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LEICHTATHLETIK: Ein ungewohnt seriöser Auftritt von Bolt

Er ist der Sprint-Superstar, der Showstar des internationalen Sports. Vor seinem Start heute (21.28 Uhr) in Zürich gibt sich Usain Bolt aber anders als früher.
Stefan Klinger, Zürich
Der US-Kugelstösser Ryan Whiting gestern im Zürcher Hauptbahnhof. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Der US-Kugelstösser Ryan Whiting gestern im Zürcher Hauptbahnhof. (Bild: Keystone/Steffen Schmidt)

Am Ende schlüpfte Usain Bolt doch noch in die Rolle, die immer alle von ihm erwarten, mimte den Spassvogel und legte eine kleine Showeinlage hin. Erst als der von der Fifa medienwirksam in Szene gesetzte Besuch des Sprint-Superstars im Zürcher Hauptquartier des Fussball-Weltverbandes kurz vor dem Abpfiff war, schnappte sich Bolt das Maskottchen der Fussball-WM 2014. Wie ein kleines Kind verlieh er dem Stoffgürteltier Fuelco mit seinen Fingern Hasenohren und grinste schelmisch in die Kamera. Später, als Bolt dann im Foyer angekommen war und einen Fussball sah, bewies er bei einem schnellen Dribbling und ein paar Finten seine Fussballkünste.

Diese Saison ist Bolt eine Warnung

Für ein paar Momente bediente der vor einer Woche 27 Jahre alt gewordene Superstar aus Jamaika das Bild, das er von sich in den letzten Jahren in der Öffentlichkeit aufgebaut hatte. Das Bild des schnellsten Menschen der Welt, der immer und überall eine Show liefert. «Ich weiss, dass die Leute von mir nicht nur schnelle Sprints erwarten», sagte er kürzlich, «wenn ich auftrete, wollen sie auch immer eine Show sehen.»

Und so gab es auch gestern in Zürich diese Bolt-Show – wenn auch nur eine kleine. Eine für seine Verhältnisse sehr, sehr kleine. Denn trat Bolt vor einem Jahr an den Olympischen Spielen noch wie ein Hampelmann auf, der an den Pressekonferenzen maximal drei Fragen normal beantwortete, dann stets rumzualbern begann und trotzdem quasi im Vorbeigehen drei Goldmedaillen in seinen Disziplinen 100, 200 und 4x100 Meter mit nach Hause nahm, so gibt er sich nun richtig seriös. So seriös wie noch nie, seitdem er im Jahr 2008 endgültig ins Rampenlicht stürmte, als er erstmals einen 100-Meter-Weltrekord aufstellte und bei den Olympischen Spielen in Peking dreimal Gold gewann.

Dafür gibt es zwei Gründe. Erstens ist Bolt zum Ende einer von vielen kleineren Rückschlägen geprägten Saison nun müde. «Ich war zwar nie ernsthaft verletzt, aber ich hatte immer wieder kleinere Blessuren, die mich zu Kompromissen im Training gezwungen haben», blickt Bolt zurück. Das zehrte an der Substanz und macht sich jetzt umso mehr bemerkbar, nachdem vor zehn Tagen die WM zu Ende gegangen war und danach all der Druck, all die wochenlange Anspannung von ihm abgefallen ist. «Wie immer nach einer Weltmeisterschaft fühle ich mich nun etwas müde», sagt Bolt, «aber meine Form stimmt nach wie vor. Wenn das Wetter gut ist, kann ich in Zürich trotz allem eine ähnliche Zeit wie an der WM laufen.» In Moskau sprintete Bolt in 9,77 Sekunden zum Titelgewinn.

Bolts Einsatz für ManU liegt auf Eis

Vor allem aber liegt Bolts Wandel weg vom Dauerkasper hin zum deutlich seriöser auftretenden Profisportler, der seine Showeinlagen begrenzt und gezielter einsetzt, daran, dass Bolt die vergangenen Monate eine Warnung waren. Zwar gaben die halb leeren Ränge bei Bolts Auftritten in Moskau ein viel zu extremes Bild wieder. Bolt aber musste einsehen, dass auch seine Dauershow nicht davor gefeit ist, irgendwann zu alltäglich zu werden, wenn er sie weiter immer und überall zum Besten gibt. Noch deutlicher zeigten ihm indes die vielen kleinen Blessuren in den letzten Monaten, dass es mal wieder an der Zeit wäre, sich aufs Wesentliche zu konzentrieren. So legte der glühende ManU-Fan, der in Manchesters Verteidiger Rio Ferdinand einen grossen Fürsprecher hat, vorerst seine Pläne aufs Eis, in einem Freundschaftsspiel mal für Manchester United aufzulaufen. Und auch seine Lust auf ein prestigeträchtiges Duell gegen einen anderen Star der Leichtathletik war schon mal grösser.

