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Nationaltrainer Patrick Fischer ist der Leitwolf einer neuen Generation

Dem ehemaligen Nationaltrainer Sean Simpson hat die Silber-WM von 2013 kein Glück gebracht. Aber für Patrick Fischer (42) ist die Silber-WM 2018 der Anfang eines neuen Zeitalters. Eine Analyse.
Klaus Zaugg
Nationaltrainer Patrick Fischer lässt sich von den Fans am Flughafen Zürich feiern. Bild: Patrick Hürlimann/Keystone (Kloten, 21. Mai 2018)

Nationaltrainer Patrick Fischer lässt sich von den Fans am Flughafen Zürich feiern. Bild: Patrick Hürlimann/Keystone (Kloten, 21. Mai 2018)

Die Schweizer standen schon einmal fast auf dem Gipfel. 2013 waren sie mit Nationaltrainer Sean Simpson im WM-Final gegen Schweden chancenlos. Die Zahlen lügen nicht. Die Finalresultate von 2013 (1:5) und 2018 (2:3 n.V) gegen Schweden dokumentieren eine Revolution im helvetischen Hockey.

Seit 2013 sind die Schweizer nicht auf einmal grösser, schneller und talentierter geworden. Aber in den letzten fünf Jahren hat ein neues Zeitalter begonnen. Die Titanen der alten Zeit haben die Bühne verlassen: Reto von Arx, Mathias Seger, Martin Plüss oder Ivo Rüthemann. Sie waren die prägenden Persönlichkeiten beim Aufstieg aus der Bedeutungslosigkeit in die Weltklasse. Sie hatten noch ein «eurozentrisches» Weltbild. Amerika war für diese Generation nach wie vor ein ferner Traum. Die Nordamerika-Legionäre wie Mark Streit, Martin Gerber, David Aebischer, Luca Sbisa oder Roman Josi waren nach wie vor Ausnahmeerscheinungen. Bewundert wie wagemutige Forscher, die fremde Länder erkunden. Das Denken in unserem Hockey prägten sie noch nicht.

Schweizer Hockey ist amerikanisiert worden

Sean Simpson hat die «Eurozentriker» 2013 bis in den Final geführt. Die Silber-WM war Endpunkt, nicht Anfang. Sie hat Sean Simpson deshalb kein Glück gebracht. Er hat zwar den Ruhm in Russland, in Kloten und in Deutschland versilbert. Aber bewegt hat er nichts mehr. Weil er, obwohl Kanadier, eher der Denkweise der «Eurozentriker» zugewandt ist.

Nach 2013 ist unser Hockey globalisiert, amerikanisiert worden. Inzwischen spielen so viele Schweizer in Nordamerika, dass nicht einmal mehr Hockey-Freaks alle auswendig aufzuzählen vermögen. Glückliche Umstände haben nun die beste WM aller Zeiten ermöglicht. Die Arbeitgeber der besten Schweizer sind aus den Stanley-Cup-Playoffs ausgeschieden. Und so hatte die Schweiz in Kopenhagen erstmals ein «amerikanisches» Nationalteam. Geprägt von dieser neuen Generation, die sich anschickt, die Welt zu erobern. Mit einem Selbstvertrauen, das es vor 2013 so im Kollektiv noch nicht gegeben hat. Es ist ein gesundes Selbstbewusstsein einer Generation, die Lust am Sport und hohe Leistungsbereitschaft kombiniert. Diese coolen Jungs aus Nordamerika – Sven Andrighetto, Timo Meier, Nino Niederreiter, Roman Josi, Mirco Müller, Kevin Fiala oder Dean Kukan – überzeugten nicht nur mit ihrer Spielkunst. Sie brachten auch ein neues, grosses Denken in die Garderobe und machten alle Spieler besser. Es ist kein Zufall, dass Captain Raphael Diaz in diesem Umfeld so gut gespielt hat wie noch nie seit seiner Rückkehr aus Nordamerika.

