Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

LEICHTATHLETIK: Hürdenläufer Kariem Hussein: «99 Prozent reichen nicht»

Der Hürdenläufer Kariem Hussein hat im vergangenen Herbst den Trainer gewechselt, weil er sich unwohl fühlte. Nun startet der 29-Jährige so früh in die Saison wie noch nie.
Hürdenläufer Kariem Hussein steigt hoch motiviert in die neue Saison. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Luzern, 11. Juni 2017))

Hürdenläufer Kariem Hussein steigt hoch motiviert in die neue Saison. (Bild: Urs Lindt/Freshfocus (Luzern, 11. Juni 2017))

Kariem Hussein fühlte im Winter eine Müdigkeit, die er so nicht kannte. «Ich habe meinen Körper noch nie so gespürt», sagt der Hürdenläufer. «Das war eine ganz neue Erfahrung.» Vieles war damals neu, und es brauchte Zeit, bis er sich daran gewöhnte – an das neue Leben, das neue Training. Im vergangenen Herbst hat sich sein Umfeld verändert. Auslöser war ein leichtes Unbehagen. Jahrelang trainierte Hussein an der Seite von Flavio Zberg und feierte mit ihm grosse Erfolge wie den EM-Titel 2014 in ­Zürich oder den Finaleinzug an der WM in London im vergangenen Sommer. Über die Jahre entstand mehr als nur ein normales Athleten-Trainer-Verhältnis, ihr Umgang war kollegial. Vom Typ her sind die beiden ähnlich, haben die gleichen Interessen. Sie sprachen viel, diskutierten und suchten neue Wege. Im vergangenen Herbst konnte Hussein ­jedoch nicht mehr ganz hinter der Zusammenarbeit stehen, die ihn so weit gebracht hat. «99 Prozent reichen nicht», sagt Hussein. «Ich will schliesslich immer 100 Prozent geben.»

Einen bestimmten Grund für das Unbehangen kann er nicht nennen. Er sagt jedoch, dass er neue Inputs und Reize gesucht habe. «Ich habe es nicht lange mit mir herumgetragen», sagt der 29-jährige Hussein. In den Ferien in den USA hat er sich entschieden und zog kurz darauf einen Schlussstrich. Er trennte sich von Coach Zberg – und fragte Laurent Meuwly an. Der Trainer, der unter anderem die Hürdenläuferin Lea Sprunger und die Ostschweizer Sprinterin Salomé Kora betreut, war seine erste Wahl. In der Schweiz kannte Hussein keinen anderen, der zu ihm passen würde. Und ein Trainer im Ausland kam für ihn zu diesem Zeitpunkt nicht in Frage.

Sein Mittelpunkt liegt weiter in Zürich

Im kommenden Sommer legt Hussein das Staatsexamen ab und beendet das Medizinstudium in Zürich. Grosse Veränderungen in seinem Trainingsalltag wären deshalb nicht möglich gewesen. «Ich wollte nichts Neues organisieren und keinen zusätzlichen Stressfaktor», sagt Hussein. Durch den Wechsel zu Meuwly blieb nun vieles beim Alten, auch wenn sich alles veränderte. Husseins Mittelpunkt ist weiterhin sein Wohnort Zürich und das Stadion Letzigrund, wo er seit Jahren trainiert. Sein neuer Coach, der in Lausanne stationiert ist, reist einmal pro Woche an. Die restlichen Einheiten absolviert Hussein, anders als früher, alleine. Oder dann wird er etwa bei Krafteinheiten von einem anderen Trainer oder einem Physiotherapeuten betreut. «Für mich ist es kein Problem, dass ich in Zürich nicht mehr ständig betreut werde.»

Der Fokus liegt ohnehin auf den Trainingslagern. An der Sonne wird der wichtigste Teil der Saisonvorbereitung absolviert. In diesem Winter verbrachte Hussein fast drei Monate zusammen mit Meuwly und dessen Athletengruppe in Südafrika. Mitte Mai folgen weitere eineinhalb Wochen im türkischen Belek. «Es ­gefällt mir, mit ambitionierten Athleten zusammenzuarbeiten», sagt der Thurgauer.

So viel wie in dieser Vorbereitung trainierte Hussein noch nie. Durchschnittlich ist es eine Einheit pro Woche zusätzlich. Auch die Intensität und Qualität wurde gesteigert – gerade in den Trainingscamps. «Mein Körper war nicht gewöhnt an die neuen Reize.» Die Folge war eine grosse Müdigkeit im Körper und Kopf. Kurz darauf, im Januar, verletzte sich Hussein und zog sich eine Muskelzerrung zu. «Ich merke sie noch», sagt Hussein. «Es wird jedoch immer besser.»

«Nur durch Rennen wird man schneller»

Durch die Verletzung verpasste Hussein die Hallensaison. Erstmals stand diese auf seinem Wettkampfplan. Auch der Start in den Sommer ist früher als gewöhnlich. Bereits morgen tritt er in Doha über 400 m Hürden an (siehe Box). «Mein primäres Ziel ist es, immer schneller zu werden», sagt er. «Und nur durch Rennen wird man schneller.»

Husseins Bestzeit liegt seit 2015 bei 48,45 Sekunden über 400 m Hürden, im vergangenen Herbst am Diamond-League-Meeting «Weltklasse Zürich» hat er die Zeit bestätigt. Damit war er 2017 der zwölftschnellste Hürdenläufer der Welt. Doch er will mehr. Seine Ambitionen deutet er immer wieder an – etwa an der WM in London, wo er im vergangenen Jahr Achter wurde. In diesem Jahr bildet die EM in Berlin den Höhepunkt. Nach Bronze vor zwei Jahren hofft er nun wieder auf den Sieg. «Laurent will den Erfolg und steht 100 Prozent dahinter», sagt Hussein. «Sonst hätte ich nie gewechselt.» Es ist wie früher, und doch ganz anders.

Raya Badraun

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.