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LEICHTATHLETIK: Kariem Hussein: Zum Glück gezwungen

Kariem Hussein sprintet an der EM in Zürich am Freitagabend, 16. August (20.52 Uhr) im Final über 400 Meter Hürden um die Medaillen. Und das, obwohl der Thurgauer nur aus der Not heraus vor sechs Jahren mit Leichtathletik begann.
Stefan Klinger; Zürich
Kariem Hussein in Aktion an der Leichtathletik EM im Zürcher Letzigrund. (Bild: EPA/Keystone)

Kariem Hussein in Aktion an der Leichtathletik EM im Zürcher Letzigrund. (Bild: EPA/Keystone)

Kariem Hussein in Aktion an der Leichtathletik EM im Zürcher Letzigrund. (Bild: EPA/Keystone)

Kariem Hussein in Aktion an der Leichtathletik EM im Zürcher Letzigrund. (Bild: EPA/Keystone)

Das bislang grösste Problem an dieser EM hatte Kariem Hussein an der Pressekonferenz. Sekunden bevor der 25-Jährige aus Tägerwilen TG am Tag vor dem Final im Teamhotel in Regensdorf den Journalisten einen letzten Einblick in sein Innenleben geben wollte, bemerkte er, dass er noch immer einen Kaugummi im Mund hatte. Und so eilte Hussein noch einmal flugs zum einzigen Mülleimer im Raum – nur leider war dort kein Müllsack drin. Hussein, ein Mann mit Anstand, tat sich sichtlich schwer, die klebrige Masse trotzdem einfach in jenem Mülleimer zu entsorgen und nahm den Kaugummi lieber erst einmal in die Hand.

Es ist eine nette Anekdote, die so herrlich die aktuelle Situation von Kariem Hussein verdeutlicht. Es ist alles noch ziemlich neu für ihn, die Abläufe bei einem Grossanlass wie der EM mit den ganzen Medienterminen und anderen Verpflichtungen ist er eben noch nicht gewohnt. Woher sollen diese Erfahrungen aber auch kommen? Immerhin hatte vor sechs Jahren noch absolut nichts danach ausgesehen, dass Kariem Hussein eines Tages mal ein Leichtathlet auf diesem Niveau sein würde. Ganz zu schweigen davon, dass er 2014 an der Heim-EM in Zürich teilnehmen würde. Vielmehr noch. Bis zum Sommer 2009 hatte Hussein noch nicht einmal gross Leichtathletik trainiert. Stattdessen kickte er seit seiner Kindheit beim FC Tägerwilen und war für den Thurgauer Klub zuletzt in der 2. Liga am Ball.

Fussball, das erfüllte sein Leben. Und es ist auch heute noch immer «das Tollste überhaupt», wie er es formuliert. Doch Hussein, dessen Vater ein einst am Spital in Münsterlingen TG arbeitender Osteopath aus Ägypten war, der dort Kariem Husseins Mutter kennenlernte, hatte noch einen anderen Traum. Denn schon seit seiner Kindheit war er zutiefst beeindruckt von der Arbeit seines Vaters. Und so wollte er sein Leben lang Arzt werden. Doch mit dem Ende seiner Schulzeit begann das Problem. Das Medizinstudium beanspruchte so viel Zeit, dass es ihm nicht mehr möglich war, an einem Mannschaftssport teilzunehmen und zu vorgegeben Zeiten zu trainieren. Hussein brauchte eine Sportart, in der er individuell trainieren kann. Dann, wenn es ihm passt. «Ich wollte unbedingt Leistungssport betreiben oder es zumindest mit allen Mitteln versuchen», blickt er zurück, «ausserdem kannst du ja auch nicht 24 Stunden am Tag lernen.»

Also begann er mit der Leichtathletik. Als damals 20-Jähriger nahm er an einem regionalen Wettkampf teil – im Hochsprung. Ohne grosse Vorbereitungen übersprang er gleich mal 2,01 Meter. Werner Dietrich, der Jugendtrainer von Werner Günthör, wurde auf Hussein aufmerksam und überredete ihn, zu ihm ins Training zu kommen. Hussein kam – und probierte vieles. 200 Meter, 400 Meter, 110 Meter Hürden, Hochsprung und schliesslich auch 400 Meter Hürden. Und dort trumpfte er gleich mal gross auf. In seinem zweiten Rennen über 400 Meter Hürden verfehlte er mit einer Zeit von 52,52 Sekunden die Limite für die U23-EM nur denkbar knapp. Es war der Startschuss zu einer Laufbahn in dieser Disziplin.

