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LEICHTATHLETIK: «Ein Glücksgefühl, das privat und beruflich nur selten möglich ist»

Markus Ryffel (61) ist als Schweizer Langstreckenläufer in die Geschichte eingegangen. Am Sonntag nimmt er in Luzern den Halbmarathon in Angriff.
Interview Turi Bucher
Markus Ryffel (rechts, Nr. 795) sprintet 1984 an den Olympischen Sommerspielen von Los Angeles zur Silbermedaille über 5000 m. Bild: Imago (Los Angeles, 9. April 1984)

Markus Ryffel (rechts, Nr. 795) sprintet 1984 an den Olympischen Sommerspielen von Los Angeles zur Silbermedaille über 5000 m. Bild: Imago (Los Angeles, 9. April 1984)

Markus Ryffel, bekommen Sie als prominenter Schweizer Läufer beim Swiss City Marathon in Luzern eigentlich eine Startgage oder müssen Sie selber auch Startgeld bezahlen?

Eine Gage erhalte ich nicht, dafür gewähren mir die Organisatoren von Luzern einen sogenannten Freistart, was ich sehr zu schätzen weiss.

Was sagen Sie einem Laufwilligen, der jahrelang nicht mehr trainiert hat und gelaufen ist und völlig unvorbereitet am Marathon starten will?

Ich sage ihm: Ein Kaltstart liegt nicht drin! Es braucht rund ein Jahr Vorbereitung, für einen Halbmarathon ungefähr ein halbes Jahr. Wer längere Zeit sportlich nicht aktiv war, für den ist ein ärztlicher Check ein Muss. Der Arzt klärt ab: Ist mein Herz gesund, ist es belastbar? Habe ich zu viele Kilos auf den Rippen? Sind orthopädische Probleme vorhanden? Idealerweise begleitet der Arzt die erste Laufeinheit.

Was geht in einem Marathonläufer in den Minuten nach dem Zieleinlauf vor?

Die Glückshormone wallen! Der Läufer realisiert: Sein Körper ist ein wunderbar funktionierendes System. Die innere Befriedigung, eine solch grosse Leistung vollbracht und gegen die eigenen Schwächen gekämpft zu haben – das ist unbeschreiblich. Dieses Glücksgefühl voller Emotionen, das ist im privaten und beruflichen Alltag nur selten möglich. Der Marathon ist ein aussergewöhnliches Gemeinschaftserlebnis. Die Marathonläufer laufen eigentlich miteinander und nicht gegeneinander. Ich will es mal so sagen: Der Marathon gilt als Symbol für die Bewältigung einer grossen Herausforderung.

Wie erholt sich ein Marathonläufer in den Stunden und Tagen nach dem grossen Lauf am Vernünftigsten?

Sorgfalt ist geboten, das ist ganz, ganz wichtig. Für eine vollständige Erholung des Körpers und insbesondere der Muskeln braucht es mehrere Wochen. Klar, man schwärmt schon vom nächsten Marathon. Aber die 42 Kilometer hinterlassen ihre Spuren. Gleich nach dem Zieleinlauf gilt es zudem, trockene Kleidung anzuziehen. In der Fachsprache spricht man vom «Open-Window»-Effekt. Das heisst, dass nach einer übermässigen Anstrengung die Infektanfälligkeit steigt. Weiter gilt es, das Flüssigkeitsdefizit auszugleichen, die Speicher zu füllen und auch das süsse Nichtstun zu geniessen.

Wie viele Marathonläufe pro Jahr mag es für einen Amateur leiden?

Der Marathon braucht genügend Vor- und Nachbereitung. Die Antwort ergibt sich also aus der Antwort der vorherigen Frage: Maximal zwei Marathonläufe.

Und wie sieht Ihr Sonntag in Luzern aus?

Ich reise am Sonntagmorgen mit dem Zug von Bern nach Luzern. Nach meinem Halbmarathonlauf werde ich die Partystimmung im Ziel und das Ambiente von Luzern geniessen. Ich bin ja bereits einmal den Halbmarathon in Luzern gelaufen. Luzern ist eine attraktive Stadt. Die Naturschönheiten laufend zu erleben, das bekannte Bad in der Menge, die animierenden Zuschauer am Strassenrand – das macht den Marathon in Luzern zu einem einzigartigen Sportevent.

Seit Ihrer Silbermedaille über 5000 m an den Olympischen Spielen in Los Angeles sind 32 Jahre vergangen. Sie sind inzwischen 61 Jahre alt. Sind Sie noch fit?

Für mich als Bewegungsmensch wird das Laufen, so lange möglich, immer Teil meines Lebens sein. Joggen kann man das ganze Jahr, das Stadion Natur hat 24 Stunden am Tag geöffnet. Sie joggen ja auch, hoffe ich?

Schwierig für mich, ich habs mit dem Knie.

In meiner Zeit als Spitzenläufer bin ich jedenfalls pro Woche zwischen 170 bis 200 Kilometer gelaufen. Seit meinem Rücktritt vom Spitzensport trainiere ich noch drei bis fünf Mal pro Woche. Ich laufe jeweils acht bis zehn Kilometer, einmal pro Woche noch eine längere Einheit. Irgendwann nächstes Jahr werde ich den 200 000. Kilometer in meinem Leben laufen.

Gut, ich habe verstanden: Sie sind definitiv noch fit.

Die Ausdauer ist vorhanden, dazu gehören aber auch Kraftgymnastik, was die Rumpf- und Fusskraft betrifft, dazu Beweglichkeit, Koordination. Um beschwerdefrei laufen zu können, investiere ich dreimal wöchentlich zwanzig Minuten in diese sogenannten Hausaufgaben.

Lassen Sie mich noch das Thema Doping ansprechen ...

... gerade in der Geschichte des Langstreckenlaufs gehen Gerüchte und Indizien um Doping bis in die Anfänge des Marathons zurück. Vor dem Hintergrund des «Sommer des Dopings» in diesem Jahr der Olympischen Spiele möchte ich aber sagen: Ich will nicht alle in denselben Topf werfen. Ich bin überzeugt davon, dass Langstreckenläufer nach wie vor Weltklasseleistungen erbringen können, ohne zu verbotenen Mitteln zu greifen.

Hinweise

Infos und Live-Berichterstattung: luzernerzeitung.ch/marathonMontag: 28 Seiten starke Beilage mit allen Resultaten.

Interview Turi Bucherarthur.bucher@luzernerzeitung.ch

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