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LEICHTATHLETIK: Wiedergeburt des einstigen Dominators

800-Meter-Weltmeister David Rudisha ist heute Abend einer der Stars bei Weltklasse Zürich. Und das, obwohl er zwei schwierige Jahre hinter sich hat.
Der 800-m-Weltmeister von Peking: Der Kenianer David Rudisha will heute auch das Publikum in Zürich begeistern. (Bild: Keystone / Franck Robichon)

Der 800-m-Weltmeister von Peking: Der Kenianer David Rudisha will heute auch das Publikum in Zürich begeistern. (Bild: Keystone / Franck Robichon)

Stefan Klinger, Glattbrugg

Wenn David Rudisha dieser Tage im Athletenhotel in Glattbrugg sein Handy in die Hand nimmt und mit der Familie in der Heimat Kontakt aufnimmt, schnellt sein Puls jedes Mal in die Höhe. Denn für den 26-Jährigen aus Kenia sind das hochspannende Momente. Rudisha, der seit knapp zehn Jahren für Trainingslager und Wettkämpfe kreuz und quer durch die Welt reist, hat zwar längst eine Routine dabei entwickelt, seinen Alltag fernab seiner Frau Lizzy Naanyu und dem fünfjährigen Töchterchen Charlene zu verbringen – doch zurzeit ist alles anders. Rudishas Frau ist hochschwanger und erwartet jeden Moment die zweite Tochter. «Ursprünglich war der Geburtstermin der 12. September, aber kürzlich hat uns der Arzt gesagt, dass es durchaus früher sein könnte», sagt Rudisha, «es wäre schön, wenn unser Baby noch ein bisschen wartet. Ich komme erst am 14. September wieder heim – und es wäre doch schön, wenn ich bei der Geburt dabei sein kann.»

Marktwert wieder angestiegen

Schön wäre das für ihn sicher. Diese Geburt ist für ihn jedoch kein derart einmaliger Moment, weswegen er alles stehen und liegen lässt und auf die geplanten Starts heute Abend in Zürich und am 13. September im italienischen Rieti sowie das dazwischen liegende Trainingslager in seinem europäischen Stützpunkt in Tübingen verzichtet.

Und das hat vor allem seinen finanziellen Grund. Immerhin ist Rudisha, der Weltmeister von 2011, Olympiasieger von 2012 und Weltrekordhalter nach zwei Jahren voller Verletzungen nun endlich wieder in etwa auf dem Niveau von einst. Seit seinem WM-Titel vor einer Woche in Peking ist nun sein Marktwert so hoch wie lange nicht mehr. «Dass ich jetzt nicht zu Hause bin, versteht meine Frau», sagt Rudisha, «sie weiss, dass diese Rennen sehr wichtig sind für mich, dass das mein Job ist und unser Einkommen davon abhängt.»

Doch unabhängig von den Antrittsgagen und Prämien sind die beiden Rennen in Zürich und Rieti auch für Rudisha persönlich enorm wichtig. Für ihn, der bei seinem Olympiasieg in London den Weltrekord auf 1:40,91 Minuten verbessert hat – in diesem Jahr aber «nur» eine persönliche Saisonbestzeit von 1:43,58 aufweist. Er will sich und der Welt beweisen, dass er aktuell noch deutlich schneller als seine bisherige Jahresbestleistung laufen kann. «Ich bin im Juni meine Saisonbestzeit gelaufen, danach habe ich mich aber auf taktische Rennen fokussiert, um mich ideal auf die WM vorzubereiten», erklärt Rudisha, «jetzt ist die WM vorbei, jetzt will ich schauen, was in Bezug auf die Zeit noch möglich ist. Ich glaube, ich kann meine Saisonbestzeit senken. Deshalb habe ich extra meinen Pacemaker Samy Tanguy dabei.»

Monatelang kein Lauftraining

Doch so sehr Rudisha nun «eine Zeit um 1:42 oder schneller» anstrebt – in diesem Jahr gab es für ihn nur ein Ziel: den WM-Titel. «Ich habe 2013 und 2014 so viele Rückschläge und Enttäuschungen erlebt, dass ich unbedingt wieder an die Spitze kommen und Weltmeister werden wollte», verdeutlicht er, «nächstes Jahr sind Olympische Spiele. Dieses WM-Gold hat mich noch mehr motiviert, auch dort wieder der Beste zu sein.» Denn den Glauben daran, das sein zu können, hatte Rudisha 2013 und 2014 zwischenzeitlich verloren.

Im Frühsommer 2013 bekam er Schmerzen im Knie, die er zunächst konservativ behandelte. Doch schon bald waren die Probleme so gravierend, dass er die Saison abbrechen und sich einen sich im Gelenk bewegenden Splitter entfernen lassen musste. Erst im März 2014 konnte er wieder auf einer Laufbahn trainieren. Doch schon bald kamen Wadenprobleme auf, die ihn fortan derart behinderten, dass er in den Wettkämpfen meist chancenlos war. Und dann immer wieder diese Schmerzen, die ihn allmählich zermürbten. «Du hast jedes Mal Schmerzen, wenn du trainierst. Und du weisst nicht, ob diese Schmerzen jemals aufhören», blickt er zurück, «das lässt dich zweifeln.»

Doch dank seines Umfeldes geriet er nicht aus der Bahn. Sein Vater gewann 1968 in der 4x400-Meter-Staffel Olympiasilber, seine Mutter war Hürdensprinterin. Als ehemalige Athleten wussten sie, wie bedeutend es war, auf dem Weg zum Comeback die Geduld nicht zu verlieren – und impften ihm das ein. Hinzu kam sein irischer Trainer Brother Colm O’Connell, der für ihn mit die wichtigste Bezugsperson ist und ihn behutsam wieder aufbaute. Das zahlt sich für David Rudisha nun aus: Mit dem WM-Titel in Peking und vielleicht auch noch mit tollen Zeiten heute Abend in Zürich und in zehn Tagen in Rieti.

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