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LEICHTATHLETIK: «Weihnachten bedeutet mir sehr viel»

Sie ist U-18-Weltmeisterin im Siebenkampf. Géraldine Ruckstuhls Agenda ist voll. Trotzdem nimmt sich die Altbürerin viel Zeit für vorweihnächtliche Aktivitäten – die Geschenke hat sie schon alle beisammen.
Géraldine Ruckstuhl vor der Kapelle in Altbüron: Die Vielreisende kehrt immer wieder gerne in ihr Heimatdorf zurück. (Bild Pius Amrein)

Géraldine Ruckstuhl vor der Kapelle in Altbüron: Die Vielreisende kehrt immer wieder gerne in ihr Heimatdorf zurück. (Bild Pius Amrein)

Theres Bühlmann

Abschalten, durchatmen, zur Ruhe kommen. Adventszeit, Lichterglanz und Kerzenschein. «Ich mag diese Zeit sehr», sagt die Altbürerin Geraldine Ruckstuhl. Im Juli holte sie sich in Cali (Kolumbien) den U-18-Weltmeistertitel im Siebenkampf mit 6037 Punkten. Den Welt­rekord auf dieser Altersstufe verfehlte sie dabei um lediglich zwei Punkte. «Eine Sternstunde für die Schweizer Leichtathletik», waren die Medien voll des Lobes. Später gab es in ihrem Heimatdorf einen grossen Empfang, fast «tout Altbüron» war auf den Beinen, um der Weltmeisterin zuzujubeln. Sie denkt gerne und mit grosser Freude an diesen Moment zurück, als sie in einer Kutsche sitzend die Huldigungen entgegen­nehmen durfte. Die Goldmedaille liegt immer noch in der dazugehörenden Schachtel, aber dies soll sich bald ändern, «denn ich habe von meiner Mutter einen Gutschein für eine Vitrine erhalten», sagt Géraldine Ruckstuhl, «und nun schauen wir uns um, ob wir etwas Passendes finden». «Und ja», sagt sie, «ab und zu werfe ich schon einen Blick auf diese Medaille.»

Sie bringt vieles unter einen Hut

Weihnachten wird bei der Familie Ruckstuhl, Mutter Marlies, Vater Willy, Schwester Christina und Bruder Alexander ganz traditionell gefeiert. Erst ist ein Besuch in der Kirche geplant. «In Grossdietwil wird jeweils im Weihnachtsgottesdienst ein kleines Theater aufgeführt», sagt Géraldine Ruckstuhl, dann gibt es ein feines Weihnachtsessen, wobei nicht nur Mutter Marlies am Herd steht, Papa Willy kann das ebenso gut, und anschliessend folgt die Bescherung. Natürlich wurde im Hause Ruckstuhl auch gesungen «früher, als wir noch klein waren», die traditionellen Weihnachtslieder – mit Géraldine als begleitender Gitarristin, «ich hatte sechs Jahre Unterricht, komme aber derzeit selten dazu, dieses Instrument zu spielen».

Aber an Heiligabend nimmt sie auch heute noch die Gitarre zur Hand und lässt darauf weihnächtliche Melodien erklingen. «Weihnachten bedeutet mir sehr viel», sagt sie, «die ganze Familie findet sich ein, und wir können uns viel Zeit für Gespräche nehmen und auch einmal etwas zusammen unternehmen.» Was ja selten der Fall ist, denn die beiden Geschwister studieren in Zürich, und Géraldine ist sehr oft unterwegs. Eines lässt sie sich aber nicht nehmen: das Guetzlibacken; am liebsten Mailänderli und Spitzbuben, und die Grossmutter darf sich auf einen grossen Grittibänz «Made Géraldine» freuen. Kochen würde sie auch gerne öfter, aber eben, die Zeit ... Denn bei einem Training von 10 bis 12 Stunden in der Woche, der KV-Ausbildung bei der Frei’s Talents School in Luzern (3. Jahr), dem Praktikum bei der Firma Kronospan in Menznau und den Reisen zu den Wettkämpfen, da müssen die Stunden schon gut eingeteilt werden.

