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LEICHTATHLETIK: Sprint zu historischer Medaille

Mujinga Kambundji hat an den Hallen-WM in Birmingham für einen Coup gesorgt. Die 25-jährige Bernerin gewinnt über 60 m in 7,05 Sekunden Bronze.
Mujinga Kambundji (rechts) freut sich mit der Weltmeisterin Murielle Ahouré von der Elfenbeinküste. (Bild: Matt Dunham/Keystone (Birmingham, 2. März 2018))

Mujinga Kambundji (rechts) freut sich mit der Weltmeisterin Murielle Ahouré von der Elfenbeinküste. (Bild: Matt Dunham/Keystone (Birmingham, 2. März 2018))

Mujinga Kambundji hat an den Hallen-Weltmeisterschaften in Birmingham für einen Coup gesorgt. Die 25-jährige Bernerin gewann über 60 m in 7,05 Sekunden Bronze und holte damit als erste Schweizer Athletin eine Medaille im Sprint an weltweiten Titelkämpfen.

«Es ist verrückt», sagte Kambundji im Fernsehinterview mit der BBC unmittelbar nach ihrem Coup. «Die besten Sprinterinnen der Welt waren da – und ich bin mittendrin.» Obwohl ihr der Start nicht perfekt gelungen war, verkrampfte sie nicht und sicherte sich und Swiss Athletics auf den letzten Metern eine historische Medaille. Eine Sprint-Medaille an Weltmeisterschaften holte die Schweiz noch nie. «Ich hätte nie gedacht, dass ich dazu fähig bin.»

Ihren vor knapp zwei Wochen in Magglingen aufgestellten Schweizer Rekord von 7,03 verpasste Kambundji in ihrem ersten WM-Final in einer Einzeldisziplin nur um zwei Hundertstel. Ihre Halbfinal-Serie hatte die EM-Dritte von 2016 im Freien in 7,10 gewonnen.

Schippers geht leer aus

Schneller als Kambundji waren nur zwei Athletinnen von der Elfenbeinküste. Murielle Ahouré holte in der Jahresweltbestzeit von 6,97 überlegen Gold, nachdem sie 2012 und 2014 jeweils WM-Silber geholt hatte. Die Silbermedaille ging diesmal an ihre Landsfrau Marie-Josée Ta Lou, die gleich schnell wie Kambun­dji lief. Doppel-Olympiasiegerin Elaine Thompson aus Jamaika und die niederländische 200-m-Weltmeisterin Dafne Schippers, die vor zwei Jahren Bronze und Silber gewonnen hatten, gingen leer aus.

Das Ergebnis kommt umso überraschender, da Kambundjis Vorbereitung auf die Saison alles andere als geordnet verlaufen war. Nach der Trennung von ihrem langjährigen Trainer Valerij Bauer entwickelte sich die Zusammenarbeit mit dem Niederländer Henk Kraaijenhof nicht wie gewünscht, so dass Kambundji diese gleich wieder beendete und sich deswegen sogar überlegte, die Hallen-Saison gar nicht zu bestreiten. Unter Mithilfe ihres Jugendtrainers Jacques Cordey und Adrian Rothenbühler nahm sie die Trainingsgestaltung dann in die eigene Hand. Trotz ihrer starken Leistungen wird sie dieses Intermezzo nach Birmingham aber beenden. Im Hinblick auf die Freiluft-Saison mit den Europameisterschaften in Berlin im August als Höhepunkt zeichnet sich eine neue Lösung ab. Sie sei mit einem möglichen Trainer in Kontakt, spruchreif sei aber noch nichts. Klar ist, dass sich Kambundji wieder phasenweise einer Trainingsgruppe im Ausland anschliessen wird. «Ganz weg aus der Schweiz kann ich aber nicht», so die Bernerin.

Disqualifikation stoppte Sprunger

Für Lea Sprunger, den zweiten Schweizer Medaillentrumpf, setzte es über 400 m eine herbe Enttäuschung ab. Die bald 28-jährige Waadtländerin, die als Nummer 4 der Jahresbestenliste nach Birmingham gereist war, lief nach ihrem Sieg im Vorlauf (52,46) auch im Halbfinal ein scheinbar souveränes Rennen und überquerte hinter der Amerikanerin Shakima Wimbley in 51,71 als Zweite die Ziellinie. Die Freude über den vermeintlichen Einzug in den Final der Top 6 vom Samstag währte allerdings nur kurz. Wenige Minuten nach ihrem Lauf wurde Sprunger disqualifiziert, da sie kurzzeitig die Bahn verlassen hatte. Die Romande, die auf der Aussenbahn lief, war nicht die Einzige, der dieses Malheur unterlief. Auch der Jamaikanerin Stephenie Ann McPherson wurde der Einzug in Final verwehrt. In einem 400-m-Vorlauf der Männer wurden sogar gleich alle fünf Starter disqualifiziert. (sda)

Hallen-WM

Männer. Weit: 1. Juan Miguel Echevarria (CUB) 8,46 (JWB). 2. Luvo Manyonga (RSA) 8,44. 3. Marquis Dendy (USA) 8,42.

Frauen. 60 m: 1. Murielle Ahouré (CIV) 6,97 (JWB). 2. Marie Josée Ta Lou (CIV) 7,05. 3. Mujinga Kambundji (SUI) 7,05. 4. Elaine Thompson (JAM) 7,08. 5. Dafne Schippers (NED) 7,10. 6. Michelle-Lee Ahye (TTO) 7,13.

Kugel: 1. Anita Marton (HUN) 19,62 (JWB). 2. Danniel Thomas-Dodd (JAM) 19,22. 3. Gong Lijiao (CHN) 19,08.

Fünfkampf: 1. Katarina Johnson-Thompson (GBR) 4750 (60 m Hürden 8,36, Hoch 1,91, Kugel 12,68, Weit 6,50, 800 m 2:16,63). 2. Ivona Dadic (AUT) 4700. 3. Yorgelis Rodriguez (CUB) 4637. Ferner: 10. Caroline Agnou (SUI) 4397 (8,56, 1,73, 14,92, 5,96, 2:21,08).

Vorläufe und Qualifikationen. Frauen. 60 m. Vorlauf. 4. Serie: 1. Carolle Zahi (FRA) 7,11. 2. Kambundji 7,15. – 5. Serie: 1. Ahouré 7,12. Ferner: 4. Ajla Del Ponte (SUI) 7,31.

Halbfinals. 1. Serie: 1. Ahouré 7,01 (JWB). Ferner: 8. Del Ponte 7,40. – 3. Serie: 1. Kambundji 7,10. – Del Ponte als Gesamt-23. ausgeschieden.

400 m. Vorlauf. 2. Serie: 1. Lea Sprunger (SUI) 52,46. – Halbfinal. 1. Serie: 1. Shakima Wimbley (USA) 51,34. Disqualifiziert: Sprunger.

60 m Hürden. Vorlauf. 4. Serie: 1. Kendra Harrison (USA) 7,77.

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