Leader EV Zug lässt sich vorführen

Zug kämpft um Platz eins, Langnau um einen Rang in den Playoffs: Die Emmentaler siegen in diesem Duell mit 5:1.

René Barmettler aus Langnau
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Die Zuger Oscar Lindberg (links) und Raphael Diaz bearbeiten den Langnauer Pascal Berger.

Die Zuger Oscar Lindberg (links) und Raphael Diaz bearbeiten den Langnauer Pascal Berger.

Marc Schumacher, freshfocus

Das Unheil für den EV Zug bahnte sich zu Beginn des Schlussabschnittes an: Die SCL Tigers führten mit 3:1 und die Zuger mussten zudem mit einem Mann weniger auskommen: Carl Klingberg sass noch für fast zwei Minuten auf der Strafbank. Zwar überstand der EVZ diese Unterzahlsituation, aber kurz danach liess sich EVZ-Goalie Luca Hollenstein von einem Weitschuss zum 1:4 bezwingen (43.). Abgegeben wurde dieser von SCL-Verteidiger Claudio Cadonau, der in der nächsten Saison das Dress der Zuger überziehen wird. Das Spiel war entschieden, und als Harri Pesonen vier Minuten darauf im Fallen das 5:1 erzielte, zweifelte niemand mehr am Spielausgang. «Langnau verwertete unsere Strafen gut, im Spiel fünf gegen fünf machten wir aber nicht viel falsch», sagte EVZ-Stürmer Sven Senteler hinterher. Vielleicht nicht in taktischer Hinsicht, aber Hollenstein ging mit seinen Vorderleuten etwas härter ins Gericht: «Vielleicht wollten wir etwas zu schön spielen, hätten versuchen sollen, so genannt dreckige Tore zu erzielen.» Das kommt der Wahrheit sehr nahe. Ein Pass zu viel hier, einer zu viel dort: Das gab den aufsässigen und sehr defensiv spielenden Langnauern oft genug Zeit, sich wieder richtig aufzustellen. Dank diesem Sieg verhinderten die SCL Tigers den Fall unter den Playoff-Strich. 

Vorentscheidung zwei Sekunden vor der zweiten Pause

«Wir haben das Messer am Hals», sagte Langnau-Stürmer Julian Schmutz nach der siegreichen Partie vom Freitag in Lugano. In der Schlussviertelstunde drehten die Emmentaler das Spiel und siegten mit 3:1. Es war dies der vierte Saisonsieg gegen die Tessiner. Das könnte der entscheidende Vorteil sein, wenn es am Ende um einen der letzten Playoff-Plätze gehen wird. Tags darauf gastierte allerdings der EV Zug in der Ilfis-Halle, ein anderes Kaliber als es derzeit die Luganesi sind. Der Spitzenreiter wollte einerseits die Leaderposition verteidigen und andererseits die gute Auswärtsbilanz ausbauen. Die Zentralschweizer hatten zuvor in zehn Partien in der Fremde deren acht gewonnen. Zug trat erstmals im neuen Jahr mit Luca Hollenstein an. Die Nummer zwei im EVZ-Tor traf indes keine Schuld, dass der EVZ im Startdrittel mit 0:2 ins Hintertreffen geriet. Beim 1:0 brachte Federico Lardi die Scheibe im Netzdach unter (18.). Beim 2:0 nur gerade 62 Sekunden danach nutzte das Heimteam nach einem Fehlpass von Zugs Yannick Zehnder einen Konter aus: Chris Di Domenico, der vor wenigen Tagen bei Fribourg-Gottéron unterschrieben hatte, schob den Puck nach einen optimalen Querpass von Robbie Earl über die Linie. Es war aus Zuger Sicht ein unrühmliches Ende eines Spielabschnittes, das sie zuvor eigentlich fest im Griff hatten.

Kurz darauf schien jedoch Besserung in Sicht: Sven Senteler verkürzte in der 25. Minute auf 1:2, er insistierte nach einem Schuss von Dario Simion hartnäckig. Das Tor war regulär, auch wenn die heimischen Fans lautstark und auch SCL-Coach Heinz Ehlers dagegen protestierten. Von da weg wurde die Partie ruppiger geführt, die Unparteiischen hatten plötzlich alle Hände voll zu tun, um diverse Streithähne zu trennen. Zwei Sekunden vor Ablauf des mittleren Drittels bauten die Langnauer ihren Vorsprung auf 3:1 aus: Mit Yannick-Lennart Albrecht und Carl Klingberg sassen zwei Zuger auf der Strafbank. Bei doppelter Überzahl dauerte es nach dem Puck-Einwurf vier Sekunden, ehe Pesonen zwar am Zuger Goalie scheiterte, aber daraufhin mit dem Abpraller Earl reüssierte. Den Zugern wurde auch zum Verhängnis, dass Lino Martschini (34.) und Senteler (37.) ihre Chancen zum 2:2-Ausgleich nicht wahrnahmen.

Gelegenheit zur Revanche bietet sich am Dienstag

Diese Niederlage tut Senteler weh, obwohl die Langnauer die Punkte eigentlich mehr als die Zuger gebrauchen konnten. «Für uns geht es auch um viel. Wir wollen Rang eins behalten und uns möglichst gut auf die Playoffs vorbereiten.» Gelegenheit zur Revanche gegen diesen Gegner ergibt sich sogleich wieder am kommenden Dienstag. Für Senteler ist klar: «Dann müssen wir kämpferisch zulegen.» Oder man kann es auch mit den Worten von Hollenstein ausdrücken: «Dreckige Tore müssen her.»

SCL Tigers - Zug 5:1 (2:0, 1:1, 2:0)
5970 Zuschauer. - SR Wiegand/Fluri, Progin/Wolf. - Tore: 18. Lardi (In-Albon, Rüegsegger) 1:0. 20. (19:00) DiDomenico (Earl) 2:0. 25. Senteler 2:1. 40. (39:58) Earl (Pesonen, Maxwell/Ausschlüsse Albrecht, Klingberg) 3:1. 43. Cadonau (Leeger, DiDomenico) 4:1. 47. Pesonen (DiDomenico) 5:1. - Strafen: je 6mal 2 Minuten. 
SCL Tigers: Punnenovs; Cadonau, Leeger; Erni, Lardi; Blaser, Huguenin; Grossniklaus; Kuonen, Maxwell, Neukom; DiDomenico, Berger, Pesonen; Schmutz, Earl, Andersons; Rüegsegger, In-Albon, Sturny.
Zug: Hollenstein; Schlumpf, Geisser; Diaz, Stadler; Morant, Alatalo; Thiry, Zryd; Klingberg, Kovar, Hofmann; Martschini, Lindberg, Thorell; Simion, Senteler, Bachofner; Leuenberger, Albrecht, Zehnder.
Bemerkungen: SCL Tigers ohne Diem, Dostoinow, Glauser, Schilt (alle verletzt), Elo und Gagnon (beide überzählige Ausländer), Zug ohne Schnyder und Zgraggen (beide verletzt). Pfostenschuss Andersons (2.).