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LEICHTATHLETIK: Toller Event, ungewisse Zukunft

Spitzenleichtathletik Luzern ist ­aktuell auf einem so hohen Niveau wie noch nie. Das ­Meeting steht nun aber vor einer wegweisenden Zeit.
Stefan Klinger
Absprung in einer tollen Atmosphäre: die Isländerin Hafdis Sigurotadottir, am Ende auf der Luzerner Allmend mit 6,25 Metern Sechste. (Bild Philipp Schmidli)

Absprung in einer tollen Atmosphäre: die Isländerin Hafdis Sigurotadottir, am Ende auf der Luzerner Allmend mit 6,25 Metern Sechste. (Bild Philipp Schmidli)

Stefan Klinger

Es ist der Morgen nach Spitzenleichtathletik Luzern. Und wie so oft in den vergangenen 28 Jahren beginnt Meetingdirektor Max Plüss auch diesen Tag 1 nach dem Meeting auf der Allmend mit dem Blick ins Internet. Auf der Seite des Fachportals All-Athletics.com, das bei allen internationalen Wettkämpfen die Leistungen der Top 5 der besten zwölf Disziplinen auswertet, schaut sich der 67-Jährige aus Meggen an, wie das Luzerner Meeting abgeschnitten hat.

Mehr Geld für die Schweizer nötig

Es ist der Moment, in dem Plüss die Bestätigung dessen erhält, was er sich schon am Abend zuvor gedacht hat: Angesichts der gezeigten Leistungen war die 29. Auflage am Dienstagabend das beste bisherige Meeting in Luzern. «Die Auswertung zeigt, dass wir nicht nur einen Topstar da hatten, sondern eine grosse Dichte an sehr guten Leistungen», freut sich Plüss, «aktuell sind wir im Ranking aller Meetings 2015 auf Platz zwölf. Es kommen noch ein paar ­grosse Meetings, die sich vor uns schieben werden. Aber es ist durchaus möglich, dass wir am Saisonende Rang 20 der rund 700 ausgewerteten Meetings belegen – in den vergangenen Jahren waren wir immer zwischen Platz 22 und 26.» Eine Platzierung, die sich angesichts von 14 Diamond-League-Meetings, die über ein weitaus grösseres Budget verfügen, durchaus sehen lassen kann.

Asafa Powell bejubelt seinen Sieg über 100m. (Bild: Philipp Schmidli)
Der 32-jährige Jamaikaner und ehemalige Weltrekordhalter (mitte) feierte über 100 m bei leichtem Rückenwind einen überlegen Sieg und blieb in 9,87 Sekunden bereits zum sechsten Mal in dieser Saison unter zehn Sekunden. (Bild: Philipp Schmidli)
Powell blieb nur sechs Hundertstel über seiner Saisonbestzeit von 9,81, die er bei seinem Sieg am Diamond-League-Meeting in Paris aufgestellt hatte. (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Die Fans sind begeistert von Powell. (Bild: Philipp Schmidli)
Die Ostschweizerin Selina Büchel gewinnt hauchdünn über 200m... (Bild: UR)
... und bleibt damit zum zweiten Mal in ihrer Karriere unter zwei Minuten. (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Ausgepumpt im Ziel: Selina Büchel. (Bild: Philipp Schmidli)
Christina Manning, Noemi Zbären und Sharika Nelvis (von links) im 100m Hürdenrennen der Frauen. (Bild: Philipp Schmidli)
Noemi Zbären wird über 100m-Hürden Vierte. Zbären läuft 12,90. Das sind 19 Hundertstel hinter der persönlichen Bestleistung. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Noemi Zbären. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Stabhochspringerin Nicole Büchler wird Zweite. (Bild: Philipp Schmidli)
Büchler erreicht 4,60 Meter und scheitert dreimal bei 4,71. (Bild: Philipp Schmidli)
Barbara Pierre (mitte), Natasha Morrison (rechts) und Mujinga Kambundji beim 100m-Lauf. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Mujinga Kambundji in ihrem Vorlauf über 100 Meter. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Marcel Hug gewinnt über 800 Meter. (Bild: Philipp Schmidli)
Manuela Schär aus Kriens siegt über 800 Meter. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Charonda Williams gewinnt auch das 200m Rennen der Frauen. (Bild: Philipp Schmidli)
Lomong Lopez gewinnt das 3000m Rennen. (Bild: Philipp Schmidli)
Charonda Williams gewinnt das 100m Rennen der Frauen (Bild: Philipp Schmidli)
Mit letzter Kraft wirft sich Charonda Williams ins Ziel. (Bild: Philipp Schmidli)
Petra Fontanive (Zürich) über 400 Metern. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Alex Wilson (mitte), Reto Amaru Schenkel (rechts) und Rolf Malcolm Fongue im Vorlauf über 100 m. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Daniele Angelella vom VIRTUS Locarno gewinnt den nationalen Wettkampf über 400 Meter in einer Zeitung von 48.01 Sekunden. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Platz 4 für Joel Burgunder im 400 Meter Rennen. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Jason Richardson / USA siegt über 110m Hürden. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Queen Harrison / USA siegt über 100m Hürden. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Abduirahamaa Bella Musaeb (dritter von links) von Katar gewinnt über 800m. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
Martin Wierig / GER gewinnt den Diskus-Wettbewerb. (Bild: Keystone / Peter Klaunzer)
Hafdis Sigurotadottir im Weitsprung der Frauen (Bild: Philipp Schmidli)
In lockerer Pose anlässlich der Medienkonferenz: Kugelstösserin Valerie Adams und 100-Meter-Läufer Asafa Powell am Montag auf dem Bürgenstock. (Bild: Keystone / Urs Flüeler)
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Spitzenleichtathletik Luzern

