Löws Lobeshymne, Akanjis Ansage: Das Wichtigste vor dem Spiel zwischen der Schweiz und Deutschland

Am Sonntagabend empfängt die Schweizer Nationalmannschaft den grossen Nachbarn Deutschland in der Nations League. Vor dem Anpfiff um 20.45 Uhr in Basel verteilten die Coaches die Favoritenrolle - und Lorbeer-Kränze.

Céline Feller
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Bundestrainer Joachim Löw am Samstag bei der Ankunft in Basel.

Bundestrainer Joachim Löw am Samstag bei der Ankunft in Basel.

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Als dann auch noch der letzte deutsche Medienvertreter seine Frage zu Kai Havertz, dessen Abreise aus dem Deutschen Nationalteam und seinem Transfer zu Chelsea hatte stellen können, waren die Schweizer Medien dran.

Im Vorfeld des grossen Spiels der Schweizer Nationalmannschaft gegen Deutschland heute Abend um 20.45 Uhr wollten die Schweizer Journalisten wissen, wie Weltmeister-Trainer Joachim Löw den Gegner einschätzt. Gerade nach der unglücklichen und unnötigen Niederlage der Nati gegen die Ukraine vom Donnerstag.

«Wir haben die Schweiz natürlich nicht nur in diesem Spiel angeschaut, sondern sie auch im Vorfeld mehrfach gesehen», wechselte Löw gleich den Blick auf das grössere Bild: «Grundsätzlich ist die Entwicklung der Schweiz seit der WM 2014 sehr, sehr gut. Es ist keine Nation mehr, welche als Underdog gilt, sondern eine, die im Konzert der Grossen mitspielt.» Hohe Anerkennung von hoher Stelle.

Der Vergleich mit Spanien

Für Löw, der unweit der Schweizer Grenze in Schönau im Schwarzwald geboren wurde und seit je her ein enger Verfolger des Schweizer Fussballs ist, ist diese Steigerung aber lediglich die logische Konsequenz guter Arbeit in seinem Nachbarland. «Die Fussballschule in der Schweiz hat sich entwickelt. Die individuelle Ausbildung geniesst Priorität und auch im taktischen Bereich ist die Schweiz fortschrittlich.»

Dies habe schon früh Auswirkungen auf die Trainerausbildung gehabt, lobt Löw, der in seinen Anfangszeiten in der Schweiz coachte. «Aber man sieht es auch an den Spielern, welche mittlerweile überall in der Bundesliga oder der Premier League spielen, dort überdurchschnittlich gut, Stammspieler und wichtige Leistungsträger sind.»

Aber auch im Kollektiv der Landesauswahl des heutigen Gegners erkennt der Bundestrainer positive Veränderungen: «Die taktische Flexibilität der Schweiz ist gewachsen. Kamen sie früher meist über ein 4-4-2, sind sie mittlerweile nicht mehr darauf fixiert und in unterschiedlichen Systemen daheim.» Das Spiel nach vorne sei ausserdem mutig und gut durchdacht. Und als wäre dies der Lorbeeren noch nicht genug, zieht der 60-Jährige noch einen Vergleich, welcher den Schweizer Fussball adelt: «Als wir in den letzten Wochen unsere beiden Gegner (von diesem Länderspiel-Block, Anm.d.Red.) analysiert haben, musste ich echte Parallelen zwischen Spanien und der Schweiz feststellen.»

Gegen die Spanier kam Deutschland nur zu einem 1:1-Remis, kassierte den Ausgleich erst in der 96. Minute und nach einem taktischen Missverständnis von Debütant Robin Gosens.

Wechsel auf den Seiten

All der Würdigungen seines Pendants zum Trotz, wählte Nati-Coach Vladimir Petkovic Worte des Understatements: «Deutschland ist der Favorit. Nicht nur gegen uns, sondern gegen fast jeden Gegner», sagte er am Samstag.

Der Fokus liegt für den Nationaltrainer getreu seinem Motto aber nicht auf den Stärken des Gegners - auch wenn dieser Deutschland heisst - sondern auf jenen seines Teams. Entsprechend wolle man auch am Sonntag «den eigenen Stil» durchbringen, wie Petkovic betonte. Heisst: hohes, wenn auch risikohaftes Pressing mit einer Dreierkette in der Vorwärtsbewegung.

Im Vergleich zum 1:2 gegen die Ukraine plant Petkovic «den einen oder anderen Wechsel». So dürften am Sonntagabend im Basler St. Jakob-Park anstelle von Kevin Mbabu und Steven Zuber die Aussenbahnen von Silvan Widmer und Loris Benito bekleidet werden. Der am Donnerstag nach der Pause eingewechselte Renato Steffen ist ein Kandidat für einen Startelf-Einsatz.

Die ganz grossen Umstellungen kann der Nationaltrainer ob der dünnen Personaldecke (Shaqiri, Mehmedi, Schär, Zakaria oder Itten fehlen verletzungsbedingt) aber nicht vornehmen. Aber auch ohne diese potenziellen Stammspieler will Manuel Akanji sein Team nicht kleinreden. Am Samstag meinte er, dass es für die Schweiz «keinen Grund für einen Minderwertigkeitskomplex gibt. Wir haben selber sehr gute Spieler im Team.»

Mögliche Aufstellungen:

Schweiz:
Sommer/Borussia Mönchengladbach (31 Jahre/55 Länderspiele) - Akanji/Borussia Dortmund (25/24), Elvedi/Borussia Mönchengladbach (23/19), Rodriguez/FC Turin (28/73) - Widmer/FC Basel (27/10), Xhaka/FC Arsenal (27/84), Aebischer/BSC Young Boys (23/3), Benito/Girondins Bordeaux (28/6) - Embolo/Borussia Mönchengladbach (23/38), Seferovic/Benfica Lissabon (28/66), Steffen/VfL Wolfsburg (28/12). - Trainer: Petkovic

Deutschland:
Leno/FC Arsenal (6/0) - Kehrer/Paris St. Germain (23/8), Süle/Bayern München (25/25), Ginter/Borussia Mönchengladbach (26/30), Gosens/Atalanta Bergamo (26/1) - Kroos/Real Madrid (30/97), Gündogan/Manchester City (29/38) - Brandt/Borussia Dortmund (24/31) - Draxler/Paris St. Germain (26/52), Werner/FC Chelsea (24/30), Sane/Bayern München (24/22). - Trainer: Löw