LEICHTATHLETIK: Ruckstuhl besiegt Olympiateilnehmerin

Das 45. Willisauer Meeting ist wie in den Vorjahren von Wind und Regen geprägt. Dennoch überzeugen die regionalen Aushängeschilder. Allen voran Géraldine Ruckstuhl, Jonas Schöpfer und Andreas Haas.

Stefanie Barmet
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Ellen Sprunger (links) liegt hier über 100 Meter Hürden knapp vor Géraldine Ruckstuhl (Mitte). (Bild: Hanspeter Roos (Willisau, 5. Mai 2017))

Ellen Sprunger (links) liegt hier über 100 Meter Hürden knapp vor Géraldine Ruckstuhl (Mitte). (Bild: Hanspeter Roos (Willisau, 5. Mai 2017))

Stefanie Barmet

regionalsport@luzernerzeitung.ch

Das Willisauer Leichtathletikmeeting wurde seinem Ruf als Schlechtwetter-Wettkampf auch in diesem Jahr gerecht. Während der ersten Disziplinen war es zwar noch trocken, doch schon bald windete und regnete es, und Petrus machte den Athleten, Zuschauern und Organisatoren das Leben schwer. Dennoch wurden Topleistungen erzielt – so auch von den regionalen Aushängeschildern Géraldine Ruckstuhl, Jonas Schöpfer und Andreas Haas, die sich in diesem Jahr alle für ­einen Nachwuchsgrossanlass qualifizieren wollen und das Willis­auer Leichtathletikmeeting als Standortbestimmung nutzten.

Die Zeit von 10,60 Sekunden im Visier

Der Menznauer Andreas Haas verpasste bisher die Qualifikation für einen Nachwuchsgrossanlass jeweils knapp und möchte 2017 bei der U23-EM im polnischen Bydgoszcz nun definitiv im Nationaldress an den Start gehen. Auf seiner Trainingsbahn zeigte er eindrücklich, dass er im Winter grosse Fortschritt erzielt hatte. Mit 10,76 Sekunden über 100 m und 16,28 Sekunden über 150 m war er zweimal Tagesschnellster. Über 100 m blieb er lediglich eine Hundertstelsekunde über seiner persönlichen Bestleistung, während er seinen bisherigen Hausrekord über 150 m um 14 Hundertstelsekunden verbessern konnte. «So gut bin ich noch nie in die Saison gestartet. Das zeigt, dass meine Form stimmt.»

Der 20-Jährige hat bis am 2. Juli Zeit, um die Limite von 10,60 Sekunden zu knacken. «Gegenüber meinen letzten Limitenversuchen vor zwei Jahren habe ich mich vor allem am Start verbessert. Bereits in der Halle, wo ich im Februar über 60 m SM-Bronze holte, hat sich das abgezeichnet. Am meisten Potenzial sehe ich dennoch am Start. Ich muss in der Beschleunigungsphase noch mehr Tempo aufbauen.»

«Der eingeschlagene Weg stimmt»

Ebenfalls über eine persönliche Bestleistung zum Saisonauftakt durfte sich 800-Meter-Spezialist Jonas Schöpfer freuen. Dabei kam es über 1000 m bei widrigen Bedingungen zu einem spannenden Duell mit dem Berner Pascal ­Furtwängler. Pacemaker Raphael Salm führte das Feld 600 m an, ehe Schöpfer das Zepter übernahm. Furtwängler blieb ihm auf den Fersen und forderte den drei Jahre jüngeren Rivalen bis zum Zielstrich. Am Ende hatte Schöpfer knapp die Nase vorn und siegte mit vier Hundertstelsekunden Vorsprung (2:24,68 Minuten). «Eine Bestzeit zum Saisonauftakt ist immer cool, zumal die Bedingungen nicht optimal waren. Die Zeit zeigt mir, dass der eingeschlagene Weg stimmt», so der Berufsmaturitätsschüler.

Dieser Weg soll nach der Teilnahme an der U20-WM 2014 und der U20-EM 2015 nun an die U23-EM führen. Dafür muss der 20-Jährige seine im Vorjahr aufgestellte Zeit von 1:49,41 Minuten um 61 Hundertstel senken. «Eine schwierige, aber machbare Aufgabe.» Verglichen mit den Vorjahren hat er diesen Winter mehr Zeit im Bereich Kraft, Stabilisation und Koordination investiert. Die erzielten Fortschritte machten sich an der Cross-SM, wo er sich im Kurzcross seinen ersten Elitetitel holte, bereits ausbezahlt. «Am meisten Potenzial sehe ich noch im Speedbereich, wo nun bis Ende Mai der Fokus liegt.» Als Limiten-Rennen dienen ihm drei Meetings in Belgien sowie das Meeting in Rapperswil-Jona.

