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LEICHTATHLETIK: «Rio de Janeiro, das wäre der Hammer»

Die Luzerner Hammerwerferin Nicole Zihlmann jagt Meistertitel, hält den Schweizer Rekord – und die 28-Jährige träumt nun von den Olympischen Sommerspielen 2016 in Brasilien.
Roland Bucher
Investiert wöchentlich 20 Stunden in den Leistungssport: die bald 29-jährige Nicole Zihlmann aus Luzern. (Bild Hanspeter Roos)

Investiert wöchentlich 20 Stunden in den Leistungssport: die bald 29-jährige Nicole Zihlmann aus Luzern. (Bild Hanspeter Roos)

Roland Bucher

Hätte sich damals, vor nunmehr einem Dutzend Jahren, nicht ein ganz besonders aufsässiger Leichtathletik-Funktionär um die sportlichen Perspektiven von Nicole Zihlmann gekümmert, wäre es durchaus möglich gewesen, dass die talentierte junge Frau den Hammer schon viel zu früh in den Keller geschmissen hätte. «Meine Motivation war nicht eben riesig gross», erzählt die 1,72 Meter grosse und 76 Kilogramm schwere Athletin, doch das energische und dauernde Nachhaken zum Weitermachen ihres Trainers höhlte den Stein. «Ich konnte doch einfach nicht Nein sagen», meint die Umworbene zurückblickend, «als sie mich fast auf den Knien gebeten haben, für die Schweizer Meisterschaften die Lücke in der Hammerwurf-Disziplin zu stopfen, habe ich halt zugesagt.»

Sechs Meistertitel

Zum Glück hat Nicole Zihlmann nicht Nein gesagt. Zum Glück antizipierte sie schliesslich ihr Lebensmotto – «Von nichts kommt nichts» – auch in den Sport. Das junge Mitglied des Leichtathletikclubs Luzern komponierte die drei entscheidenden Komponenten Technik, Kraft und Athletik immer näher an die Perfektion, zog in der nationalen Rangordnung mit der Zeit an allen Konkurrentinnen vorbei – und heute ist sie die mit Abstand beste Hammerwerferin in der Schweiz. Sechsmal zwischen 2008 und 2014 holte sie an den nationalen Titelkämpfen die Goldmedaille. 2013, ausgerechnet an den «Heimspielen» auf der Luzerner Allmend, katapultierte sie dieses Gerät, das Laien Angst und Furcht einflösst, erstmals ennet die 60-Meter-Marke und durchbrach damit die Schallmauer. Und nur ein Jahr später realisierte das Luzerner Kraftpaket die Schweizer Rekordweite von 63,79 Metern.

Beine, Bauch, Rücken

«Wissen Sie», schmunzelt Nicole Zihlmann, «es gibt einige Märchen, welche rund um die Hammerwerferei herumgeboten werden. Gefährlich könne es werden, wenn man sich im Netz verfange oder gar das Kabel als Verbindungsglied reisse – aber passiert ist mir noch nie etwas.» Oder: «Die meisten glauben, man braucht irre Bizeps in den Oberarmen, um auf Resultate zu kommen. Das alles ist nicht wahr. Entscheidend für einen weiten Wurf ist Kraft in den Beinen, im Bauch und im Rücken.»

Ultimatives Ziel

Solchermassen von ihrem Trainer instruiert, machte die diplomierte Treuhänderin Fort-Schritt um Fort-Schritt und ist inzwischen in einer Liga angelangt, die zu ultimativen Zielen einlädt: «Ich bin jetzt bald 29 Jahre alt, und ich habe noch ein ganz grosses Karriereziel. Das sind die Olympischen Sommerspiele 2016. In Rio de Janeiro dabei sein, das wäre – sozusagen – der Hammer», gesteht die Perfektionistin, «damit eine eindrucksvolle Laufbahn zu krönen, wäre genial.»

Arbeitspensum reduziert

Und die Luzernerin hat sich in dieser Saison nochmals einen neuen Schub gegeben: «Ich habe die Ernährung umgestellt, gönne mir hie und da eine Massage und auch mehr Zeit für die Erholung.» Was möglich wurde, weil sie – die bis gegen 20 Trainingsstunden pro Woche in ihren Leistungssport investiert – das Arbeitspensum auf 60 Prozent reduzierte. «Das ist», möchte sie nicht unerwähnt lassen, «vor allem deshalb möglich, weil ich bei einem sehr sportfreundlichen Arbeitgeber angestellt bin.» Die 29-Jährige setzt nun alles daran, bald das Ticket für die grossen Games 2016 in Brasilien zu lösen.

Noch fehlen 4 Meter

Nun, einfach so aus dem Arm, Pardon aus den Beinen, dem Bauch und dem Rücken schütteln wird Nicole Zihlmann die Qualifikationslimite nicht. Diese ominöse Limite wird in den nächsten Wochen festgelegt und wird in der Grössenordnung von 68 bis 70 Metern angesiedelt sein. Mindestens 4 Meter gegenüber ihrer aktuellen Bestweite aufbessern zu müssen, das ist keine Weltreise, aber doch eine nicht zu unterschätzende Herausforderung. «Es muss alles zusammenpassen», skizziert Nicole Zihlmann die Ausgangslage, «aber ich habe in dieser Saison gut gearbeitet und habe ein gutes Gefühl.» Um nicht zu sagen: ein gutes Bauchgefühl.

Hinweis

Innerschweizer Einkampfmeisterschaften in Luzern. Heute: 9.45–17.45 (LA-Stadion Allmend). Infos/Programm: www.i-lv.ch

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