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LAUFSPORT: Viktor Röthlin bereit zum Gipfelsturm

Viktor Röthlin peilt am Jungfrau-Marathon den Sieg an. Sein erster Start an einem Bergmarathon soll sich für die EM 2014 auszahlen.
Stefan Klinger, Interlaken
Viktor Röthlin will auch beim Jungfrau-Marathon wieder jubeln, hier 2007 beim Japan-Marathon. (Bild: PD)

Viktor Röthlin will auch beim Jungfrau-Marathon wieder jubeln, hier 2007 beim Japan-Marathon. (Bild: PD)

Es ist eine enorme Belastung für den Körper. Selbst für durchtrainierte Ausdauersportler wie Marathon-Europameister Viktor Röthlin ist dieser Streckenabschnitt eine grosse Herausforderung: Mit einem Tempo von ziemlich genau drei Minuten pro Kilometer spurten die Topläufer am Jungfrau-Marathon etwa zur Hälfte des Laufes über eine 5 Kilometer lange, einigermassen flache Runde durch Lauterbrunnen – und begeben sich dann in den Anstieg hoch nach Wengen. Ein Anstieg, der so steil ist, dass selbst die Besten fortan sieben bis acht Minuten pro Kilometer benötigen. «Die Umstellung, wenn du in diese Wand reinläufst, wird zu einer grossen Herausforderung für das Herz-Kreislauf-System und den Bewegungsapparat», sagt Röthlin. Eine, wie sie der 38-Jährige aus Ennetmoos noch nie in seiner Karriere meistern musste.

Und trotzdem sitzt Röthlin zehn Tage vor dem Start an seinem ersten Bergmarathon am gestrigen Mittwoch auf dem Harder Kulm und geniesst gelassen das Panorama. Den Blick auf den Start in Interlaken und den weiteren Verlauf der Strecke, wie sie sich über Wilderswil in Richtung Lauterbrunnen das Tal entlangschlängelt. Zufrieden blickt er auf seine Vorbereitung in den letzten Wochen zurück, analysiert mit Vorfreude die Strecke und verkündet selbstbewusst: Er will und kann den Jungfrau-Marathon 2013 gewinnen.

Röthlin legt im Kraftbereich zu

Dabei ist es längst nicht allein die Aussicht auf den Erfolg am übernächsten Samstag, die Röthlin so positiv stimmt. Es sind vor allem die Erlebnisse in der Vorbereitung, die ihm nun für die Zielgerade seiner Karriere noch einmal einen Schub verleihen. «Wegen des Jungfrau-Marathons war ich gezwungen, diesmal in der Vorbereitung andere Wege zu gehen», sagt er, «das kam zum richtigen Zeitpunkt, damit ich mein letztes Jahr als Spitzenathlet mit neuer Motivation angehen kann.»

Immerhin hat Röthlin bereits 25 Marathons absolviert. Er holte EM-Gold, EM-Silber, WM-Bronze, wurde Olympia-Sechster, gewann zweimal in Zürich und stellte den Schweizer Rekord auf. Das alles bescherte ihm viele glanzvolle Momente. Doch trotz all der schönen emotionalen Erlebnisse und trotz des Versuchs, in jede Vorbereitung das eine oder andere neue Element einzubauen – weil er alle 25 Marathons auf einigermassen flachen Strecken absolvierte, verliefen die Vorbereitungen darauf doch immer irgendwie ähnlich und verloren allmählich an Reiz.

Dabei ist es nicht nur der Reiz des Neuen, der Röthlin neu motiviert. Der 38-Jährige ist sich sicher, dass die vielen neuen Trainingsinhalte in der Vorbereitung auf den Jungfrau-Marathon auch für sein letztes grosses Ziel, die Titelverteidigung an der Heim-EM nächsten Sommer in Zürich, förderlich sind. «Beim Marathon in Zürich wartet vier-mal der Anstieg zur ETH-Polyterrasse», sagt Röthlin, «da kann ich ganz bestimmt auch von der Jungfrau-Marathon-Erfahrung profitieren.» Vor allem, weil er nun durch die vielen Bergläufe mehr Kraft in der Wade und im Oberschenkel besitzt. Zudem baute er wegen der diesmal zu erwartenden Wettkampfdauer von drei Stunden seine sogenannten «Long Jogs», bei denen er im Training bislang immer 38 bis 40 Kilometer im Flachen in 2:40 Stunden gelaufen ist, auf drei Stunden und 44 Kilometer aus.

Röthlin läuft Marathon in Fukuoka

Nach dem Jungfrau-Marathon wird es für Röthlin vor allem darum gehen, die neu gewonnene Kraft so umzusetzen, dass er bei einem Strassenmarathon an Schnelligkeit gewinnt. Eine erste Standortbestimmung soll ihm dann der Marathon am 1. Dezember in Fukuoka geben, vor dem er noch am 6. Oktober am 17,45 Kilometer langen Murtenlauf startet. Nach dem Marathon in Japan legt Röthlin eine letzte Erholungspause ein, bevor er dann an Weihnachten seine 71/2-monatige EM-Vorbereitung beginnt, in der er keinen Marathon mehr, dafür aber ein paar kürzere Strassenläufe und eventuell sogar ein Bahnrennen über die 10 000 Meter bestreitet.

Doch nun konzentriert sich Viktor Röthlin erst einmal auf den Jungfrau-Marathon. «Ich denke, dass ich zwischen 2:55 und 3:05 Stunden brauche», sagt er, «wenn mir die 2:55 gelingen, dann habe ich hoffentlich gewonnen.»

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