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LEICHTATHLETIK: Das Duell zweier Bekannter

Die beiden Schweizer Simon Tesfay und Tadesse Abraham sind die Favoriten am Stadtlauf. Vor zwölf Jahren beantragten sie zusammen politisches Asyl.
Jörg Greb
Will den Stadtlauf «endlich» gewinnen: Simon Tesfay (links). Tadesse Abraham knackte jüngst den Schweizer Rekord von Viktor Röthlin. (Bilder Philipp Schmidli / Keystone / Marcel Bieri)

Will den Stadtlauf «endlich» gewinnen: Simon Tesfay (links). Tadesse Abraham knackte jüngst den Schweizer Rekord von Viktor Röthlin. (Bilder Philipp Schmidli / Keystone / Marcel Bieri)

Jörg Greb

Der erste Sieg eines Schweizers seit 1988 – damals gewann Pierre Délèze, der noch immer den Schweizer Rekord über 1500 Meter hält – scheint am diesjährigen Luzerner Stadtlauf möglich. Eng damit verbunden sind der Ausnahmeathlet Tadesse Abraham sowie ein Strategiewechsel bei den Organisatoren. Nachdem die Veranstalter jahrelang auf ostafrikanische Spitzenathleten gebaut hatten und so unter anderem Olympiasieger, Weltmeister und Weltrekordler wie Julius Kariuki oder Paul Tergat begrüssen konnten, setzen sie nun auf europäische Klasse. «Als Folge der Dopingdiskussionen um die Läufer aus Kenia und Äthiopien hinterfragten wir unsere Einladungspraxis», sagt der Verantwortliche für die Spitze, Beat Schorno.

Dennoch wird morgen in Luzern afrikanische Klasse zu bewundern sein. Denn Tadesse Abraham und Simon Tesfay haben ihre Wurzeln in Eritrea. Die beiden verbindet aber weit mehr als das. Zusammen setzten sie sich 2004 bei der Cross-Weltmeisterschaft vom eritreischen Team ab und beantragten politisches Asyl in der Schweiz. Zusammen kamen sie nach Uster. Ihre Wege verzweigten sich, als Abraham heiratete und nach Genf zog. Und mit dieser Heirat verbunden ist, dass sich ihr Status unterscheidet: Weil seine Gattin Schweizerin ist, hat Abraham nach zehn Jahren in der Schweiz den hiesigen Pass bekommen. Tesfay aber wartet noch immer darauf.

Röthlin-Rekord übertrumpft

Sportlich haben sich sowohl Abraham als auch Tesfay weiterentwickelt – mit unterschiedlich grosser Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Der 33-jährige Abraham gehört, seitdem er für die Schweiz läuft, zu den Leistungsträgern von Swiss Athletics. Zuletzt machte er mit seinem Top-Marathon in Seoul Eindruck, bei dem er Mitte März den Schweizer Rekord auf international starke 2:06:40 Stunden drückte, den Europarekord um lediglich eine Sekunde verpasste und dafür sorgte, dass Viktor Röthlin nicht mehr in den aktuellen Rekordlisten figuriert.

Auch Tesfay läuft mittlerweile auf höchstem Niveau. Über die Halbmarathondistanz verbesserte sich der 31-Jährige Anfang April auf 1:01:00 Stunden und kam damit bis auf 18 Sekunden an Abrahams Rekord heran. Niemand ausser den beiden hat die 21,098 Kilometer in der Schweiz schon schneller zurückgelegt – Röthlin nicht und auch nicht Markus Ryffel, Stéphane Schweickhardt oder Pierre Délèze.

Tesfay hätte seine Form gerne weiter genutzt. Wegen Verdauungsproblemen musste er aber den geplanten Marathon-Einstand in Zürich streichen. Jetzt ist das gesundheitliche Malheur überwunden. «Ich bin wieder fit, und der Wettkampfhunger hat sich wegen meines Zürich-Forfaits für Luzern vergrössert», sagt er.

Mühe in den engen Kurven

Und Tesfay verdeutlicht: «Ich möchte endlich bei diesem tollen Rennen gewinnen.» Seitdem er in der Schweiz lebt (noch immer in Uster), hat er keine Austragung des Stadtlaufs verpasst. Regelmässig glückten ihm Spitzenergebnisse. Besser klassiert als auf Rang 3 (2011) war er aber noch nie gewesen.

Die starke Konkurrenz ist ein Grund dafür gewesen, Stürze ein anderer. «Für mich als gross gewachsener Athlet ist es in den engen Kurven schwierig, vor allem bei Regen», sagt Tesfay. Auch darum hofft er auf gutes, sprich: trockenes Wetter.

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