LEICHTATHLETIK: Läuferin Jasmin Widmer: «Eigentlich hätte ich mehr drauf»

Das Comeback der Läuferin Jasmin Widmer verläuft weiterhin vielversprechend. Nun hat die 28-Jährige sich bereits wieder im Kreis der Schweizer Elite zurückgemeldet.

Urs Hanhart
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Jasmin Widmer bei einem lockeren Trainingslauf am Urnersee. (Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 17. Mai 2017))

Jasmin Widmer bei einem lockeren Trainingslauf am Urnersee. (Bild: Urs Hanhart (Flüelen, 17. Mai 2017))

Urs Hanhart

urs.hanhart@urnerzeitung.ch

Nach einer rund halbjährigen Zwangspause aufgrund einer Knieverletzung kehrte Jasmin Widmer Mitte April mit einem Paukenschlag aufs Wettkampfparkett zurück. Sie holte beim GP Fricktal in überlegener Manier den Tagessieg. Anfang Mai doppelte die Athletin vom LATV Erstfeld dann beim Nidwaldner Lauf gleich mit einem weiteren Erfolg nach. Nun hat die schnelle Urnerin auch ihren ersten richtigen Härtetest mit Bravour bestanden. Beim international hervorragend besetzten GP Bern, einer der bedeutendsten Laufveranstaltungen in der Schweiz, erkämpfte sich die mehrfache Urner Rekordhalterin als drittbeste Schweizerin in 1:01:10 Stunden den sehr guten 8. Platz. Auf der anspruchsvollen, sehr welligen 10-Meilen-Strecke büsste sie etwas über vier Minuten auf die ukrainische Tagessiegerin Viktoria Pogorielska ein.

Trotz dieser starken Leistung zeigte sich Widmer mit ihrem Wettkampf nur bedingt zufrieden: «Ich verspürte von Beginn weg schwere Beine und konnte dadurch nicht ganz das geplante Tempo anschlagen. Eigentlich hätte ich zwei Minuten schneller laufen wollen. Aber alle Spitzenläuferinnen sind hinter ihren Bestzeiten zurückgeblieben, was wohl auf die schwierigen Bedingungen und den harten Kurs zurückzuführen ist. Mit der Rangierung bin ich zufrieden, aber zeitlich hätte ich aufgrund meiner Trainingswerte eigentlich noch mehr drauf gehabt.»

Schweizer Meisterin im Marathon geschlagen

Die gelernte Hochbauzeichnerin hatte insofern Pech, als sie fast die gesamte Strecke allein absolvieren musste. Dies, weil die Spitzengruppe für sie eine etwas zu hohe Pace anschlug, und das Verfolgerinnenpack zu langsam un­terwegs war. Immerhin konnte die willensstarke Urnerin in der Schlussphase noch zusetzen und zwei Konkurrentinnen überholen, unter ihnen die deutlich höher kotierte Bernerin Maja Neuen­schwander, die im ver­gangenen Jahr mit ihrem neuen Schweizer Rekord in die erweiterte Marathon-Weltelite vorgestossen ist. Allerdings konnte Neuenschwander ihre Fortschritte in diesem Jahr noch nicht bestätigen, obwohl sie professionell auf den Laufsport setzt.

Zuversichtlich in die weitere Saison

Zu ihrem aktuellen Formstand sagt Widmer: «Ich bin auf Kurs, und alles läuft nach Plan. Obwohl ich in Sachen Quantität und auch Qualität noch recht grosse Reserven besitze, bin ich schon gut im Schuss. Das stimmt mich im Hinblick auf den weiteren Saisonverlauf sehr zuversichtlich.» Die 1,72 Meter grosse Athletin richtet ihren Hauptfokus ganz klar auf den Herbst und insbesondere auf ihr geplantes Marathondebüt. Dementsprechend setzt sie auf einen langfristigen Aufbau und will nichts überstürzen oder gar erzwingen. Wo Widmer als Nächstes antreten wird, ist noch nicht definitiv festgelegt. Aber sie verrät: «Eventuell werde ich den Frauenlauf in Bern und den Engadiner Sommerlauf bestreiten sowie zwei Starts im Ausland absolvieren. Ich werde zusammen mit meinem Trainer kurzfristig entscheiden, wo und wann ich wieder ins Renngeschehen eingreifen werde.»

Das grosse Ziel der gebürtigen Erstfelderin ist die Teilnahme an der Marathon-EM in Berlin im nächsten Jahr. Dazu müsste sie in den Bereich von 2:38 Stunden laufen, was alles andere als einfach werden dürfte. Falls es im Herbst mit dem Knacken der EM-Limite nicht klappt, könnte Widmer im Frühjahr 2018 allenfalls noch einen zweiten Versuch unternehmen.