Plüss sucht einen Nachfolger

Eine Tatsache, die für Plüss dieses spannende, emotionale und mit tollen Leistungen der internationalen Stars wie auch der nationalen Topathleten gespickte Meeting 2015 abrundet. Und eine Tatsache, die Plüss Rückenwind für die nun anstehenden Aufgaben beschert. Immerhin geht es vor allem in den nächsten zwei Monaten darum, die Grundlage für das Budget des Meetings 2016 zu legen. Und das soll am liebsten höher sein als in diesem Jahr. Denn einerseits würden die Luzerner Strategen gerne noch den einen oder anderen Topathleten mehr verpflichten. Andererseits dürfte es schon mit dem aktuellen Budget von 750 000 Franken schwer werden, das Niveau des Teilnehmerfeldes zu halten. Denn für die Athletenverpflichtung stehen nur knapp 300 000 Franken zur Verfügung. Das reicht zwar noch, weil bis auf «zwei, drei Ausnahmen», wie es Plüss formuliert, die Sportler nur vierstellige Antrittsgagen bekommen. Im Jahr nach der WM haben aber die bei den Titelkämpfen erfolgreichen Athleten einen ganz anderen Marktwert. Allen voran Asafa Powell, der in der Königsdisziplin 100 Meter einer der zwei grossen Favoriten auf Gold ist.

Hinzu kommt die Sache mit den Schweizer Athletinnen: Tolle Auftritte wie jene von Selina Büchel, Mujinga Kambundji oder Nicole Büchler waren zwar am Dienstagabend ein Stimmungsgarant und sind für des Gelingen von Spitzenleichtathletik Luzern überlebenswichtig – anders als früher treten sie jedoch nicht mehr umsonst an. Ihr Marktwert steigt von Erfolg zu Erfolg. Zudem wird auch für die aufstrebende Hürdensprinterin Noemi Zbären, seit dem vergangenen Wochenende immerhin U-23-Europameisterin, künftig wohl eine Antrittsgage fällig sein.

Und so wird Plüss, dessen Einsatz fürs Luzerner Meeting aufs Jahr gerechnet etwa einem 25-Prozent-Arbeitspensum entspricht und der kein Gehalt, sondern nur seine Auslagen bezahlt bekommt, auch in den kommenden Wochen und Monaten wieder seiner Hauptaufgabe nachgehen: Geld auftreiben. Doch genau darin liegt das Problem, wenn der 67-Jährige nach der Veranstaltung 2017 abtritt. «Ich mache noch zwei Meetings. Ein 70-Jähriger sollte nicht mehr so ein Meeting leiten», sagt Plüss, «allerdings sehe ich momentan niemanden, der das dann machen will.» Diejenigen, die Plüss angefragt hat, würden sich zwar engagieren – aber wollen nicht für die Sponsorenakquise zuständig sein. Die Alternative wäre, das Meeting einer Agentur zu übergeben. Inwiefern das den Charakter der Veranstaltung verändert, würde sich dann zeigen.