Géraldine Ruckstuhl besiegt Ellen Sprunger

Zur grossen Überraschung kam es im Vierkampf der Frauen. Ellen Sprunger, letztjährige Olympiateilnehmerin mit der Staffel und EM-Teilnehmerin im Siebenkampf, erwischte keinen guten Tag. Diese Chance zu nutzen, wusste Géraldine Ruckstuhl. Die Altbüronerin startete über 100 Meter Hürden trotz verschlafenem Start mit einer persönlichen Bestleistung (14,23) in den Vierkampf. Im Hochsprung waren die Bedingungen beim Einspringen top. Dann setzte Wind ein, und die Temperaturen sanken. «Die Höhe mit 1,75 m, nur drei Zentimeter unter meiner Bestleistung, ist daher sehr gut», sagt Ruckstuhl.

Danach blieb der 20-Jährigen kaum Zeit zum Einwärmen fürs Kugelstossen. «Der Ring war rutschig, meine Hände kalt, und ich habe keinen Wurf richtig ge­troffen. Daher gehen die 12,86 m in Ordnung, obwohl ich deutlich hinter meiner vor Wochenfrist aufgestellten Bestleistung von 13,59 m blieb.» Im abschliessenden 150-Meter-Lauf stoppten die Uhren nach 18,89 Sekunden, eine Zehntelsekunde über ihrer Bestleistung. In der Endabrechnung war Ruckstuhl mit 3470 Punkten klar die stärkste Mehrkämpferin und siegte mit klarem Vorsprung auf Sprunger, die sich mit 3321 Punkten begnügen musste. «Ich bin sehr zufrieden mit meinen Leistungen und stolz, dass ich Ellen Sprunger, die eine gute Siebenkämpferin ist, schlagen konnte. Das hätte ich nie gedacht.»

Das grosse Saisonziel der 19-Jährigen ist die U20-EM, welche dieses Jahr in Grosseto (Italien) stattfindet. Für die Teilnahme im Siebenkampf sind 5100 Punkte gefordert, im Speerwerfen 48 m. Beides Werte, die für die Athletin des STV Altbüron aufgrund ihrer Bestleistungen von 5835 Punkten und 54,31 m nur Formsache sein dürften.

Meeting in Willisau

Männer. 5-Kampf: 1. Jonas Fringele (Turicum) 3931. 2. Raphael Holdener (Schindellegi) 3714. – 100 m: 1. Andreas Haas (Willisau) 10,76. Kim Lenoir (Luzern) 11,50. Severin Niederberger (Luzern) 11,74. – 150 m: 1.Andreas Haas 16,28. Kim Lenoir 17,37. Severin Niederberger 17,75. – 1000 m: 1. Jonas Schöpfer (Sempach) 2:24,68. 4. David Schöpfer (Sempach) 2:29,15. – Weit: 1. Jan Deuber (Buttikon) 7,19. 2. David Keller (Luzern) 6,42.

Männer U20. 5-Kampf: 1. Fabian Steffen (Altbüron) 3493. – Männer U18. 100 m: 1. Rüegg (Schaffhausen) 11,38. 2. Mika Kreienbühl (Ballwil) 11,51. 4. Nino Portmann (Nidwalden) 11,87. – 150 m: 1. Eric de Groot 17,18. 4. Mika Kreienbühl 17,59. – 1000 m: 1. Kauflin (Zofingen) 2:40,65. 3. Noah Wildisen (Luzern) 2:44,40. – 110 m Hürden: 1. Rüegg 15,02. 2. Fabio Haueter (Sarnen) 15,18. – Weit: 1. Nino Portmann 5,87. – Kugel (5 kg): 1. Binz (Gränichen) 13,35. 2. Noah Rühli (Rothenburg) 12,53. – Diskus (1,50 kg): 1. Noah Rühli 40,08. 2. Nino Portmann 34,93. – Speer (700 g): 1. Fabio Haueter 58,04. 2. Noah Rühli 46,49.

Frauen. 4-Kampf: 1. Ellen Sprunger (Nyon) 3321. – U20, 4-Kampf: 1. Géraldine Ruckstuhl (Altbüron) 3470. – 100 m: 1. Cornelia Halbheer (Winterthur) 11,65. – 150 m: 1. Halbheer 17,60. Inola Blatty (Rothenburg) 18,33. – 1000 m: 1. Kurmann (Winterthur) 2:52,16. 2. Lisa Stöckli (Gettnau) 2:56,02. – Hoch: 1. Lang (Basel) 1,80. 2. Livia Odermatt (Sempach) 1,76. 3. Iris Inderbitzin (Steinen) 1,60.

Alle Resultate: www.stvwillisau.ch