Kopenhagen ist ein Glücksfall zum richtigen Zeitpunkt. Mit Patrick Fischer ist im Herbst 2015 ein Mann mit NHL-Erfahrung Nationaltrainer geworden. Er hat das neue, grosse Denken in die Mannschaft getragen. Er hat von allem Anfang an so von Medaillen und Titeln gesprochen wie seine Vorgänger von Viertelfinals. Aber er hatte noch nicht die Spieler, die seine Botschaft verstanden. Beim olympischen Turnier ist Fischer mit einer Mannschaft aus «Eurozentrikern» gescheitert (die NHL-Profis fehlten). Er hat seine Lehren aus der missglückten Olympia-Expedition gezogen, aber er ist sich selber geblieben. Nun hatte er zum ersten Mal eine «amerikanische» Mannschaft zur Verfügung. Getragen von Spielern, die auch seine Träume träumen. Die auch von seinem Selbstbewusstsein beseelt sind.

Zyklen der Euphorie und der Melancholie

Der WM-Final hat dem helvetischen Hockey die Erkenntnis beschert, wie gut die Schweiz sein kann. Unser Hockey wird nach der WM 2018 nie mehr sein wie vorher. Wir werden zwar international weiterhin Zyklen der Euphorie und der Melancholie durchleben. Aber der Final von 2018 hat den Zauberlehrling Fischer in den charismatischen Leitwolf einer neuen Generation verwandelt. Einer Generation, die nicht wieder fünf Jahre auf einen Final warten muss. Der WM-Final von 2018 wird Patrick Fischer mehr Glück bringen als Sean Simpson der Final von 2013.

WM in Dänemark

In Kopenhagen. Final: Schweden – Schweiz 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P. – Um Platz 3: USA - Kanada 4:1 (0:0, 1:1, 3:0). – Rangliste: 1. Schweden. 2. Schweiz. 3. USA. 4. Kanada. 5. Finnland. 6. Russland. 7. Tschechien. 8. Lettland. 9. Slowakei. 10. Dänemark. 11. Deutschland. 12. Frankreich. 13. Norwegen. 14. Österreich. 15. Weissrussland. 16. Südkorea.

Schweden – Schweiz 3:2 (1:1, 1:1, 0:0, 0:0) n.P.

12'490 Zuschauer. – SR Gofman/Gouin, Lasarew/Vanoosten. – Tore: 17. (16:38) Niederreiter (Josi, Fiala) 0:1. 18. (17:54) Nyquist (Ekholm) 1:1. 24. Meier (Corvi, Fiala/Ausschluss Nyquist) 1:2. 35. Zibanejad (Ekman-Larsson/Ausschluss Corvi) 2:2. – Penaltys: Andrighetto 0:1, Zibanejad -; Fiala -, Rakell -; Corvi -, Ekman-Larsson 1:1; Haas -, Forsberg 2:1; Niederreiter -. – Strafen: 2-mal 2 Minuten gegen Schweden, 5-mal 2 gegen die Schweiz.

Schweden: Nilsson; Adam Larsson, Ekman-Larsson; Klingberg, Lindholm; Wikstrand, Ekholm; Rakell, Zibanejad, Janmark; Hörnqvist, Backlund, Nyquist; Arvidsson, Kempe, Forsberg; De la Rose, Johan Larsson, Pääjärvi; Everberg, Andersson.

Schweiz: Genoni; Diaz, Josi; Untersander, Kukan; Fora, Müller; Frick; Rod, Schäppi, Scherwey; Niederreiter, Corvi, Fiala; Andri­ghetto, Vermin, Meier; Moser, Haas, Hofmann; Baltisberger.

USA – Kanada 4:1 (0:0, 1:1, 3:0)

12'111 Zuschauer. – Tore: 27. Kreider (Larkin, Debrincat/Ausschluss Edmundson) 1:0. 39. Vlasic (Horvat, Turris) 1:1. 54. Bonino (Kane/Ausschluss O’Reilly) 2:1. 58. Lee (McAvoy) 3:1 (ins leere Tor). 59. Kreider 4:1 (ins leere Tor).

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