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LAUFSPORT: Eine Spätzünderin hat Rio im Visier

Conny Berchtold verblüfft kürzlich am Jungfrau-Marathon mit dem 3. Rang. Die 39-Jährige stammt aus Rothenburg, lebt mit ihrer Familie in Spiez – und ist voller Tatendrang.
Auch wenn es wehtut: Conny Berchtold empfindet beim Laufen jede Menge Glücksgefühle, auch beim Jungfrau-Marathon. (Bild PD)

Auch wenn es wehtut: Conny Berchtold empfindet beim Laufen jede Menge Glücksgefühle, auch beim Jungfrau-Marathon. (Bild PD)

Roland Bucher

«Sieger zweifeln nicht, Zweifler siegen nicht.» Mit dieser Philosophie rennt Conny Berchtold durch ihr Sportler­leben. Erfolgreich. Vor zwei Wochen klassierte sich die filigrane Läuferin aus Spiez beim Jungfrau-Marathon hinter der Französin Aline Camboulives und Eshetu Demu Meserat als beste Schweizerin und erste Berner Oberländerin auf Rang 3: «Es war überwältigend, vor so vielen Fans ins Ziel zu laufen. Und es war fantastisch, an dieser Siegerehrung teilnehmen zu dürfen. Das ist richtig eingefahren.» Und macht Lust auf mehr. Davon später.

«Leiden gehört dazu»

Der Jungfrau-Marathon: 1900 Höhenmeter sind bei diesem anspruchsvollen Wettkampf zu überwinden, verteilt auf die Marathon-Originaldistanz von 42,195 Kilometern. Tortur? «Ja», sagt Conny Berchtold ohne Umschweife, «es ist hart, es kann weh tun, man muss sich überwinden. Leiden gehört dazu. Wenn du an deine Grenzen stösst, dann musst du an etwas Schönes denken.» Zum Beispiel an den Sieg ihrer 11-jährigen Tochter Yael, die sich am Vortag in Nottwil den Schweizer-Meister-Titel über 1000 Meter eroberte. «Dann geht es wieder weiter, hinauf, immer hinauf, dem Ziel entgegen, und je näher du kommst, desto frenetischer treiben dich die Zuschauer an.» Das ist ihr Elixier, aus diesem Fundus schöpft sie die Kraft und die Motivation, sich zu plagen, im Grenzbereich die nächsten Schritte, die nächsten Meter zu erzwingen: «Ich werde oft darauf angesprochen: Bist du süchtig, bist dem Laufsport verfallen? Ich sage ganz klar Nein! Wenn ich laufe, flach oder bergwärts, locker oder mit Tempo, bin ich zufrieden. Und einfach glücklich.»

Irgendwie hat Conny Berchtold, die 1,72 Meter grosse und 54 Kilogramm zähe Athletin die Rennerei im Blut. Ein gewisser Georges Lischer aus Werthen­stein, in den 80er- und 90er-Jahren des letzten Jahrhunderts eine Läuferikone in der Innerschweiz, grüsst als Onkel. «Doch dieses Gen allein reicht natürlich nicht, um eine gute Sportlerin zu werden», schmunzelt die selbstbewusste Frau, «dazu braucht es mehr.» Zum Beispiel unerhörte Disziplin – in allen Lebensbereichen: Um 5.45 ist mit jeder Konsequenz Tagwache, und wenn die beiden Mädchen Yael (11) und Eline (10), die Balletteuse, zur Schule geschickt und der Haushalt erledigt ist, schnürt Conny Berchtold ihre Adidas-Laufschuhe. Dann geh es los, und ganz besonders bemerkenswert: «Ich absolviere jeden Tag eine andere Strecke. Immer den gleichen Parcours bewältigen zu müssen, das wäre zu eintönig.» So sammeln sich pro Woche gut und gerne 20 Trainingsstunden und bis zu 150 Kilometer an – Zusatzefforts auf dem Rennvelo nicht einberechnet.

Die Karriere von Conny Berchtold – sie lebt mit ihrem aus dem Wallis stammenden Mann in Spiez («Wir haben uns irgendwo in der Mitte getroffen»), kennt keine Etikette. Die gebürtige Rothenburgerin war, bis sie 33 Jahre alt wurde, eine 08/15-Joggerin. Sie wusste bis zu diesem Zeitpunkt nichts von ihrer Begabung. Doch als sie sich zu einer Teilnahme beim Lauftreff Spiez überreden liess, verklickerte man ihr indes schnell: «Conny, du hast Talent.» So viel Talent wie nicht viele andere.»

So ging es auch resultatmässig bald sprunghaft nach oben, immer steiler, und spätestens, als die Schweizer Marathon-Legende Richard Umberg Training und Verantwortung für eine optimale Karriereplanung übernahm, rieb man sich in der Laufausdauer-Szene bald verwundert die Augen: Conny Berchtold stürmte eiligen Schrittes nach vorne. «Manchmal denke ich, was möglich gewesen wäre, wenn ich früher richtig mit dem Laufsport begonnen hätte», gesteht die Senkrechtstarterin, «aber dann sage ich mir: Jetzt bist du 39, unverbraucht, nie verletzt – und hast noch so viele sportliche Erlebnisse vor dir.» Ein kleines Thema sind sogar die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro, «2:34 Stunden in einem Marathon zu laufen, also die Limite», betont sie, «ist sehr, sehr schwierig, aber keine Utopie.» Wenns nicht klappt: 2020 ruft Tokio – «und dann bin ich mit 44 ja im besten Läuferalter ...» So denkt sie halt, Conny Berchtold, die Optimistin.

Heimauftritt am 25. Oktober

So bleibt für den Schluss das übliche, sympathische Dankeschön von A («An alle, die mich mit Herz und Seele unterstützen») bis Z («Zusammen sind wir stark»), aber auch die Aussicht, die schnelle und ausdauernde Rothenburgerin bald am Swiss City Marathon Luzern glücklich rennen und strahlen zu sehen: «Ich nehme das erste Mal daran teil, und ich freue mich riesig. Ich weiss schon jetzt, dass viele meiner Freunde und Bekannten am Strassenrand stehen und mich anfeuern werden. Und wenn mich dann meine Kids beim Ziel anstrahlen, ist das ein Gefühl, das mich unerhört zufrieden macht.»

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