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LEICHTATHLETIK: Géraldine Ruckstuhl - eine Rückkehr aus der Tiefe

Siebenkämpferin Géraldine Ruckstuhl bricht am Mehrkampf-Meeting in Götzis den Schweizer Uraltrekord. Und sie berührt mit der Geschichte, die dahintersteht.
Jörg Greb, Götzis
Die Kugel fliegt nicht optimal, dennoch gelang der 19-jährigen Géraldine Ruckstuhl aus Altbüron ein für nicht möglich gehaltener Exploit im Siebenkampf. (Bild: Peter Rinderer / Freshfocus (Götzis, 29. Mai 2017))

Die Kugel fliegt nicht optimal, dennoch gelang der 19-jährigen Géraldine Ruckstuhl aus Altbüron ein für nicht möglich gehaltener Exploit im Siebenkampf. (Bild: Peter Rinderer / Freshfocus (Götzis, 29. Mai 2017))

Jörg Greb, Götzis

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Sie konnte die mit herzlichem Applaus umrahmte Spezialauszeichnung zur Newcomerin des Meetings entgegennehmen. Und sie hatte den Respekt der Konkurrentinnen wie auch der Fachleute im Mehrkampf-Mekka Götzis (AUT). Die erstaunlichen Fakten: 6291 Siebenkampf-Punkte sammelte Géraldine Ruckstuhl an den beiden Wettkampftagen im legendären Mösle-Stadion. Platz 12 belegte sie im Weltklassefeld. Und sie brach den zweitältesten Schweizer Rekord bei den Frauen, die 6265 Punkte von Corinne Schneider aus dem Jahr 1985 (in Zug) um 26 Zähler. Um sagenhafte 456 Punkte verbesserte sie ihr eigenes bisheriges Höchstergebnis. In fünf der sieben Disziplinen glückten der Luzernerin persönliche Bestmarken. Géraldine Ruckstuhl überraschte. Und sie überraschte sich selber am meisten. «Von einem solchen Total hätte ich nicht zu träumen gewagt.»

Die talentierte Mehrkämpferin aus Altbüron ist Ende Februar 19 Jahre alt geworden. Zweitjüngste mit der zweitschwächsten Vorgabe war sie im hochklassigen, 30-köpfigen Feld. Und sie trat mit einer Geschichte an, die viele zum Aufgeben veranlasst hätten. Denn vor 14 Monaten stürzte die U18-Weltmeisterin 2016 beim Hürdentraining über ein Hindernis und zog sich schwere innere Verletzungen zu. Niederschmetternd war die Diagnose der Ärzte. Sie äusserten schwere Zweifel, ob sie die Sportlerkarriere fortsetzen könne. Viel Geduld sei auf jeden Fall nötig.

Riesenmotivation und Potenzial für mehr

Im Üben von Geduld sah sich die Luzerner Hinterländerin extrem gefordert. Hinzu kamen Zweifel und Ängste. «Mein Traum ist zerstört», realisierte sie. Doch sie richtete ihren Blick schnell wieder nach vorne. Resignation war kein Thema: «Ich bin ein Wettkampftyp, die Leichtathletik ist meine Liebe, etwas anderes als die Rückkehr gibt es nicht.» Bereits nach drei Monaten stand sie wieder auf dem Wettkampfplatz – als Werferin. Und sie qualifizierte sich für die U20-Weltmeisterschaften im Speerwerfen. Und knapp ein halbes Jahr nach dem Unfall gewann sie den Schweizer-Meister-Titel im Siebenkampf – mit 5835 Punkten.

Am Wochenende nun fand die Sport-KV-Absolventin im österreichischen Götzis zurück auf das höchste Level – und das auf direktem Weg. «Dieses Resultat ist grossartig und eine Riesenmotivation», sagt Ruckstuhl. An der langfristigen Ausrichtung und der Planung ändert dieser Exploit allerdings nichts. «Jetzt gönne ich mir eine Pause», sagt Ruckstuhl. Körperlich und mental will sie durchatmen und ausspannen – um dann voller Elan nächste Grosstaten anzusteuern. Die U20-Europameisterschaften von Mitte Juli in Grosseto (ITA) wirken motivierend.

Die immer realistisch denkende und oft zurückhaltende Ruckstuhl weiss: «Der perfekte Wettkampf ist Götzis nicht gewesen. Der Start beim 100-m-Hürden-Lauf war ganz schlecht, beim besten Versuch mit der Kugel rutschte die Kugel aus der Hand. Wirklich enttäuschend war der Weitsprung, wo es mir bei allen drei Versuchen nicht gelang, das Eingeübte richtig zusammen- und umzusetzen.» Demgegenüber stand aber auch Unglaubliches, schier Unerklärliches: die 58,31 m mit dem Speer. «Diese Weite kam überraschend», sagt Ruckstuhl. Auch dieser Exploit bedeutete Schweizer Rekord – ebenfalls bei der Elite.

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