläne. Eine EM-Teilnahme im Marathon, das hätte schon was, gesteht sie lächelnd.

Schlussspurts haben in dieser Disziplin eher Seltenheitswert. Das ist Flavia Stutz auch recht so, wie sich gestern wieder zeigte. «Dafür bin ich zu wenig schnell. Das gilt auch für den Beginn eines Rennens», sagt Stutz, die eher als Langsamstarterin gilt. «Ich brauche eine Weile, bis ich im Rhythmus drin bin. Für den Kopf ist es ja ohnehin besser, wenn man die Konkurrenz überholen kann, als von ihr überholt zu werden.»