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LEICHTATHLETIK: Kebba Bayo isst vor dem Stadtlauf noch Lamm und Reis

Wenn irgendwo bei uns in der Region ein Volkslauf stattfindet, ist er mit dabei: Kebba Bayo (57) aus Gambia. So auch morgen am 41. Luzerner Stadtlauf.
Turi Bucher
Kebba Bayo beim Training auf der Gersag-Bahn in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 25. April 2018))

Kebba Bayo beim Training auf der Gersag-Bahn in Emmenbrücke. (Bild: Pius Amrein (Emmenbrücke, 25. April 2018))

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Es hätte auch genügt, wenn Kebba Bayo einfach das Jahr gesagt hätte. Aber er erinnert sich ganz genau und er will es auch so mitteilen: «Ich lebe seit dem 26. Juli 1984 in der Schweiz.»

1960 in Gambia geboren, stellten sich bei Kebba Bayo schon in seinen Jugendjahren herausragende läuferische Qualitäten heraus. Doch als 20-Jähriger wollte er vor allem eines: nämlich in die weite Welt hinaus. Kebba Bayo verliess seine gambische Heimat und studierte zwei Jahre lang in der ägyptischen Hauptstadt Kairo die arabische Sprache. Dann zog er weiter, nach Israel, nach Eilat am Golf von Akaba. «Ich wollte Geld verdienen. Ich habe in Hotels und Restaurants gearbeitet», erzählt er.

In einem Kibbuz in Eilat lernte er 1983 seine Frau kennen, Lucia Lötscher aus Adligenswil. Lucia reiste in der Folge zurück in die Schweiz, ihr Kebba folgte bald mit einem Touristenvisum nach. «Als das Visum abgelaufen war und ich wieder nach Gambia ausreisen musste», sagt Kebba Bayo, «war Lucia ja schon schwanger.» Schwanger mit dem ersten Sohn David. Später folgten Tochter Jeneba und der zweite Sohn Andy. Die Bayo-Lötschers liessen sich in der Folge in Emmen nieder, Kebba arbeitete 28 Jahre lang als Schreiner, heute ist er in der Produktion von Klimaanlagen tätig.

Die Grippe am Rotseelauf rausgeschwitzt

Bayos Freizeit ist ganz und gar vom Laufsport geprägt: Er nimmt an praktisch jedem Volkslauf in der Zentralschweiz teil. «Zuletzt war ich in Ebikon am Rotseelauf. Ich war zwar krank, hatte eine Grippe. Doch ich bin trotzdem gelaufen. Und was ist passiert? Nach dem Lauf ging es mir besser. Ich habe die Grippe richtig rausgeschwitzt.»

Auch die Achillessehnenprobleme der vergangenen Monate sind am rechten Fuss auskuriert, weitere Altersbeschwerden kennt Bayo nicht. «Alles o.k., ich bin in Topform», sagt der 57-Jährige. «Ich laufe ja vor allem aus Leidenschaft, aus Freude. Ich muss nicht gewinnen, Sport bedeutet für mich auch Gesundheit. Wer fit ist, ist weniger krank.»

Seine Trainings absolviert Kebba Bayo, der als Läufer beim TV Mauritius Emmen eingetragen ist, in Emmenbrücke auf der Leichtathletikbahn im Gersag oder ganz einfach «draussen in der Natur. Ich laufe gerne am Rotsee oder in Richtung Trumpf Buur in Buchrain.» Sein Läufervorbild? Bayo muss kurz nachdenken, dann kommt die Antwort aber sehr überzeugt. Es ist nicht Hayle Gebrselassie. Es ist nicht Lasse Viren. Es ist nicht Mo Farah. Es ist: Viktor Röthlin.

Kebba Bayo nimmt seit 1988 am Luzerner Stadtlauf teil. Kann sein, dass er einen oder zwei Läufe verpasst hat, meint er. Den Luzerner Marathon, der jeweils im Oktober des Jahres stattfindet, lief er schon dreimal. Seine Bestleistung: «Eine 2:42er-Zeit. Unterdessen habe ich aber auf die Halbmarathonstrecke gewechselt.»

Lucia feuert ihren Kebba am Streckenrand lautstark an

Am Samstag wird wie so oft auch Lucia als Zuschauerin mit dabei sein. «Wenn der Anlass nicht zu weit weg ist, stehe ich gerne am Streckenrand», sagt Lucia Bayo. «Und wenn Kebba angerannt kommt, kann ich mit meinen Hopp-Rufen schon mal sehr laut werden. Da dreht sich der eine oder andere Zuschauer auch nach mir um.»

Kebba Bayo hat kurz nachgerechnet und sagt dann: «Im Durchschnitt habe ich in der vergangenen Zeit pro Jahr an 10 bis 15 Volksläufen teilgenommen.» Vor der 7,2-Kilometer-Strecke vom Samstag am 41. Luzerner Stadtlauf wird Bayo wie gewohnt sein Lieblingsessen, Lammfleisch mit Reis, speisen. «Das ist eine Spezialität aus Gambia», erklärt Lucia Bayo, «darum kocht Kebba das selber.» Der findet sowieso: «Jeder Läufer soll vor seinem Lauf das essen, was er am liebsten mag.» Nach dem Stadtlauf will er dann mit seinen Läuferkollegen noch eine Portion Spaghetti zu sich nehmen, um den Speicher wieder zu füllen.

Geschwister warten in Bakadaji auf Besuch

Immer noch reist Bayo oft in sein Geburtsland Gambia. Durchschnittlich sicher einmal alle zwei Jahre. Seine Familie – zwei Schwestern und ein Bruder – ist jeweils hoch erfreut, wenn Kebba und Lucia und auch die inzwischen erwachsenen Kinder in der 2000-Einwohner-Ortschaft Bakadaji am Gambia-Fluss eintreffen.

Und wann ist Schluss mit dem Laufsport, wann will Kebba Bayo läuferisch in Pension gehen? «Wie bitte?», fragt Bayo. «Ich höre sicher nicht auf. Wenn ich dann einmal bei der Arbeit pensioniert werde, kann ich mit dem Laufen erst recht etwas für meine Gesundheit tun. Ich sage Ihnen: Kebba Bayo hört nicht auf. Kebba läuft immer weiter.»

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