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LEICHTATHLETIK: Bahn frei für Powell und Blake

Den Strategen von Spitzen-Leichtathletik Luzern ist ein Coup gelungen: Für das Meeting am nächsten Dienstag haben sie die beiden 100-Meter-Stars Asafa Powell und Yohan Blake verpflichtet.
Der Jamaikaner Asafa Powell (links) verbesserte dreimal den Weltrekord. Sein Landsmann Yohan Blake Zweitschnellster Mann aller Zeiten. (Bild: Keystone)

Der Jamaikaner Asafa Powell (links) verbesserte dreimal den Weltrekord. Sein Landsmann Yohan Blake Zweitschnellster Mann aller Zeiten. (Bild: Keystone)

Stefan Klinger

Das Olympiastadion von London. 5. August 2012, kurz vor 22 Uhr Ortszeit. 80 000 Fans warten auf den Rängen gespannt auf den Startschuss, Millionen von Zuschauern fiebern vor dem TV-Gerät einem der Höhepunkte der Olympischen Spiele von London entgegen. Unten auf der Bahn begibt sich die Creme de la Creme der Sprintszene in die Startblöcke. Es folgt der Final über 100 Meter. Mit am Start: Asafa Powell, der in seiner Karriere dreimal den Weltrekord der Königsdisziplin verbesserte, und Yohan Blake, Weltmeister von 2011 und inzwischen hinter Usain Bolt der zweitschnellste Mann aller Zeiten.

Blake: Fokus liegt auf Olympia 2016

Szenenwechsel: Wenn am kommenden Dienstag gegen 19.30 Uhr auf der Luzerner Allmend der Startschuss zum 100-Meter-Sprint fällt, werden zwar keine 80 000 Fans um die Bahn herum stehen und auch nicht Millionen von Zuschauern vor den TV-Apparaten sitzen sehr wohl werden sich aber Powell und Blake wieder aus dem Startblock katapultieren. Nach unserer Zeitung vorliegenden Informationen ist es den Veranstaltern des Luzerner Meetings gelungen, die beiden jamaikanischen Sprintstars für das Meeting 2015 zu gewinnen. Und das trotz ihres Mini-Budgets, bei dem sie wie in den vergangenen Jahren nur knapp 300 000 Franken für die Verpflichtung, Verpflegung und Unterbringung aller Athleten zur Verfügung haben.

Möglich gemacht hat diesen Coup offenbar Blakes jüngste Leidenszeit, die den Marktwert des 25-Jährigen massiv nach unten drückt. Denn im Juli 2015 ist der doppelte Silbermedaillengewinner (100, 200 Meter) und Staffel-Olympiasieger von London weit weg von seinem einstigen Status. Der Grund: 2013 plagte sich Blake immer wieder mit muskulären Problemen im Oberschenkel rum, kam nie richtig auf Touren. Und 2014 ging das gerade so weiter. Der Tiefpunkt: Im Juli 2014 erlitt er beim Meeting in Glasgow während des 100-Meter-Rennens einen Muskelriss im Oberschenkel.

Und das hinterliess bei Blake tiefe Spuren. Physisch ist zwar längst wieder alles okay, doch mental hat er die Ereignisse noch nicht endgültig verarbeitet. «Yohans Problem ist, dass er Angst hat, sich wieder zu verletzen», sagte kürzlich dessen Trainer Glen Mills gegenüber NBC, daher könne er zurzeit nicht an sein Limit gehen. Er bestreite die Saison nun ohne Gedanken an bestimmte Zeiten, sondern nur mit dem Ziel, sich langsam wieder an die Weltspitze heranzutasten und den Grundstein für die Saison 2016 zu legen. Denn da will Blake, der schon länger angekündigt hat, dass er «vor 2020» aufhört, bei seinen letzten Olympischen Spielen über 100 und 200 Meter mindestens eine Goldmedaille gewinnen. «Das Jahr 2015 ist für mich ein Schritt auf dem Weg, 2016 wieder auf das höchste Level zurückzukommen», sagte Blake kürzlich gegenüber der Zeitung «Jamaica Gleaner», «mein Fokus ist, ohne Verletzungen durch die Saison zu kommen.»

Und wenn ein Yohan Blake nicht an sein Limit geht, dann sieht das in diesem Jahr bislang so aus: Die Saisonbestzeit über 100 Meter beträgt 10,21 Sekunden Rang 115 in der Weltjahresbestenliste, Halbfinal-Aus an den jamaikanischen Trials, keine Teilnahme an der WM in Peking (22. bis 30. August).

Dass Blake trotz der aktuellen Baisse 2016 aber wieder zu den schnellsten Männern der Welt zählen wird, davon ist Asafa Powell fest überzeugt. «Wir alle verletzen uns mal», sagt Powell, «ich war jahrelang immer wieder verletzt und laufe immer noch schnell.» Und wie schnell! Der 32-Jährige ist zurzeit in Topform. Am vergangenen Samstag benötigte er beim Meeting in Paris für die 100 Meter gerade einmal 9,81 Sekunden. In der Weltjahresbestenliste belegt er damit aktuell Rang zwei hinter Justin Gatlin (USA/9,74) und hegt grosse Hoffnungen, nach den zwei WM-Bronzemedaillen 2007 und 2009 diesmal an der WM über die 100 Meter noch mehr zu erreichen.

Powell Favorit für WM im August

Nachdem Powell im vergangenen Jahr beim Meeting in Luzern sein Comeback nach einer mehrmonatigen Dopingsperre gegeben hatte, stellte er sich neu auf. Er trennte sich von seinem Entdecker Stephen Francis, verliess dessen Trainingszentrum in Kingston (Jam) und trainiert seither bei seinem älteren Bruder Donovan, der seit Jahren in den USA Nachwuchssprinter betreut. Das vergangene Jahr schloss er als Weltjahresdritter ab (9,87), nun ist er noch schneller. So schnell, dass er sich vor keinem Gegner fürchtet. Angesprochen auf den zurzeit angeschlagenen Bolt, antwortete Powell dieser Tage selbstbewusst und mit einem Schmunzeln im Gesicht: «Sollte er nicht bei 100 Prozent sein, sollte er sich in Peking auf die 200 Meter oder die Staffel konzentrieren.»

Zurück zum Olympiafinal von London: Yohan Blake stürmte zu Silber, Asafa Powell zog sich eine Adduktorenverletzung zu und humpelte am Ende ins Ziel.

Auch am kommenden Dienstag wird es in Luzern wohl kaum zu einem Duell auf Augenhöhe kommen. Durch die Starts von zwei der besten Sprinter der vergangenen Jahre wird aber zumindest der Glamourfaktor garantiert sein.

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