Unihockey

Nach Entscheidung in letzter Sekunde: «Sowas habe ich noch nie erlebt»

Die Limmattaler verlieren nach 5:2-Vorsprung in letzter Sekunde noch mit 5:6.

Michel Sutter (Text und Foto)
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Bis kurz vor Schluss hatten die Limmattaler das Spiel gegen Zürisee im Griff.

Bis kurz vor Schluss hatten die Limmattaler das Spiel gegen Zürisee im Griff.

Mcihel Sutter (msu)

Die Konsternation war gross bei den Limmattalern am Samstagabend in der Farlifanghalle in Zumikon. Eine Sekunde blieb noch zu spielen zwischen Zürisee Unihockey und Unihockey Limmattal, und das Heimteam hatte soeben das 6:5 erzielt. Der K.o.-Schlag für die Limmattaler erfolgte unmittelbar vor Schluss dieser Auftaktpartie in die neue 1.-Liga-Saison.

Kurz zuvor hätten die Limmattaler das Spiel zu ihren Gunsten entscheiden können, als Valentin Ladner das gegnerische Tor knapp verfehlte. Doch dass es zum Zeitpunkt von Ladners Möglichkeit überhaupt 5:5 stand, war für die Limmattaler schon ein Ärgernis. Zwei Minuten vor Ende des letzten Drittels hatten sie noch mit 5:2 geführt, die Partie schien gelaufen. Doch dann nutzten die Hausherren ihre Überzahl, zu der sie aufgrund einer Strafe gegen Limmattals Yannick Zwirner gekommen waren, und erzielten den 3:5-Anschlusstreffer.

Kein Grund zur Panik für die Gäste, sie lagen ja noch mit zwei Toren in Front. Hinzu kam, dass der Torschütze zum 3:5, André Hostettler, kurz darauf ebenfalls auf die Strafbank musste und die Limmattaler fast anderthalb Minuten mit einem Mann mehr agieren konnten. Alle Vorteile also bei den Limmattalern, so schien es. «Es gab keinen Grund, nervös zu werden», meinte Limmattals Trainer Michi Hunziker.

Doch Zürisee liess sich von der Strafe nicht beeindrucken – im Gegenteil. Während Hostettler auf der Bank sass, kam Thomas Hodgskin plötzlich zum Abschluss und traf zum 4:5. Auf einmal wurden die Gäste nochmals nervös: Kurz darauf gab es ein Anspiel in der Limmattaler Zone, die Verteidiger vertändelten den Ball und verloren ihn prompt an Zürisees Fabian Länzlinger, der sich nicht zweimal bitten liess – 5:5.

Vier Gegentore in zwei Minuten

«Ich habe mir überlegt, ein Timeout zu nehmen», sagte Hunziker später. «Dann hätten wir womöglich ihren Lauf gebrochen.» Doch die Partie lief weiter – und Zürisees Fabian Jucker erzielte den Siegtreffer, das vierte Tor für das Heimteam innerhalb von nicht mal zwei Minuten. Die 5:6-Niederlage war ein schlechter Lohn für die Limmattaler, die zuvor einen 0:2-Rückstand wettgemacht und mit drei Toren im Mitteldrittel den Grundstein für einen Auswärtserfolg gelegt hatten. «Schon der Zwei-Tore-Rückstand entsprach eigentlich nicht dem Spielverlauf», fand der sichtlich enttäuschte Limmattal-Torhüter Dominic Gabriel. «Doch nach dem Anschlusstor im ersten Drittel kamen wir nach der ersten Pause besser aus der Garderobe und haben sie dominiert.»

Trainer Hunziker meinte: «Es war eigentlich perfekt gelaufen.» Als seine Limmattaler zehn Minuten vor Schluss auch noch das 5:2 erzielten, hätten wohl nur noch ganz wenige auf ein Comeback von Zürisee gesetzt – bis zum fulminanten Finish der Hausherren mit ihren vier Toren.

«Ich spiele schon seit 16 Jahren Unihockey, aber so etwas habe ich noch nie erlebt», sagte Gabriel, der auf diese Saison von Dübendorf zu den Limmattalern gestossen ist und mit seinen Paraden einige Zürisee-Chancen vereitelte. «Wir waren uns vielleicht zu sicher, dass wir diese Partie gewinnen würden.» Vor allem, als Hostettler auf der Strafbank Platz genommen habe. «Da haben wir wohl gedacht, das Spiel würde relativ einfach für uns werden», mutmasste Gabriel. «Aber wir haben uns im Powerplay ungeschickt verhalten. Wobei man sagen muss: Zürisee zeigte auch einen grossen Willen.»

Niederlage abhaken

Auch Hunziker lobte die Moral des Gegners. «Zürisee hat das toll gemacht», meinte er anerkennend. «Chapeau dafür.» Er und seine Mannschaft müssen dagegen dieses Spiel erst mal verdauen. «Man nervt sich natürlich», gab Gabriel zu. «Aber nachher fährt man nach Hause und hakt das ab.» Vielleicht sehe man sich noch ein paar Szenen per Video an. «Aber dann geht es weiter. Es gibt ja bis auf die Schlussphase viel Positives, das wir aus diesem Spiel mitnehmen können.»

In die gleiche Kerbe schlug Hunziker, der nach eigenen Aussagen mit 58 Minuten des Spiels total zufrieden war. Er will die Auftaktniederlage nicht zu hoch gewichten. «Wir haben ja noch 21 Spiele vor uns», sagte er und fügte hinzu: «Mir ist es lieber, so etwas passiert jetzt zu Beginn der Saison als in einer Playoffserie.»