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LEICHTATHLETIK: Harte Arbeit wird belohnt

Die 25-jährige Stefanie Barmet aus Egolzwil gehört zum Schweizer Universiade-Aufgebot. Die Ziele sind gesetzt, auch was ihre weitere sportliche Zukunft anbelangt.
Theres Bühlmann
Stefanie Barmet beim Lauftraining in Schötz, seit zwei Jahren läuft sie über die 1500 Meter. (Bild: Boris Bürgisser (13. August 2017))

Stefanie Barmet beim Lauftraining in Schötz, seit zwei Jahren läuft sie über die 1500 Meter. (Bild: Boris Bürgisser (13. August 2017))

Theres Bühlmann

theres.buehlmann@luzernerzeitung.ch

Auf diesen Anlass hat sie lange hingearbeitet, hart trainiert und auf einiges verzichtet, nun wird ihr Traum wahr. Die 25-jährige Egolzwilerin Stefanie Barmet, die für den STV Willisau startet, konnte sich für die Sommeruniversiade qualifizieren, die vom 19. bis 30. August in Taipeh (Taiwan) über die Bühne geht. Eine Zahl hat sich bei ihr seit zwei Jahren eingeprägt: 4:17,00, die ­Limite über 1500 m. Im letzten Jahr, ihrer ersten 1500-m-Saison überhaupt, lief sie 4:18,66, im vergangenen Mai dann im belgischen Oordegem mit 4:17,28 persönliche Bestzeit. Nur wenig fehlte also noch, um das Universiade-Ticket zu ergattern. Eine Woche später klappte es an gleicher Stätte: mit 4:14,95 pulverisierte sie ihre Bestzeit regelrecht, und der Planung für Taiwan stand nichts mehr im Wege. «Ich konnte es erst gar nicht glauben, als ich meine Zeit hörte», blickte sie zurück. Ende Juni holte sie sich in Zürich den Schweizer-Meister-Titel über diese Distanz, in 4:26,13. Die Zeit war, wie bei Titelrennen häufig der Fall, eher nebensächlich, «denn ich wollte nur eines, den Sieg». Nach dem Gewinn über 800 m vor zwei Jahren ist sie nun im Besitze zweier nationaler Titel.

Für ihren Saisonhöhepunkt im Fernen Osten hat sie sich klare Ziele gesetzt. «Ich will nicht einfach nur an dieser Universiade teilnehmen, ich würde gerne den Final bestreiten.» Allerdings sei das Feld etwas schwierig einzuschätzen, «da ich die Gegnerinnen nicht kenne und die Limiten in den verschiedenen Ländern sehr unterschiedlich sind».

Grosses Vertrauen in das Trainerteam

12 bis 16 Stunden in der Woche wendet Stefanie Barmet für ihr Training auf, dies neben ihrem Studium der Germanistik und ihrer Anstellung als Tutorin (Studentenbetreuung) an der Uni Bern und ihrer Arbeit als freie Journalistin für den «Willisauer Bote» und für die «Luzerner Zeitung» und ihre Regionalausgaben. Ihre Trainingsstätte ist in Bern bei Stephen Staehli, einst ein ambitionierter Läufer über die 3000-Steeple-Distanz und bei dessen Ehefrau Valérie Lehmann, mit der Stefanie Barmet vor allem längere Aufbautrainings absolviert. «Ich habe in beide grosses Vertrauen», sagte die Egolzwilerin, «wir arbeiten hart, nun können wir ernten.» Als kollegial beschreibt sie das Verhältnis zu ihrem Trainer, «wir diskutieren viel, und ich kann immer meine Meinung äussern.»

Masterarbeit zum Fall Caster Semenya

Zurzeit schreibt sie ihre Masterarbeit, die sich diskursanalytisch mit dem Fall der südafrikanischen Mittelstreckenläuferin Caster Semenya befasst, der Weltmeisterin und Olympiasiegerin über 800 m, deren Geschlecht Fragen aufwirft und die Leichtathletikwelt entzweit. Stefanie Barmet vergleicht die Berichterstattung in Schweizer Tageszeitungen in den Jahren 2009 und 2016. «Ich will herausfinden, wie der Körper von Caster Semenya medial inszeniert und dargestellt wurde und wie sich diese Inszenierung über die Jahre hinweg verändert hat. Die Medien trugen einen grossen Teil zu dieser heiklen Debatte bei.» Der Fall zeige die Grenzen des Sports auf. Während im Alltag zusehends eine Vielfalt von Geschlechtern zu beobachten sei, kenne der Sport nur die zwei Kategorien Frau und Mann. «Fairness für alle Beteiligten zu erreichen, scheint dabei unmöglich. Ich will die verschiedenen Diskurspositionen beleuchten und den Einfluss der Medien aufzeigen», so Stefanie Barmet.

Viel Zeit für Hobbys bleibt ihr nicht, wenn sich eine Lücke in ihrer Agenda findet, dann liest sie sehr gerne Reportagen, Biografien und Gegenwartsliteratur. Besonders gut gefielen ihr «Die Welt im Rücken» von Thomas Meile, der über seine manisch-depres­sive Erkrankung schreibt, sowie das Werk von Charlotte Roth «Als der Himmel uns gehörte». Dieses Buch wurde ihr übrigens von der Rollstuhlsportlerin Manuela Schär empfohlen, über die Stefanie Barmet auch immer wieder schreibt. Backen gehört auch zu ihren Hobbys, mit frischen Früchten als bevorzugte Zutaten, sie stellt auch Früchtebrote und ­Müsli selber her. Und Gastgeber können meist mit einem süssen Mitbringsel rechnen.

Der Traum im Olympia­stadion von Berlin zu starten

Ihre verschiedenen Tätigkeiten unter einen Hut zu bringen, ist nicht immer ein leichtes Unterfangen. «Was die Balance und die Erholung anbelangt, da habe ich noch viel Optimierungsbedarf.» Ihre sportlichen Ziele sind noch nicht ausgeschöpft. Im nächsten Jahr finden die Europameisterschaften in Berlin statt, in jener Stadt, in der sie ein halbes Jahr gelebt und trainiert hat. Im Olympiastadion zu starten ist der Traum der 25-Jährigen. Die EM-Limite beträgt voraussichtlich 4:12 oder 4:13 Minuten. «Ich habe erst vor zwei Jahren auf die 1500-m-Distanz gewechselt und konnte meine Bestzeit innerhalb eines Jahres um fast vier Sekunden verbessern. Es ist also noch Potenzial vorhanden.»

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