Forderte er noch letzten Sommer nur wenige Minuten nach seinem Olympiasieg über die 200 Meter mit markigen Worten 800-Meter-Star David Rudisha zum Duell über 400 Meter heraus, so schlägt er nun leisere Töne an, wenn vor allem der englische Boulevard Bolt zum Duell gegen Grossbritanniens Langstreckenstar Mo Farah anstachelt. «Das ist durchaus interessant», sagt Bolt, «allerdings müssen wir erst mal einen Zeitpunkt dafür und eine Distanz finden. 1500 Meter sind mir viel zu lang. Höchstens 600 Meter kommen in Frage.» Zudem ist der nach London 2012 von ihm ins Spiel gebrachte Wechsel zum Weitsprung schon längst vom Tisch.

Es ist nur allzu menschlich, dass Usain Bolt, der nach London 2012 elf Titel in vier Jahren bei Weltmeisterschaften und Olympischen Spielen gewonnen hatte, nach neuen Zielen sucht und sich leichtfertig ablenken lässt. Doch er scheint rechtzeitig wieder in die Spur gekommen zu sein. Rechtzeitig, um seine letzten Ziele, das Triple an der WM 2015 und das Triple bei den Olympischen Spielen 2016, nicht zu gefährden.

17 Weltmeister sind am Start

Als Meetingdirektor Patrick Magyar die endgültige Startliste von Weltklasse Zürich verkündet, kann er sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Freude und der Stolz stehen ihm ins Gesicht geschrieben. «Wir haben jedes Jahr den Anspruch, unseren Zuschauern in allen Disziplinen so viele der besten Athleten der Welt wie möglich zu präsentieren», sagt Magyar, «in diesem Jahr dürfte uns das ganz besonders gelingen.»
Eine Aussage, die alles andere als eine geschönte Formulierung eines Marketingprofis ist. Immerhin treten beim zweitägigen Zürcher Meeting gleich 17 Athleten an, die an den Weltmeisterschaften in Moskau kürzlich den Titel in einer Einzeldisziplin gewonnen haben. Alles in allem haben die in Zürich startenden Sportler in Moskau insgesamt 49 Medaillen geholt. Mit Usain Bolt, Aries Merritt (110 Meter Hürden/USA), Tirunesh Dibaba (5000 Meter/Äthiopien), Meseret Defar (5000 und 3000 Meter Halle/Äthiopien) und Jennifer Suhr (Stabhochsprung Halle/USA) sind dabei fünf Weltrekordhalter am Start. Zum letzten Mal am Start ist der Olympiasieger und vierfache Weltmeister im Weitsprung, Dwight Philips (35/USA), der heute seine Karriere beendet.

Preisgeld: Für die Athleten kann die Teilnahme am Zürcher Meeting, das über ein Budget von 9 Millionen Franken verfügt, zu einem sehr lukrativen Auftritt werden. Denn zusätzlich zu den Antrittsprämien gibt es für einen Sieg in den Einzeldisziplinen des Hauptprogramms 9200 Franken (10 000 Dollar). Und wer sich in Zürich, das in 16 Disziplinen die letzte Station des Diamond Race 2013 ist, den Gesamtsieg sichert, erhält weitere 36 800 Franken (40 000 Dollar).

Die Schweizer Starter: Neben den vielen internationalen Topstars treten im mit 25 000 Zuschauern ausverkauften Letzigrund heute Abend (ab 20.00, SRF zwei) auch sechs Schweizer Einzel-Athleten im Hauptprogramm an: Mujinga Kambundji (200 Meter/ST Bern), Selina Büchel (800 Meter/KTV Bütschwil), Yves Zellweger (Weitsprung/KTV Altstätten), Irene Pusterla (Weitsprung/Vigor Ligornetto) sowie Nicole Büchler und Anna Katharina Schmid (beide Stabhochsprung/beide LC Zürich). Das Highlight aus Schweizer Sicht soll es zum Abschluss geben, wenn um 21.50 Uhr der letzte Startschuss des Tages fällt. Denn dann tritt die 4x100-Meter-Staffel, die in Moskau den Schweizer Rekord auf 43,21 Sekunden verbesserte, gegen Weltmeister Jamaika, die USA, Deutschland, Holland, die Ukraine und Italien an. Bereits um 19.32 Uhr startet das Rollstuhlrennen der Männer über 1500 Meter. Mit dabei ist Marcel Hug aus Neuenkirch, der Ende Juli an der WM in Lyon in fünf Disziplinen Gold gewann.

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