LEICHTATHLETIK: Hochspringerin Livia Odermatt: «Will Körpergrösse überspringen»

Hochspringerin Livia Odermatt stellt in Horw mit 1,75 m einen Stadionrekord auf. Zufrieden war die 21-Jährige dennoch nicht – die Sempacherin will in naher Zukunft deutlich höher hinaus.

Stefanie Barmet
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Ist noch auf der Suche nach der richtigen Abstimmung: die 21-jährige Livia Odermatt aus Sempach. (Bild: Hanspeter Roos (Horw, 20. Mai 2017))

Ist noch auf der Suche nach der richtigen Abstimmung: die 21-jährige Livia Odermatt aus Sempach. (Bild: Hanspeter Roos (Horw, 20. Mai 2017))

Stefanie Barmet

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Die Sempacherin Livia Odermatt ist am Nachmittagsmeeting in Horw ein gerngesehener Gast. Letztmals am Start war sie im Jahr 2014, wo sie mit 1,73 m den Stadionrekord aufstellte. Dementsprechend gross war am Samstag die Vorfreude auf den Wettkampf. «Beim Einspringen zeigte ich gute Sprünge, was mir zusätzlich Sicherheit verlieh. Schon früh merkte ich jedoch, dass mein Anlauf instabil war. Ich liess mich davon aber nicht beirren und stieg bei 1,70 m in den Wettkampf ein.»

Den ersten Versuch riss die 21-Jährige, weil sie mit zu viel Energie anlief und so zu nahe an der Latte absprang. Beim zweiten Versuch touchierte sie zwar die Latte leicht, diese blieb jedoch oben. Bei 1,75 m zeigte die gelernte Kauffrau, die bei der Stadtverwaltung Sempach ein 70-Prozent-Pensum absolviert, den besten Sprung des Tages. «Ich kam locker über die Latte und bestätigte damit, dass ich grössere Höhen draufhabe, als ich in den bisherigen Wettkämpfen zeigen konnte.»

Bei 1,78 m war jedoch Schluss. «Meine Technik war schlecht, ich fiel in alte Muster zurück und riss dreimal. Es ist cool, dass ich den Meetingrekord verbessern konnte, gerne wäre ich jedoch höher gesprungen.» Die Freude der Zuschauer über den neuen Rekord war dennoch gross. Als Belohnung erhielt Livia Odermatt eine symbolische Prämie.

Neuer Trainer, neue Trainingsreize

Als Saisonhöhepunkt 2017 hat Odermatt die U23-Europameisterschaften von 13. bis 16. Juli im polnischen Bydgoszcz im Visier. Dafür muss die Sempacherin, die sechs Trainingseinheiten wöchentlich absolviert, bis 2. Juli die Höhe von 1,82 m überspringen. Die persönliche Bestleistung der 21-Jährigen liegt derzeit bei 1,85 m. 2017 übersprang sie in der Halle bereits die geforderte Höhe von 1,83 m, im Freien stehen 1,76 m als Saisonbestleistung zu Buche. Momentan verhindern verschiedene Kriterien grössere Höhen. «Nach sechs Jahren unter Ruedi Nyffenegger entschied ich mich vor einem Jahr für einen Trainerwechsel.» Seither reist sie zweimal in der Woche nach Zürich und trainiert in der Gruppe von Alain Piaget, dem ehemaligen Trainer der Schweizer Rekordhalterin Sieglinde Cadusch (1,95 m).

Im Training auch andere Disziplinen

Neben dem Hochsprung stehen auch andere Disziplinen auf dem Trainingsplan. «Nach anfänglichen Zweifeln habe ich gemerkt, dass mich das sowohl im Kopf als auch körperlich weiterbringt.» Während die technischen Neuerungen im Training schon gut klappen, fällt Livia Odermatt im Wettkampf regelmässig in alte Muster zurück. «Mein Körper reagiert auf die neuen Trainingsreize anders als erwartet. Zudem muss am Tag X alles zusammenstimmen, dass ich die gewünschte Leistung erbringen kann, denn der Hochsprung ist eine sehr komplexe Disziplin.» Ein wichtiger Faktor sei dabei auch der Kopf. «Vor zwei Jahren hatte ich nach einer Verletzung nur drei Wettkämpfe, um die Limite für die U23-EM zu überspringen. Ich habe mir immer wieder vorgestellt, wie ich die Latte erfolgreich überqueren kann. Am letzten Qualiwettkampf übersprang ich die gewünschte Höhe dann im ersten Versuch.»

Verbesserungspotenzial in allen Bereichen

Damit es auch 2017 mit grossen Höhen klappt, versucht Livia Odermatt ihre Sprünge zu analysieren und zu visualisieren. «Ich versuche mich beispielsweise an das gute Gefühl von gelungenen Sprüngen zu erinnern und dieses Gefühl auf die neue Situation zu adaptieren.» Positiv sei die Tatsache, dass sie noch in allen Bereichen vom Anlauf über den Absprung bis hin zur Lattenüberquerung Fortschritte erzielen könne. «Ich möchte endlich meine Körpergrösse von 1,86 m überspringen.»

Ein Traumziel sind die 1,90 m, die gleichzeitig die Türe zu internationalen Meisterschaften bei den Erwachsenen öffnen würden. Wettkämpfe wie Spitzenleichtathletik Luzern, an denen die amtierende Schweizer Hallenmeisterin bereits mehrfach im Hauptfeld startete, seien Motivation und auch der Lohn für die vielen Trainingsstunden. Die nächste Möglichkeit, die EM-Limite zu knacken, folgt bereits am Donnerstag anlässlich des Frühjahrsmeetings in Sarnen. Am 28. Juni wird Livia Odermatt dann wie im Vorjahr das Sprungmeeting in Rotkreuz bestreiten.