Vorsichtige Skifahrerin

Sie benutzt immer die öffentlichen Verkehrsmittel, verbringt die Zeit in Bus und Bahn mit Lesen oder Lernen. Da ist Frühaufstehen gefragt, denn Tagwache ist um 6 Uhr, und dies, obwohl Géraldine Ruckstuhl nicht unbedingt zur Gruppe der Frühaufsteher gehört. Aber was sein muss, das muss halt eben sein, Probleme hat sie damit überhaupt keine, sie bringt alles unter einen Hut. Was sie übrigens auch noch sehr gerne macht: Snowboarden und Skifahren. Natürlich rast sie nicht mit hohen Tempi die Piste runter. «Ich fahre vorsichtig und gehe kein Risiko ein.»

Erinnerung an einen Puppenwagen

Die Weihnachtspräsente für ihre Liebsten, «ich verrate noch nichts», hat sie aber schon frühzeitig eingekauft, eingepackt und liebevoll verziert. Sie macht sich nämlich bereits schon während des Jahres Gedanken, sammelt Ideen, wem wohl was gefallen würde. Nur ein einziges Geschenk fehlte vor einer Woche noch. Und dann erinnert sie sich an einen Puppenwagen, den sie als kleines Mädchen einst von ihrem Götti zu Weihnachten bekam, «das war schon ein ganz spezielles Geschenk, über das ich mich sehr gefreut habe und an das ich mich immer wieder gerne erinnere».

Ziel ist Olympia 2020 in Tokio

Auch eine Weihnachtsgeschichte kommt nicht ganz ohne sportliche Fakten, ein wenig Rückblende und Vorschau aus. Wer weiss denn noch, dass Géraldine Ruckstuhl einst dem Geräteturnen frönte und es bis zur Kategorie 4 schaffte? In der Leichtathletik machte sie ihre ersten Gehversuche im Alter von elf Jahren beim UBS-Kids-Cup, bestritt beide Sportarten parallel, bis sie sich endgültig der Leichtathletik zuwandte. Ihr Vorbild war einst Linda Züblin, heute schauen die ganz jungen Sportlerinnen zu Géraldine auf. Als Nächstes fokussiert sie sich auf die Einzel-Schweizer-Meisterschaften in der Halle, die im Februar in Magglingen über die Bühne gehen. Auch geplant ist im nächsten Jahr der Start an der U-20-WM. Als ursprüng­licher Ort war Kazan in Russland vorgesehen. Wegen der Dopingaffären rund um den russischen Verband wird möglicherweise nun ein neuer Austragungsort gesucht. Und dann wird Géraldine Ruckstuhl ernst. «Jeder, der Doping nimmt, handelt gegenüber jenen, die wie ich sauber laufen, äusserst unfair. Die Anschuldigungen fallen ja dann immer wieder auf die entsprechende Sportart zurück.» Lange darüber aufhalten will sich die Athletin, die im Februar 18 Jahre alt wird, aber nicht, und spricht lieber von ihrem ganz grossen Ziel: der Teilnahme an den Olympischen Spielen 2020 in Tokio.

Endlich einmal Autofahren

Und noch etwas steht in ihrer Agenda: die theoretische Autoprüfung, um dann irgendeinmal selber einen Wagen zu steuern. Bis jetzt haben ihre Eltern, wenn nötig, sie mit Chauffeurdiensten bedient. Apropos Eltern und Familie: «Ohne ihre tolle Unterstützung könnte ich das alles gar nicht bewältigen, und dafür bin ich ihnen sehr dankbar.» Und nun noch ein Blick in ihre beruflichen Pläne: «Erst einmal will ich die Schule beenden, und dann möchte ich Polizistin werden», sagt sie, die trotz ihres grossen Erfolges auf dem Boden bleibt und in keiner Art und Weise abhebt. Sie kehrt nach Wettkämpfen immer wieder gerne zu ihrer Familie zurück, mag ihr kleines, beschauliches Dorf, wo jeder jeden kennt. «Ich finde unsere Gegend sehr schön», sagt die sympathische und aufgestellte Sportlerin, die sich selber als naturverbunden beschreibt.

Zum Schluss des Gespräches gibt es einen warmen Händedruck, dann entschwindet Géraldine Ruckstuhl in die weihnächtlich beleuchtete Stadt – «ein Geschenk fehlt ja noch».

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