Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LEICHTATHLETIK: Goldlauf mit neuem Herzen

Michelle Hug sprintet an der EM der Transplantierten zur Goldmedaille. Für die 31-Jährige aus Hämikon ist es der sportliche Höhepunkt nach einem Schicksalsschlag.
Stephan Santschi
Michelle Hug mit Hündchen Simba gestern auf einem Spaziergang in Hämikon. (Bild Nadia Schärli)

Michelle Hug mit Hündchen Simba gestern auf einem Spaziergang in Hämikon. (Bild Nadia Schärli)

Stephan Santschi

Für den Sieg an der Europameisterschaft der Herz- und Lungentransplantierten in Vantaa (FIN) musste sich Michelle Hug gleich zweimal durchsetzen. Auf der Bahn gewann sie den Sprint über 100 Meter in 15,5 Sekunden knapp vor einer Finnin und einer Engländerin. Davor wehrte sie sich gegen die Organisatoren, welche sie nicht starten lassen wollten. «Sie hatten mich in die Kategorie der über 34-Jährigen eingeteilt. Als ich auf dem Gelände erschien, war dieser Wettkampf schon vorbei. Es hiess, ich hätte meinen Einsatz verpasst. Ich musste mit meinem Ausweis klarstellen, dass ich erst 31 Jahre alt bin», erzählt Hug mit einem Schmunzeln. Ihr gelang es schliesslich, die fehlbaren Veranstalter umzustimmen. Und damit den Weg für ihren Sieg in der Hauptkategorie freizumachen.

Herzoperation anstatt Kindertraum

Widerstände ist sich Michelle Hug, die seit einem Jahr in Hämikon lebt, gewohnt. Dass sie diese mit Erfolg überwindet ebenfalls. Für Swisstransplant, die Schweizerische Stiftung für Organspende und Transplantation, hält sie regelmässig Vorträge – sogar in der Sendung «Club» des Schweizer Fernsehens war sie zu Gast. Weil sie mit ihrer Geschichte als Musterbeispiel für die Genesung nach einer Transplan­tation gilt. Eine Geschichte, die sich folgendermassen erzählen lässt: Die St. Galler Rheintalerin kam mit einem Herzfehler auf die Welt, festgestellt hat man ihn aber erst im Alter von 18 Jahren. «Ich hatte zwei Hirnschläge. Die Ursachenforschung ergab, dass ich ein viel zu grosses Herz hatte. Es handelte sich um eine sogenannte Kardiomyopathie.» Mittels Medikamenten konnte ihr Zustand stabilisiert werden. Nach der Heirat mit dem Zuger André Hug wuchs der gemeinsame Kinderwunsch. Die Ärzte gaben in Folge einer stationären Abklärung grünes Licht und änderten die Medikation. «Weil es sonst während der Schwangerschaft zu Missbildungen hätte kommen können.» Die neuen Pillen bekam Hug aber nicht. Und die Rückkehr zur alten Behandlung war nicht mehr möglich, «weil sich im Körper bereits zu viel Wasser angesammelt hatte. Innert zehn Tagen hatte ich zehn Kilo zugenommen.» Der letzte Ausweg: eine Herztransplantation.

Von 35 Tabletten runter auf 2 pro Tag

Seit über vier Jahren trägt Michelle Hug nun ein neues Herz in ihrem Körper. «Alles verlief sehr gut, der Verlauf war wie aus dem Bilderbuch.» Spaziergänge mit ihrem Chihuahua-Hündchen halfen ihr über die schwierige Anfangsphase hinweg. Ihre Botschaft: «Auch mit einem transplantierten Herzen kann man eine Lebensqualität wie ein normal gesunder Mensch haben. Ich nehme zwar Medikamente, doch das ist Routine – von den anfänglich 35 Tabletten pro Tag sind nur noch zwei übrig geblieben. Zudem bin ich zu 100 Prozent arbeitstätig und treibe Sport.» In beiden Bereichen musste sie sich allerdings neu orientieren. Den Beruf als Arztgehilfin gab sie auf, weil sie aufgrund ihres geschwächten Immunsystems nicht mehr mit kranken Patienten zusammen sein durfte. Bei «Schutz & Rettung Zürich» ist sie nun als Disponentin in der Einsatzzentrale tätig. Im Sport widmet sie sich nicht mehr dem Faustball oder dem Schiessen, sondern dem 100-Meter-Lauf. «Das ist eher ungewöhnlich, da man mit einem neuen Herzen normalerweise an Schnellkraft einbüsst.»

Werbung für Organspenden

Der Erfolg an ihrem ersten internationalen Grossanlass hat nun die Lust auf mehr geweckt. Hug wird im Fitnesscenter und auf der Bahn weiter fokussiert trainieren, um sich für die WM im nächsten Jahr in Malaga zu rüsten. Dann wird die Herausforderung deutlich grösser sein, weil die Konkurrenz nicht nur vom ganzen Globus, sondern auch noch aus dem Verband der Dialysepatienten und allgemein Transplantierten anwesend sein wird. Diese führten an der EM eine eigene Rangliste. «Ich möchte meine persönliche Bestzeit unterbieten», sagt Michelle Hug. Und weiter Werbung für Organspenden betreiben, welche in der Deutschschweiz vernachlässigt würde. «Viele denken, dass es sie nicht betrifft. Doch auch gesunde Menschen können plötzlich unverschuldet auf eine Transplantation angewiesen sein.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.