Leichtathletik

Schweizer Grossaufgebot bei der Saison-Dernière

Das Meeting in Bellinzona vom Dienstagabend bietet der Schweizer Elite einen letzten grossen Auftritt in der durch das Coronavirus beeinträchtigten Saison 2020. Das Wetter verspricht Top-Leistungen.

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Ajla Del Ponte blick dem Start vor Heimpublikum zuversichtlich entgegen.

Ajla Del Ponte blick dem Start vor Heimpublikum zuversichtlich entgegen.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Die Galà dei Castelli offeriert einen würdigen Abschluss einer kurzen, aber intensiven Saison. Nachdem das traditionelle Meeting wegen der Coronavirus-Krise nicht wie geplant Ende Mai durchgeführt werden konnte, scheuten die Organisatoren keinen Aufwand, um knapp vier Monate später ein hochstehendes Programm zu bieten. Neben mehr als einem Dutzend Swiss Starters finden auch wieder verschiedene ausländische Aushängeschilder wie beispielsweise Dafne Schippers oder der 400-m-Weltrekordhalter Wayde van Niekerk, der nach einem Kreuzbandriss wieder den Anschluss sucht, den Weg ins Tessin. Damit führen die Veranstalter ihre Praxis weiter, den besten Schweizer Athletinnen und Athleten eine attraktive Startmöglichkeit zu ermöglichen.

Eine ganz besondere Bedeutung kommt dem Meeting im Stadio Comunale der Tessiner Sprinterin Ajla Del Ponte zu. Sie ist in diesem Jahr durchgestartet und will vor dem Heimpublikum brillieren. Seit Mitte Juli liegt ihr 100-m-Bestwert bei 11,08 Sekunden, womit sie sich hinter Mujinga Kambundji als zweitschnellste Schweizerin aller Zeiten etabliert hat.

Wie Del Ponte gelang auch Silvan Wicki in diesem Sommer der Durchbruch. Der Mann des BTV Aarau, der sich bis auf 10,11 Sekunden steigerte, zog seine Startzusage allerdings am Montag zurück.

Die Europameisterin Lea Sprunger, zu Saisonbeginn gehandicapt wegen der Probleme mit der Achillessehne, ist wieder fit. Davon zeugt der Schweizer Meistertitel über 200 m vergangenen Samstag nahe der 23-Sekunden-Marke. Die Saison wird sie nun in ihrer Spezialdisziplin über 400 m Hürden beschliessen. Die WM-Vierte von Doha 2019 - dank Schweizer Rekordzeit von 54,06 - will 2020 doch noch eine Bahnrunde unter 55 Sekunden zeigen.

Die Stabhochspringerin Angelica Moser fliegt immer höher. Inzwischen ist die 22-Jährige, die bereits vor vier Jahren an den Olympischen Spiele in Rio am Start war, bei 4,66 m angelangt. Ein Flug über die Marke von 4,70 wäre ein weiterer Schritt, um die Schweizer Rekorde von Nicole Büchler (4,78 im Freien, 4,80 in der Halle) ins Visier zu nehmen.

Dass die Saison 2020 wegen der Absage der Olympische Spiele und der EM zur Zwischensaison mutierte und in den meisten Fällen die Trainingsbedingungen leicht einschränkte, hinderte viele junge Athletinnen und Athleten nicht daran, sich mit überzeugenden Leistungen auf internationalem Niveau zu etablieren. Die Nummer 1 dieser im Tessin nahezu komplett anwesenden Kategorie heisst derzeit Jason Joseph, Schweizer Rekordhalter über 110 m Hürden in 13,29 Sekunden. Gelingt dem Basler ein technisch sauberer Lauf, liegt eine weitere Steigerung drin.

Noch nicht in Nähe des Schweizer Rekords, aber gleichwohl überzeugend, läuft Ditaji Kambundji. Die zehn Jahre jüngere Schwester von Mujinga Kambundji durchmisst mit 18 Jahren die 100 m Hürdenstrecke in 13,07 Sekunden. Und auch dem Zehnkämpfer Simon Ehammer steht eine grosse Zukunft bevor. Der 20-Jährige ist mit 8,15 m im Weitsprung bereits die Nummer 2 der ewigen Schweizer Bestenliste. Zum Rekord von Julien Fivaz fehlen noch 12 Zentimeter.