Begegnung der besonderen Art
«Nur so bringt man eine Mannschaft zum Laufen» – was Chefs vom Herisauer NHL-Profi Timo Meier lernen können

Ist die Saison zu Ende, reist Timo Meier mit Kollegen des FC St.Gallen meist an einen warmen Ort, um sich zu entspannen. Sie sind dann ganz normale junge Männer, welche die Ferien geniessen. Doch an diesem Abend im Restaurant Kolosseum in St.Gallen wird klar, dass der 25-jährige Herisauer kein junger Mann ist wie viele andere.

Patricia Loher
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Stefan Hernandez (links) mit Timo Meier. St.Gallens früherer Präsident Hernandez sagt: «Wir kennen uns schon zwanzig Jahre.»

Stefan Hernandez (links) mit Timo Meier. St.Gallens früherer Präsident Hernandez sagt: «Wir kennen uns schon zwanzig Jahre.»

Patricia Loher

Auf Einladung der Firma «Grass & Partner AG» sind Führungspersönlichkeiten gekommen, um dem Eishockeyprofi der San José Sharks zuzuhören. Um von einem Spitzensportler zu lernen, was es braucht, um Höchstleistungen zu erbringen – auch in einem Unternehmen.

Gastgeber ist Stefan Hernandez, der Geschäftsführer der Firma, die sich unter anderem auf Karriereplanungen spezialisiert hat. Hernandez war in einer unruhigen Zeit Präsident des FC St.Gallen, er kennt sich aus im Spitzensport – und auch mit Krisen.

Meier hat sich durchgebissen

Aber das Gespräch zwischen Hernandez und Meier dreht sich nur selten um Krisen, der Eishockeyprofi hat in der NHL eine starke Saison hinter sich. Deshalb steht vielmehr das Erfolgsrezept des Appenzellers im Zentrum: Er hat sich bis auf die grosse Bühne durchgebissen.

Es geht um Mentalität sowie Fokus, es geht um Egoismus, Bodenständigkeit, um Teamarbeit und manchmal auch darum, wie man als grosser, starker Eishockeyspieler die kleinen Teamkollegen schützen muss.

Meiers Erzählungen stammen nicht aus einer anderen Welt, die Mechanismen im Leistungssport sind dieselben wie in Betrieben, wo Menschen zusammenkommen und zusammenarbeiten. «Nur wenn jeder in einem Team seine Rolle akzeptiert, kann eine gute Mannschaft entstehen.»

Unerlässlich sei auch, dass der Trainer gut kommuniziere. Meier, der seit Montag dem Vorstand seines Jugendklubs Herisau angehört, sagt:

«Nur so bringt man eine Mannschaft zum Laufen.»
Timo Meier nach dem WM-Out im Viertelfinal gegen die USA.

Timo Meier nach dem WM-Out im Viertelfinal gegen die USA.

Peter Schneider/Keystone

Der Appenzeller ist ein ehrlicher Gesprächspartner. Der Frage nach der unterschiedlichen Mentalität von Schweizern und Nordamerikanern weicht er nicht aus. Angesprochen auf das WM-Out im Viertelfinal gegen die USA nach einer vorzüglichen Vorrunde sagt der Profi: «Die Amerikaner und Kanadier sind ein bisschen weiter als wir.» Wenn es zähle, legten sie den Hebel um.

«Wir Schweizer hingegen sind dann etwas nervöser, zweifeln und denken zu viel nach.»

Er hingegen ist ein Mentalitätsspieler. Einer, der einen Plan hat und weiss, wie er sich jeden Tag weiter entwickeln kann. Der sich nicht ablenken lässt und gelernt hat, dass es nichts bringt, «nach einem Fehler sofort wieder der Beste sein zu wollen».

Meier verdient in der NHL sechs Millionen Dollar pro Jahr. Natürlich ist sein Gehalt auch an diesem Abend vor Führungskräften ein Thema. Der Herisauer sagt schmunzelnd:

«Das Leben in Kalifornien ist teuer.»