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LEICHTATHLETIK: Sie machen den Stadtlauf zum Fest

Tanzen, trinken, schunkeln: Auch abseits der Strecke hat der Luzerner Stadtlauf einiges zu bieten. Ein Rundgang von Platz zu Platz in der Altstadt – mit interessanten Einblicken.
Theres Bühlmann
Eileen Bammert aus Wol­husen (o.) läuft, Melanie Berner und Ferdi Plüss beim Tanzen – und Familie Heini gut «behutet». (Bilder Domink Wunderli)

Eileen Bammert aus Wol­husen (o.) läuft, Melanie Berner und Ferdi Plüss beim Tanzen – und Familie Heini gut «behutet». (Bilder Domink Wunderli)

Theres Bühlmann

Da war ja gestern wieder was los in den Strassen und Gassen von Luzern. Bereits kurz nach Mittag war eine «Invasion der charmanten Art» beim Bahnhof zu beobachten. Zu Hunderten trafen sie ein, Familien, Vereine und Einzelpersonen, alle mit dem gleichen Ziel, den Stadtlauf zu absolvieren, und zwar den 39. Dazu kamen Scharen von Zuschauern und Fans, und so gab es dann irgendeinmal ein Gedränge und Geschubse, aber alles im erträglichen Rahmen. Zeitweise ging es nur noch im Schritttempo weiter, und auf der Kapellbrücke musste man mit einem veritablen Gegenverkehr vorliebnehmen. Aus Lautsprechern erschallte DJ Ötzis «Hey Baby», dann wurde zum Warm-up oder auf gut Deutsch zum Aufwärmen aufgerufen – und los gings, erst einmal für die Kinder und Familien. Am Start noch kurz das Dress zurechtgezupft, die Haare gerichtet, mit den letzten Ratschlägen von Eltern und Trainern eingedeckt, «immer schön ein- und ausatmen.» Leicht irritiert stand die 11-jährige Lena am Start, die ihr Oberteil mega-krass uncool fand, «das ist ja viel zu lang», aber vom Vater getröstet wurde, «das steht dir doch gut, sieht echt chic aus».

Heinis spezielle Hutkreationen

Einer der Väter erklärte seinem Filius noch eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft eines Laufes: «Wenn wir durchs Ziel sind, erst dann wird die Zeit angehalten.» Bei den über 14 000 angemeldeten Läuferinnen und Läufern und nochmals doppelt so vielen Zuschauern, da galt es als Eltern wie ein «Häftlimacher» aufpassen, dass keines der Kids irgendwo im Getümmel verloren ging. Um dies zu verhindern, liessen sich Andreas und Anya Heini aus Luzern etwas ganz Spezielles einfallen und setzten sich und ihren Sprösslingen Oliver (5) und Markus (7) eine unübersehbare Kopfbedeckung auf – Hüte aus grauem Filz, mit Zacken. «Falls wir uns aus den Augen verlieren, haben wir ein ideales Erkennungszeichen», sagte Andreas Heini.

Wer sich weniger mit dem sportlichen Spektakel auf der Strasse befassen und sich einfach nur treiben lassen wollte, hatte die Qual der Wahl. Den Ständen entlangschlendern, erst etwas essen und dann den verschiedenen Musikkapellen zuhören? Oder umgekehrt? Eine Gruppe japanischer Touristen hatte erst einmal anderes vor – man ahnt es, sie fotografierten, was die Kameras und Smartphones hergaben, konzentrierten sich vor allem auf die etwas ausgefalleneren Kostüme. Da gibt es später in der Heimat aber etwas zu erzählen, untermalt mit ihren Sujets aus Luzern.

«Tante Mizzi» hoch im Kurs

Die vielen musikalischen Gruppen, mit so klangvollen und bezeichnenden Namen wie Edelschweiss und Sofort Hei waren dazu angetan, richtiggehend Volksfestcharakter auf den Plätzen zu verbreiten. Auf dem Kornmarkt gefiel die «Tante Mizzi», im musikalischen Sinne natürlich. Dieser «Ohrwurm» hat es ja in sich, ein ideales Stück zum Schunkeln, Klatschen – oder um einfach nur diskret mit dem Fuss zu wippen. Da gab es aber auch Zuschauer, die genehmigten sich ein verdientes Bierchen unter dem Sonnenschirm, mit sich und der Welt zufrieden, ganz nach dem Motto: «Herz, was willst du mehr.»

Berner und Plüss rocken den Platz

Die Post ab ging dann auch in musikalischer Hinsicht auf dem Mühlenplatz, wo Boogie Woogie hoch im Kurs stand. Ein Rhythmus, der ins Blut und in die Beine geht. Und wie. Da hielt es fast niemanden mehr auf den Sitzen. Vor allem nicht die Luzernerin Melanie Berner und Ferdi Plüss aus Dierikon. Die beiden legten eine fesche Sohle aufs Parkett – und Bewunderung und Applaus waren ihnen sicher. «Ich bin eine leidenschaftliche Tänzerin», sagt Berner. «Und nein, es macht mir nichts aus, vor Publikum zu tanzen.»

Die nervösen Eltern

Wieder zurück zum Lauf. Kurz vor dem Zielstrich war auch bei Daumen drückenden Eltern, Grossmüttern, Tanten und Onkeln eine gewisse Nervosität spürbar. «Hopp Daria, zu schaffst es, zieh Mario, super.» Und Daria und Mario gaben noch einmal alles. Nicht jede und jeder überquerte die Ziellinie spurtend, da gab es schon welche, die nahmen es eher gemütlich, ganz nach dem Motto «Mitmachen kommt vor dem Rang». Dann folgte der grosse Augenblick, die Youngsters durften unmittelbar nach dem Zieleinlauf ihre Medaille in Empfang nehmen, mit roten Wangen, manchmal auch etwas ausser Atem, aber sichtlich mit grossem Stolz. Später wurde analysiert, diskutiert und kommentiert. «Wie ist denn meine Zeit? War ich schneller als im letzten Jahr?»

Die Kids machten sich mit Eltern und Trainern wieder auf den Heimweg. Die Bühne war nun frei für die Nachtschwärmer.

Sie wissen ja, je später der Abend ...

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Lesen Sie am Montag: Geschichten, die der 39. Luzerner Stadtlauf schrieb und die Resultate in allen Kategorien in einer 48 Seiten starken Beilage.

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