Literatur
Ein Zuger Autor holt die mordlustige Mafia mit mediterranem Flair ins Zentralschweizer Städtli

Der zweite Zuger Krimi des lokalen Autors Lorenz Müller mit dem Titel «Der Pate von Zug» wartet mit viel Lokalkolorit auf und kommt frisch, direkt, frech und sympathisch daher.

Cornelia Bisch
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«Mafiosi, Morde und Moneten» verspricht das Buchcover von Lorenz Müllers zweitem Kriminalroman mit dem Titel «Der Pate von Zug». Von all dem gibt es reichlich auf den 256 Seiten, die vom nüchternen Profil eines Raben eingerahmt sind. Der anmutige Vogel, dem eine schwarze Seele nachgesagt wird, führt denn auch metaphorisch durch die rasant erzählte Geschichte im Mafia-Milieu. Wer aber nun ein heroisches James-Bond-Spektakel erwartet, wird eines Besseren belehrt. Die Geschichte des Zuger Autors ist weit ausgeklügelter und vielschichtiger als ein simpler Klischee-Krimi. Es gibt weder den absolut Guten, noch den abgrundtief Bösen, sondern widersprüchliche, anrührend echte menschliche Charaktere mit Ecken und Kanten, umrahmt von südländischem Charme und bodenständigem Stadtzuger Lokalkolorit.

In den Gassen Zugs spielt sich der zweite Kriminalroman des Zuger Autors Lorenz Müller ab.

In den Gassen Zugs spielt sich der zweite Kriminalroman des Zuger Autors Lorenz Müller ab.

Bild: Matthias Jurt (Zug, 22. September 2021

Müller balanciert konsequent auf dem schmalen Grat des guten Geschmacks ohne je voyeuristisch oder übertrieben provokativ zu wirken. Je gewalttätiger die Handlung wird, desto schlichter und nüchterner wird seine Sprache. Seitenhiebe zu Lasten der Zuger oder Schweizer Gesellschaft erfolgen mit einem humorvollen Augenzwinkern. Ein wenig menschliches Hickhack trägt er auf dem Rücken der Zuger Polizei aus. «Aber das könnte in dieser Form in jeder x-beliebigen Arbeitsgemeinschaft stattfinden», präzisiert der Autor.

Waffendeals und Geldwäsche in Zug

Eigentlich wollte Daniel Garvey den Sommer geniessen. Doch ein brutaler Mord an einem hochrangigen Ex-Militär und das spurlose Verschwinden seiner Freundin Anna Berger zwingen ihn dazu, sich mit einem kompromisslosen Gegner anzulegen: dem Organisierten Verbrechen. Waffendeals, Geldwäsche und andere schmutzige Geschäfte – Garvey ist mittendrin. Also ob das nicht genug wäre, holt ihn auch noch ein Schatten aus seiner nordirischen Vergangenheit ein. 

Keine Fliessbandarbeit

Das Erstlingswerk des 44-jährigen Juristen und ehemaligen Staatsanwalts mit dem Titel «Endstation Gotthard» wurde 2019 im Emons-Verlag veröffentlicht. «Es wurden mehrere tausend Exemplare verkauft», berichtet Lorenz Müller. Obschon das eine bemerkenswerte Verkaufszahl ist, bleibt die Schreiberei für ihn ein Hobby. «Ich verdiene damit ein schönes Feriengeld, aber all die vielen Stunden Arbeit sind natürlich freiwillig.»

Wichtig war ihm, den zweiten Roman nicht nach dem Schema des ersten zu verfassen, also keine Fliessbandarbeit abzuliefern. «Es sind die gleichen zwei Hauptprotagonisten involviert, aber das erste Buch ist fürs Verständnis des zweiten nicht Voraussetzung.» Ausserdem bilde die Stadt Zug den zentralen Schauplatz, während die Geschehnisse im ersten Roman zwischen Zug und Tessin hin und her pendelten. «Ich bin Zuger, das ist meine Stadt, ich habe ein Gespür dafür. Es muss nicht immer Paris oder New York sein», betont er. Einzig die Vergangenheit des Helden Daniel Garvey bringt den Schauplatz Nordirland ins Spiel, eine Region, die Müller als einen seiner Sehnsuchtsorte bezeichnet.

Nach New York führten ihn aber seine Recherchen nach den Gepflogenheiten der Mafia-Clans. «Ich fand heraus, dass, als die Polizei die Abhörtechnik einzusetzen begann, die Mitglieder der Mafia unter anderem über Lebensmittel kommunizierten.» Dieses Element bindet er in die Geschichte ein, indem der Capo – der Mafia-Anführer – abends die Anzahl während des Tages um die Ecke gebrachter Leute als Scampi auf seinen Spaghetti serviert bekommt.

Auch die gedeckte Treppe zum Kapuzinerkloster ist Teil des Schauplatzes von Lorenz Müllers zweitem Roman «Der Pate von Zug».

Auch die gedeckte Treppe zum Kapuzinerkloster ist Teil des Schauplatzes von Lorenz Müllers zweitem Roman «Der Pate von Zug».

Bild: Matthias Jurt (Zug, 22. September 2021)

Hommage an zwei Klassiker

Bei der Auswahl des Themas liess sich Lorenz Müller von einem Zeitungsbericht über die Aufdeckung einer Thurgauer Mafia-Zelle inspirieren. «Die Geschichte ist aber reine Fiktion und hat mit diesen Vorfällen nichts zu tun.» Seiner Vorliebe für den Roman «Der Pate» und Alfred Hitchcocks Streifen «Das Fenster zum Hof» widmet Müller mit dem Epilog einer Gerichtsszene und der Figur eines aus dem Fenster spähenden Rollstuhlfahrers eine kleine Hommage. «Aber natürlich will ich mich nicht mit diesen Werken messen», beeilt er sich klarzustellen. Die Figur des Mannes am Fernrohr führt gleichzeitig das Zufällige an den Geschehnissen ein, welches die gesamte Geschichte – auch das Schicksal der beiden Helden – prägt.

Das Zweitwerk des Autors Lorenz Müller steht dem ersten in nichts nach. Es ist im guten Sinne typisch schweizerisch, weil akribisch recherchiert, lückenlos konstruiert, charmant, direkt und humorvoll erzählt. Ein Lesevergnügen der Extraklasse, das sich kein Zuger und kein Fan gepflegter Krimis entgehen lassen sollte.

«Der Pate von Zug» von Lorenz Müller, Emos Verlag Köln, ISBN 978-3-7408-1332-1, ist im Buchhandel erhältlich.