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LEICHTATHLETIK: Wie Vetter sich und Luzern berühmt machte

Der deutsche Speerwerfer Johannes Vetter (24) begeisterte mit seinem 94,44-m-Wurf das Luzerner Publikum. Am Tag danach weilt Vetter bereits wieder daheim in Offenburg und gibt locker Auskunft.
Turi Bucher
Imponierte beim Meeting in Luzern: Johannes Vetter. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (11. Juli 2017))

Imponierte beim Meeting in Luzern: Johannes Vetter. (Bild: Gian Ehrenzeller/Keystone (11. Juli 2017))

Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

«Fabelhaft». «Sagenhaft». «Historisch». So wurden Johannes Vetters Speerwürfe vom Dienstagabend betitelt. Einer seiner Würfe endete erst nach 94,44 m. Und das alles geschah erst noch in Luzern, am Leichtathletik-Meeting. Nur ein Mann, der Tscheche Jan Zelezny, hatte zuvor den neuzeitlichen Speer weiter geworfen als Vetter – 1996 mit einer Weite von 98,48 m. Wer Vetters Wurf im Stadion oder via TV nicht selber mitverfolgt hat, dem sei gesagt: Lange, lange, laaaaange blieb das Gerät in der Luft. Die Messfunktionäre mussten richtige Sprints hinlegen, um dem Speer zu folgen, denn damit hatten sie nun wirklich nicht gerechnet. Und als der Speer sich langsam gen Boden senkte und sich schliesslich in das nasse Allmend-Gras bohrte, ging ein Aufschrei durchs Stadion. Was heisst «Aufschrei»? Ein tosendes, brausendes, rumorendes Aufschreien und Jubeln, aber auch ein ungläubiges Raunen von Zuschauern, die sich beinahe weigern wollten, das zu glauben, was sie eben gerade erlebt und gesehen hatten.

Johannes Vetter war am Wettkampftag mit seinen Eltern und mit Privatauto in Luzern eingetroffen. Nach seinem überragenden Auftritt, der logischerweise Jahresweltbestweite bedeutete, reiste er bereits wieder nach Deutschland, heim nach Offenburg. «Ich bin nachts um zwei Uhr in Offenburg angekommen und um halb vier ins Bett», erzählt Vetter. Vier Stunden Schlaf waren möglich, dann war’s vorbei mit der Ruhe. «TV, Radio, Sportpresseagenturen, alle haben sie angerufen, alle wollen sie was von mir», sagt Vetter, bereits unterwegs ins Training. Eigentlich habe er nur ziemlich reduziert trainieren wollen, «doch nun rückt der Südwestrundfunk mit einem Kamerateam an, da muss ich mich wahrscheinlich schon ein wenig reinhauen».

In jedem Jahr zwischen 4 und 6 Meter weiter

Vetter war vor zweieinhalb Jahren von Dresden nach Offenburg umgezogen, wollte mit einem neuen Trainer zusammenarbeiten. «Ich wollte in Dresden nicht versauern. Schauen Sie die Steigerung meiner Bestwerte in den letzten drei Jahren an, dann sehen Sie auch, wie viel ich meinem Trainer Boris Obergföll zu verdanken habe.» Schauen wir sie also an:

2014: 79,75 m

2015: 85,40 m

2016: 89,57 m

2017: 94,44 m

Die Steigerung pro Jahr liegt zwischen 4 und 6 m. Da kommt die Aussage seines härtesten Gegners Thomas Röhler, der in Luzern mit 89,45 m Zweiter wurde, gerade richtig. Röhler sagte in Luzern: «Ja, es ist möglich, den Speer 100 m weit zu werfen.» Rechne also anhand der Tabelle. Es könnte 2018 eng für die 100er-Marke werden ... Vetter aber beschwichtigt: «Ich habe jetzt erstmals die 90 m geknackt, und ich habe noch ein paar Jahre vor mir.»

Klar, man kann es nie genau vorausplanen, wo die Rekorde produziert werden. Aber nochmals, Johannes Vetter, wieso dieser fabel- und sagenhafte Exploit ausgerechnet in Luzern? «Trotz des Regens ist für mich in Luzern in technischer Hinsicht alles gut gelaufen. Ich bin aufs Ganze gegangen.» Und das Ganze ist aufgegangen.

Nun ist Vetter für die Weltmeisterschaften in London (4. bis 13. August) der grosse Goldkandidat. «Ich bin mir bewusst, dass ich mich in eine Favoritenrolle katapultiert habe», sagt der Deutsche. Und er ergänzt: «Aber ich will den Ball flach halten, ruhig und bis London ganz einfach gesund bleiben.»

Den Ball flach halten und den Speer weit werfen. Das ist keine schlechte Kombination.

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