Zu einer sportlichen Laufbahn, bei der er sich ehrgeizige Ziele gesetzt hat – unter der aber seine beruflichen Ziele nicht leiden dürfen. Nur dann fühlt er sich glücklich, nur dann ist er zufrieden. Und so hat er in den vergangenen Jahren parallel zum Training den Bachelortitel erlangt. Den dreijährigen Ausbildungsteil auf dem Weg zum Master hat er nun in einen Fünfjahresplan umgewandelt. Weil sonst das Abschlussjahr auf 2016 gefallen wäre, das Jahr der Olympischen Spiele in Rio de Janeiro. Und weil sich dadurch alles ein wenig entzerrt. «Ich trainiere deshalb nicht mehr als früher, aber ich muss die Regeneration nicht mehr vernachlässigen», verdeutlicht er.

Wie wichtig ihm das Spagat zwischen Sport und Ausbildung ist, zeigt auch ein Beispiel vom vergangenen Jahr. Denn nachdem er sich da Anfang Juni einen Muskelfaserriss zugezogen hatte, gab er wegen der verpassten Trainingstage den Versuch, sich für die WM in Moskau zu qualifizieren auf und konzentrierte er sich lieber auf die Uniprüfungen. «Beides wäre nicht gegangen», sagt er, «ich habe lieber die Prüfungen bestanden und dafür die WM verpasst als umgekehrt.»

An der EM in Zürich ist er indes dabei – und wie er das ist. Seinen Vorlauf hat er souverän gewonnen, seinen Halbfinallauf ebenfalls. In Letzterem erreichte er gar trotz eines heftigen Strauchlers, der ihn fast zu Fall gebracht hätte, in 49,16 Sekunden die zweitschnellste Zeit, die er je gelaufen ist. Das gibt Selbstvertrauen, das stimmt zuversichtlich für den Final am heutigen Abend (16. August). Knüpft der 25-Jährige dort an seine guten Leistungen der vergangenen Tage an und kann seine persönliche Bestzeit von 49,08 Sekunden, die er Ende Juli an der Schweizer Meisterschaft in Frauenfeld aufstellte und damit bis zu den Titelkämpfen im Letzigrund der Fünftschnellste unter allen EM-Teilnehmern in diesem Jahr war, verbessern, liegt gar ein Medaillengewinn drin. «Im Final ist alles möglich. Ich hoffe, ich kann noch ein wenig schneller laufen», sagt er, «allerdings bin ich gespannt, wie mein Körper reagiert, wenn ich zum dritten Mal in vier Tagen laufe. Da habe ich keine Ahnung, ich war ja noch nie an so einem Wettkampf dabei.» Bislang meisterte er die neue Herausforderung jedoch problemlos – zumindest im Stadion.

Mujinga Kambundji stellt am ersten Tag mit 11,32 Sekunden einen neuen Schweizer Rekord über 100 Meter auf. (Bild: Keystone)
Ein erfolgreicher Auftakt gelang auch Noemi Zbären (hinten) und Lisa Urech. Das Langnauer Duo blieb in 12,95 beziehungsweise 13,05 Sekunden bloss wenige Hundertstel über der jeweiligen Saisonbestleistung. Das jüngste Mitglied der 53-köpfigen Schweizer Delegation durchbrach erst zum zweiten Mal die Marke von 13 Sekunden. (Bild: Keystone)
Lisa Urech freut sich über ihre Topzeit. (Bild: Keystone)
3000 Meter Steeple-Lauf der Männer. (Bild: Keystone)
Ein Athlet des 3000 Meter Steeple-Laufs überspringt den Wassergraben. (Bild: Keystone)
Halbgefülltes Letzigrund-Stadion am ersten Tag. (Bild: Keystone)
Romana Malacova aus Tschechien meistert die Hürde. (Bild: Keystone)
Lässt die Muskeln beim Speerwerfen spielen: Die Spanierin Mercedes Chilla (Bild: Keystone)
Dominik Distelberger beim Weitsprung. (Bild: Keystone)
Victor Garcia aus Spanien erlitt beim 3000-Meter-Lauf einen Kollaps und musste vom Platz gefahren werden. (Bild: Keystone)
Schweizer Fans im Letzigrund (Bild: Keystone)
Zwei Athleten überqueren die «Zürich 2014»-Hürden. (Bild: Keystone)
Stabhochspringerin Nicole Büchler wartet im Letzigrund-Stadion auf ihren Einsatz, links Patrick Magyar, CEO der Leichtathletik-EM. (Bild: Keystone)
Bild: Keystone
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20 Bilder

Leichtathletik-EM in Zürich: Die besten Bilder vom 1. Tag

Der Schweizer Hürdenläufer Kariem Hussein an der Pressekonferenz in Regensdorf vom Donnerstag. (Bild: Keystone)

Der Schweizer Hürdenläufer Kariem Hussein an der Pressekonferenz in Regensdorf vom Donnerstag. (Bild: Keystone)

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