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LEICHTATHLETIK: Farah erkämpft sich perfektes Ende

Der Brite Mo Farah tritt mit einem Sieg von der Leichtathletikbühne ab. In seinem letzten Rennen auf der Bahn forderten ihm seine Konkurrenten alles ab – sie warfen sich sogar ins Ziel.
Sergio Dudli, Zürich
Mo Farah (rechts) bleibt auf den letzten Metern standfest – die Konkurrenz stolpert. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 24. August 2017))

Mo Farah (rechts) bleibt auf den letzten Metern standfest – die Konkurrenz stolpert. (Bild: Walter Bieri/Keystone (Zürich, 24. August 2017))

Sergio Dudli, Zürich

sport@luzernerzeitung.ch

Es war eine jener Geschichten, wie sie nur der Sport schreibt: Mo Farah, einer der erfolgreichsten Langstreckenläufer aller Zeiten, gewinnt im Zürcher Letzigrund das letzte Bahnrennen seiner Karriere. «Es ist grossartig, vor diesem tollen Publikum mit einem Sieg aufzuhören», so Farah nach dem Rennen. «Es ist einfach fantastisch. Jetzt will ich zuerst einmal zu Hause meine Familie geniessen.»

Bei seinen letzten 5000 m lief Farah den grössten Teil des Rennens wie gewohnt im hinteren Teil des Feldes. Gegen Ende des Laufs drehte er auf und setzte sich an die Spitze. Doch weder Muktar Edris, der dem Routinier bei dessen Heim-WM in London Anfang des Monats den Titel über diese Distanz weggeschnappt hatte, noch Paul Chelimo und Yomif Kejelcha wollten Farah ein Abschiedsgeschenk machen. Getragen vom Zürcher Publikum, warf sich das Quartett über die Ziellinie. Letztlich gewann Farah mit vier Hundertsteln Vorsprung. Zwei seiner Konkurrenten stürzten gar ins Ziel. «Ich werde die Bahn, die Menschen und meine Anhänger vermissen», so Farah.

Aus dem Flüchtling wird ein Ritter

Am Tag vor dem Rennen warf Farah bei der Pressekonferenz noch einmal einen Blick auf seine Anfänge als Sportler zurück. «Als kleiner Junge gewann ich drei-mal in Serie den Mini-Marathon von London. Als ich dort interviewt wurde, sagte ich, dass ich später einmal für Grossbritannien laufen möchte.» Nur wenige dürften damals damit gerechnet haben, dass der somalische Flüchtling einst grosse Erfolge für das britische Königreich erringen und von der Queen aufgrund seiner Leistungen sogar zum Ritter geschlagen würde.

Den entscheidenden Schritt nach vorn habe er 2005 gemacht. «Damals wohnte ich mit kenianischen Läufern zusammen bei meinem Manager. Sie lebten nur für den Sport: Essen, schlafen und trainieren war alles, was sie gemacht haben», so Farah. Das sei ein Weckruf für ihn gewesen und habe seine Denkweise verändert. «Wenn du beginnst, an dich zu glauben, gehst du als anderer Athlet auf die Bahn.»

Seine Leistungen verbesserten sich in der Folge stetig. So gewann er unter anderem sechs Weltmeistertitel sowie vier Goldmedaillen bei Olympischen Spielen. «Es wurde jedes Jahr härter an der Spitze, weil du der Gejagte bist», so Farah an der Pressekonferenz. Aber der Brite konnte sich stets behaupten. Sein Erfolgsrezept: «Ich habe nie etwas gemacht, das mein Körper nicht kennt. Ich habe den richtigen Weg für mich gefunden.» Dieser Weg endet nun für Farah in Zürich. «Alles muss halt irgendwann ein Ende haben.» Ganz auf ihn verzichten müssen die Sportanhänger allerdings nicht. Farah wird sich in Zukunft im Marathon versuchen.

Dort beginnt Farah wieder von vorn. Er müsse wieder aus Fehlern lernen, an sich arbeiten und herausfinden, was er seinem Körper über die ungewohnte Distanz zutrauen könne und was nicht. «Je schneller ich das realisiere und je ehrlicher ich zu mir selber bin, desto schneller kann ich mich verbessern», sagt Farah. Obwohl er selber mit tiefen Erwartungen in sein neues Kapitel startet, ist ihm bewusst: «Ich werde mit einer Zielscheibe auf dem Rücken laufen.»

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