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LEICHTATHLETIK: Ein Sprung über den Scheitel

Livia Odermatt aus Sempach sicherte sich kürzlich in Basel mit übersprungenen 1,80 Metern den Meistertitel im Hochsprung in der U-23-Kategorie. Doch die 20-Jährige will noch weit höher hinaus.
Möchte in der kommenden Saison 1,86 Meter überspringen: die 20-jährige Livia Odermatt aus Sempach. (Bild Hans-Peter Spielmann)

Möchte in der kommenden Saison 1,86 Meter überspringen: die 20-jährige Livia Odermatt aus Sempach. (Bild Hans-Peter Spielmann)

Roland Bucher

Es macht Spass, mit Livia Odermatt die Saison zu bilanzieren, ein Wettkampfjahr Revue passieren zu lassen, welches zaghaft, um nicht zu sagen, mit Unbill begann: Eine hartnäckige Entzündung am Achillessehnenansatz hinderte sie beim Sprung, beim Sprint, schlug auf die Moral. «Ich war erst im Juni richtig parat, um wieder voll zu belasten», erklärt die 20-jährige Athletin – doch das war keineswegs zu spät für jene hohen Sprünge, die sie sich fürs 2015 vorgenommen hatte. Dreimal überquerte sie im Verlaufe des Jahres die Latte auf 1,80 Meter – eine persönliche Bestleistung, die erstens die Qualifikation für die U-23-EM in Tallinn bedeutete, sie aber auch für die U-23-Titelkämpfe in der Vorwoche in Basel zu einer Mitfavoritin stempelte. Dort wurde sie ihrer Reputation in beeindruckender Art und Weise gerecht, liess sich von einer mit 1,83 Metern zu Buche stehenden Konkurrentin nicht irritieren, holte Gold und schwärmt: «Es war ein kräftiger Schlussstrich unter diese schliesslich doch gute Saison. Ich habe nicht damit gerechnet, dass mir so gute Wettkämpfe gelingen würden, doch ich bin zufrieden und glücklich. Und es ist für mich auch die Bestätigung, dass ich mich für die Saison 2016 nicht zu fürchten brauche.»

Nein, braucht sie nicht, wirklich nicht. Denn in unserem Gespräch ist unschwer herauszuhören, dass Livia Odermatt eine junge, ehrgeizige Frau ist, die nichts dem Zufall überlässt, Halbheiten weder im Beruf noch im Sport duldet, und bereit ist, viel in die Leichtathletik zu investieren: «Ich habe mich dem Hochsprung verschrieben, hier will ich etwas erreichen.»

Livia Odermatt ging sportlich den ordentlichen Weg über die Jugi, fasste beim STV Sempach als junges Girl in der Leichtathletik Tritt und war – natürlich – wegen ihrer Körpergrösse auch bei den Volleyballerinnen begehrt. Doch die Faszination, diese Hochsprunglatte zu fixieren und alles daran zu setzen, sie zu überqueren – die habe ihr den Ärmel hereingezogen. Martin Rohr, Oberstufen-Sportlehrer in Sempach und Weitsprungtrainer beim BTV Aarau, knüpfte dann den Kontakt zum BTV Aarau. «Dort bin ich optimal aufgehoben. Ruedi Nyffenegger, mein Haupttrainer, und Frank Kress, der für den richtigen Kraftaufbau verantwortlich ist, machen einfach alles für mich. Diese Arbeit weiss ich sehr zu schätzen.»

Wachstum gebremst

Mit 14 Jahren, als Livia Odermatt dem Sekundarschulalter entwachsen war, wuchs sie weiter und weiter, war schon damals bei 1,82 Metern angelangt. «Meine Eltern und ich haben entschieden, mit einer Hormontherapie das Wachstum zu bremsen», erzählt die gertenschlanke, 60 Kilogramm leichte Athletin, «denn wäre ich in diesem Tempo weiter in die Höhe geschossen, wäre ich heute bei 1,96 Metern angelangt. Und diese Aussicht schien uns doch ein bisschen beängstigend.»

Nun, heute misst die ausgebildete Kauffrau – sie geniesst bei ihrem Arbeitgeber, der Stadtverwaltung Sempach, ideale Unterstützung und Kollegialität für ihre in der Wettkampfsaison einzufordernde Flexibilität – 1,86 Meter. Sie hat damit eine Körpergrösse erreicht, die natürlich in ihrer sportlichen Disziplin Vorteile birgt – ansonsten aber kaum Nachteile fordert. «Wenn ich in den Kleiderladen gehe», lacht sie mit entwaffnender Lockerheit, «dann finde ich immer ein paar Hosen, die zu meinen langen Beinen passen. Es kann schon mal vorkommen, dass ich sie nicht über die Schuhe stülpen kann, doch wenn das die grössten Probleme sind ...»

186 Zentimeter – eine magische Zahl. Denn auf ihrer aktuellen persönlichen Bestleistung von 1,80 Metern, welche sie im europäischen Ranking ungefähr auf Rang 35 platziert, will sie – unter keinen Umständen – verharren. Die Latte auf 186 Zentimetern bezwingen, das ist die Vorgabe für die nächste Saison. Es wäre gewissermassen ein Sprung über den eigenen Scheitel. «Es wäre schön und auch speziell, wenn ich 2016 exakt diese Höhe erreichen könnte.» Damit würde sie sich auch in jene Sphären vorarbeiten, wo man regelmässig Einladungen auch für Hochsprungmeeting-Klassiker, wie beispielsweise in Eberstadt erhält: «An solchen Anlässen, an denen der Hochsprung absolut im Mittelpunkt steht, ist die Ambiance einmalig, das treibt dich zu Höchstleistungen an.»

75 Euro Preisgeld

Livia Odermatt macht auch kein Geheimnis daraus, dass sie in einigen Jahren die Teilnahme an einem grossen internationalen Anlass wie eine EM, eine WM oder gar ein Olympia-Abenteuer schaffen möchte. Sie steckt im Augenblick indes noch in jener Phase, wo in erster Linie knochenharte Trainingsarbeit gefragt ist. «Ich bin jetzt aber doch auf einem Standard angelangt, da jeder zusätzliche Zentimeter, den du bezwingst, zum Erlebnis wird.» Zum sportlichen Erlebnis – nicht zum finanziellen. Preisgelder halten sich im Augenblick noch in Grenzen, am heftigsten klingelte die Kasse bisher an einem Wettkampf in Dijon, als sie sich einen Scheck über 75 Euro aushändigen liess.

«Nun, ich mache es ja nicht des Geldes wegen», betont Livia Odermatt, «ich tue es, weil es unglaublich viel Spass bereitet und eine Herausforderung auch im Sinne einer Lebensschule ist.»

Also hopp: 1,86 Meter sollen es nächstes Jahr schon werden!

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