Oberengstringen

Ohne Tennis kann Sylvia Tanner nicht sein: «Wetter, das für die Badi schlecht ist, ist gut für uns»

Sylvia Tanner leitet seit 35 Jahren das Tennis- und Squashcenter «Träff» in Oberengstringen – ans Aufhören denkt sie nicht.

Sandro Zimmerli
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Sylvia Tanner hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Selbst wenn im Tennis- und Squashcenter «Träff» viel los ist, verspürt sie keinen Stress.

Sylvia Tanner hat ihr Hobby zum Beruf gemacht. Selbst wenn im Tennis- und Squashcenter «Träff» viel los ist, verspürt sie keinen Stress.

Sandro Zimmerli

Der erste Gast trifft kurz vor 9 Uhr ein und bestellt im Restaurant einen Kaffee. Zum Tennisspielen ist er nicht gekommen. Dennoch kennt ihn Sylvia Tanner vom Tennisplatz. Wie sie überhaupt fast jeden kennt, der in und um Zürich regelmässig zum Racket greift. Seit nunmehr 35 Jahren leitet sie das Tennis- und Squashcenter «Träff» in Oberengstringen. Überdies hat sie 20 Jahre lang an den Stadtzürcher Tennismeisterschaften mitgeholfen. Während 13 Jahren war sie zudem als Spielleiterin im Tennisclub Valsana in Zürich Affoltern tätig. Dort bekam sie auch das Angebot, das 1979 eröffnete Oberengstringer Tenniscenter zu leiten. «Der damalige Besitzer spielte mit meinem Mann Interclub. Eines Tages fragte er mich, ob ich mein Hobby zum Beruf machen wolle», sagt Tanner. Und so trat sie am 1. Mai 1982 ihre Stelle an der Neugutstrasse 3 an.

Bis heute hat sie diesen Schritt nicht bereut. Denn als Arbeit fasst sie ihren Job nicht auf. «Die Leute verbringen bei uns ihre Freizeit und sind deswegen meist gut gelaunt. Deshalb haben wir auch nie Stress, selbst wenn viel los ist», sagt Tanner. Wir, das sind Tanners Mitarbeiterinnen. Frauen, die in Teilzeitpensen im Restaurant, das öffentlich ist und für Anlässe gemietet werden kann, oder im Reservationswesen tätig sind. Manche von ihnen ist ebenfalls schon seit Jahren mit dabei. «Seit diesem Frühjahr haben wir erstmals einen Mann in unserem Team. Aber eigentlich sind wir ein Frauenbetrieb», so Tanner. Dies, aber auch die geringe Fluktuation innerhalb des Mitarbeiterstabes werde von den Kunden sehr geschätzt.

«Leute entscheiden spontaner»

Darauf alleine kann man sich aber nicht verlassen, wenn man ein Tenniscenter erfolgreich führen will, sagt Tanner. «Man muss auch Einsatz zeigen.» Denn auch sie spüre das grosse Angebot an Freizeitmöglichkeiten. «Viele Leute wollen sich heute nicht mehr festlegen. Das merken wir etwa bei der Vermietung von Fixplätzen», so Tanner. In der Primetime zwischen 17 und 21 Uhr seien zwar alle drei Plätze ausgebucht, aber unter Tags und an den Wochenenden sei das nicht mehr in dem Masse der Fall wie früher. «Die Leute entscheiden spontaner», sagt sie. Das merke man bisweilen auch bei manchen der Turniere, die im «Träff» durchgeführt werden. «Wer am Wochenende an einem Turnier mitmachen will, muss sich jeweils bis spätestens am Dienstag um 20 Uhr anmelden. Einigen ist aber bereits das noch zu früh», so Tanner.

Beklagen will sie sich dennoch nicht. Nicht darüber, dass die Lage in Oberengstringen weniger ideal ist, als etwa diejenige des Sportcenters «Vitis» in Schlieren, das sich direkt beim Bahnhof befindet. Und auch nicht darüber, dass an der Hauptstrasse weiterhin kein Wegweiser die Tennisspieler zum Center lockt, obwohl sie sich schon seit Jahren dafür bei der Gemeinde einsetze. «Wir haben hier ein gutes Fundament», sagt Tanner. Über all die Jahre sind aus den vielen Kontakten Bekanntschaften, gar Freundschaften entstanden. Diese will Tanner nicht missen. Ans Aufhören denkt sie noch lange nicht, obwohl sie das Rentenalter schon vor acht Jahren erreichte. «Ich kann nicht zu Hause sitzen und nichts tun. Ich muss unter die Leute», sagt sie. Zudem bereite ihr die Arbeit weiterhin viel Spass.

Das habe auch mit ihrem Chef, dem mittlerweile vierten in den letzten 35 Jahren, zu tun. «Er lässt mir viele Freiheiten», sagt Tanner. Gemeint ist Dr. Alfred Meili, der 1992 den Hallen TC Lengg gründete und heute noch präsidiert. Zu Hause ist der Verein in Zürich Riesbach. 2000 übernahm der Hallen TC Lengg das Management des «Träff». Seither arbeitet Tanner auch für den Verein, macht dort die Buchhaltung und kümmert sich um die Sponsoren. Das alles erledigt sie grösstenteils von Oberengstringen aus.

In erster Linie aber ist Tanners Liebe zum Tennissport ungebrochen. Ein Sport, den sie als die beste Lebenschule für Kinder bezeichnet. «Sie stehen alleine auf dem Platz und müssen sich behaupten», sagt Tanner. Deshalb könne sie einige Eltern nicht verstehen, die einen Überehrgeiz an den Tag legten und immer wieder auf den Platz rufen. «Ich habe auch schon Väter an die Limmat zum Spazieren geschickt», so Tanner. Die Freude an ihrer Aufgabe mag das nicht zu trüben. Und auch die dunklen Wolken nicht, die mittlerweile aufziehen. Im Gegenteil: «Wetter, das für die Badi schlecht ist, ist gut für uns.»