Aktuell sind diese Gedankenspiele aber noch Zukunftsmusik. Denn nun geht es für Max Plüss erst einmal darum, das Meeting 2016 aufzugleisen – damit auch die 30. Auflage von Spitzenleichtathletik Luzern ähnlich glanzvoll und packend wird, wie es die 29. am Dienstagabend war.

So stark wie lange nicht mehr – und so feminin geprägt wie nie

Sportredaktor Stefan Klinger über den Zustand der Schweizer Leichtathletik

Spitzenleichtathletik Luzern lieferte den jüngsten Beweis: Nach Jahren, in denen im Grunde nur Viktor Röthlin der Schweizer Leichtathletik internationales Ansehen bescherte, sorgen inzwischen auch die Athleten der Stadion-Disziplinen international für Aufsehen. Und das, obwohl die einst so hoffnungsvolle Hürdensprinterin Lisa Urech schon lange verletzt ausfällt.

Und das ist der Unterschied. Swiss Athletics ist im Jahr 2015 nicht mehr von einer Athletin abhängig. Selina Büchel gehört über 800 Meter zu den besten der Welt. Mit Europameister Kariem Hussein (400 m Hürden), Jungstar Noemi Zbären (100 m Hürden) und Routinier Nicole Büchler (Stabhochsprung) besitzt die Schweiz weitere Athleten, die in Europa schon Spitze sind und denen zum Top-Level auf Weltniveau nicht mehr unendlich viel fehlt. Und wer weiss, wohin der Aufstieg der wiedergenesenen Sprinterin Mujinga Kambundji noch geht. Die Chance, an der WM in fünfeinhalb Wochen in Peking erstmals seit den Titelkämpfen 2007 wieder einen Platz in den Top 8 zu erreichen, ist so gross wie lange nicht mehr. Denn Swiss Athletics wird gleich mehrere Athleten mit Chancen auf den Finaleinzug am Start haben.

Warum bis auf eine Ausnahme alle von ihnen Frauen sind, können sich die Verbandsstrategen selbst nicht bis ins letzte Detail erklären. Ein Grund ist aber, dass die Dichte an der Weltspitze bei den Männern höher ist als bei den Frauen. Ein anderer, dass sich viele Buben für Fussball und Eishockey entscheiden, während diese Sportarten bei den Mädchen nur zwei von vielen Auswahlmöglichkeiten sind. Die Zahlen belegen das: 2014 hatte Swiss Athletics in den Kategorien U 16, U 14 und U 12 3876 aktive Mädchen und nur 2726 aktive Buben. Und die Zahlen für die letzten fünf Jahre sehen ganz ähnlich aus. Swiss Athletics hat in den kommenden Jahren die grosse Chance, an einstige Erfolge anzuknüpfen – anders als früher scheinen die Erfolge diesmal aber vor allem die Frauen zu holen.


Zwölf Schweizer Athleten haben die WM-Limiten bereits erfüllt.
Männer:
Kariem Hussein (400 m Hürden/9. der Weltjahresbestenliste). Tadesse Abraham (Marathon/140.*). –
Frauen: Mujinga Kambundji (100 m/72. und 200 m/114.). Noemi Zbären (100 m Hürden/12.). Lea Sprunger (400 m Hürden/26.). Selina Büchel (800 m/4.). Fabienne Schlumpf (3000 m Steeple/45.). Nicole Büchle (Stabhochsprung/17.). Valérie Reggel (Siebenkampf/37.). Laura Polli (Gehen/138.*). Marie Polli (Gehen/147.*).

*Der Vergleich in der Weltjahresbestenliste ist weniger aussagekräftig als bei Stadion-Disziplinen, weil es teils sehr unterschiedliche Strecken gibt.

Ellen Sprunger (Siebenkampf) hat die Limite übertroffen, aber die Saison wegen Verletzung beendet.

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