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LEICHTATHLETIK: Thomas Röhler, das Zugpferd des Speerwurfs bei Spitzenleichtathletik Luzern

Am Luzerner Meeting von heute Abend lohnt es sich, nicht nur auf die Bahn, sondern auch auf den Rasen zu schauen: Olympiasieger Thomas Röhler (26) wirft seinen Speer.
Turi Bucher
Der deutsche Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler auf der Terrasse des Hotels Palace auf dem Bürgenstock. (Bild: Boris Bürgisser (10. Juli 2017))

Der deutsche Speerwurf-Olympiasieger Thomas Röhler auf der Terrasse des Hotels Palace auf dem Bürgenstock. (Bild: Boris Bürgisser (10. Juli 2017))

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

Es ist nicht so, dass die 2.-Liga-Fussballer des Luzerner SC linksseitig der Leichtathletik-Tribüne gleich um ihr Leben fürchten müssten. Doch aufgepasst: Der deutsche Speer-Superstar Thomas Röhler wirft sein Gerät weit, sehr weit.

Es war im Mai 1996, als der Tscheche Jan Zelezny den bis heute gültigen Speerwurf-Weltrekord mit einer Weite von 98,48 m aufstellte. Gleich dahinter folgt: der heute in Luzern antretende Röhler. Das Kraftpaket aus Jena warf vor rund neun Wochen im katarischen Doha nicht nur einen deutschen Rekord, sondern die zweitweiteste je gemessene Leistung: 93,90 m. Zum Vergleich: Die Schweizer Bestmarke stammt aus dem Jahr 2006, der Winterthurer Stefan Müller warf den Speer damals 82,07 m weit. «Ich bin zwar noch sehr weit davon entfernt, aber ich bin überzeugt davon, dass man den Speer 100 m weit werfen kann», sagt Röhler.

Am Tag vor dem Meeting präsentiert sich Röhler auf dem Bürgenstock bei der Athletenpräsentation als «Star zum Anfassen». Nur die Mütze will er für unseren Fotografen nicht vom Kopf nehmen. «Ich komme direkt aus dem Flugzeug und habe eine richtige Air-Condition-Frisur», schmunzelt er.

Röhler gehört zu einer Gruppe deutscher Athleten, die das Speerwerfen in der Leichtathletik wieder richtig populär gemacht haben. Der mit Bachelor-Diplom studierte Sport- und Wirtschaftswissenschafter sagt: «Das freut mich und macht mich auch ein bisschen stolz. Jeder unserer Gruppe gönnt dem andern den Erfolg. Jeder wirft seine Zutaten in den Topf, jeder nimmt für sich das Beste heraus. So entsteht Dynamik.»

Röhler holte vor einem Jahr an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro die Goldmedaille, wurde daraufhin in Deutschland zum «Leichtathlet des Jahres» gewählt und erhielt das «Silberne Lorbeerblatt», die in Deutschland höchste staatliche Auszeichnung für musische und sportliche Leistungen.

Ein Zündholz wirft er 32 Meter weit

Nach dem 93,90-m-Paukenschlag von Doha im letzten Mai folgten für Röhler zwei weitere Siege und Ende Mai in Ostrava zwei erneute 90-m-Würfe. Logischerweise ist der von Harro Schwuchow trainierte Thüringer in Luzern heisser Anwärter auf den sogenannten Diamond-Jackpot, der mit 20 000 Dollar dotiert ist. Der Deutsche Uwe Tefa, der ehemalige Junioren-Welt­rekordhalter und regelmässige Gast-Trainer des LC-Luzern-Nachwuchses im jeweiligen Potsdamer Trainingslager, sagt: «Es ist faszinierend, wie Röhler seinen Nichtwurfarm einsetzt. Wie er die Schulterachse zur Vorbereitung des Wurfs zum Speer hin bewegt und so auch die nötige Körperspannung aufbaut, ist schlicht einzigartig.» Übrigens, kein Witz: Röhler trainiert ab und zu auch mal mit Zündhölzern. Seine fast schon absurd anmutende Bestmarke: 32 Meter.

Heute startet Röhler also erstmals in Luzern. Klar, dass er den Meetingrekord des Russen Sergei Makarow aus dem Jahr 2002 (88,96 m) angreifen will. Aber es geht um mehr, es geht um Revanche: Röhler verlor nämlich vor zwei Tagen an den deutschen Meisterschaften gegen seinen härtesten Widersacher Johannes Vetter. Der Offenburger, der heute mit dem Auto anreist und ebenfalls am Meeting teilnimmt, warf auf 89,35 m, Röhler nur auf 85,24 m.

Röhler hatte zuvor die Meisterschaft fünfmal hintereinander gewonnen. Vetter (Bestweite 89,68) war schon Anfang Juli beim Diamond-League-Meeting in Paris besser als Röhler. «Revanche? Kann man so ausdrücken», sagt Röhler, «schliesslich will ich ja immer gewinnen.»

Leistungsentwicklung von Thomas Röhler

2010 76,37 m

2011 78,20 m

2012 80,79 m

2013 83,95 m

2014 87,63 m

2015 89,27 m

2016 91,28 m

2017 93,90 m

Der Zeitplan

Nationales Programm ab 16.00 Uhr. - Internationales Programm. 18.43 Uhr: Stab Frauen. - 18.46 Uhr: Speer Frauen. - 19.10 Uhr: Weit Männer. - 19.14 Uhr: 400 m Rollstuhl Männer/Frauen. - 19.22 Uhr: 800 m Männer. - 19.30 Uhr: 100 m Frauen. - 19.44 Uhr: 100 m Männer. - 20.01 Uhr: 100 m Hürden Frauen. - 20.17 Uhr: 110 m Hürden Männer. - 20.30 Uhr: Hoch Männer/Frauen. - 20.34 Uhr: 800 m Frauen. - 20.41 Uhr: Speer Männer. - 20.44 Uhr: Weit Männer. - 20.54 Uhr: 200 m Frauen. - 21.08 Uhr: 200 m Männer. - 21.24 Uhr: 400 m Hürden Frauen. - 21.34 Uhr: 400 m Hürden Männer. - 21.49 Uhr: 3000 m Frauen.

Thomas Röhler ist derzeit das Mass aller Ding im Speerwurf (Bild: KEYSTONE/EPA/IAN LANGSDON)

Thomas Röhler ist derzeit das Mass aller Ding im Speerwurf (Bild: KEYSTONE/EPA/IAN LANGSDON)

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