Lucas, der FCL-Captain aus den Favelas

Lucas Alves bleibt nach dem 3:2-Startsieg in Zürich fokussiert. Der Brasilianer lebt vom und für den Fussball.

Daniel Wyrsch
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«Ich bin nicht hier, um Ferien zu machen»: Lucas Alves (links) jubelt am Samstagabend im Zürcher Letzigrund.

«Ich bin nicht hier, um Ferien zu machen»: Lucas Alves (links) jubelt am Samstagabend im Zürcher Letzigrund.

Bild: Martin Meienberger/Freshfocus

Lucas Alves steht exemplarisch für den frisch belebten FC Luzern, dessen Mannschaft am Samstag beim 3:2-Auswärtssieg gegen den FC Zürich Willensstärke und Teamgeist bewies. Doch der 27-jährige Brasilianer blieb nach dem Vollerfolg im ersten Spiel der Rückrunde mit beiden Beinen auf dem Boden. Zufrieden war der 1,93 Meter grosse Innenverteidiger, aber aussergewöhnliche Freude über die drei gewonnenen Punkte gegen den Tabellenvierten hatte Lucas nicht. Dafür beanspruchte er mit seiner Mannschaft wohl zu oft die Hilfe von «Sankt Marius», dem Torhüter mit Nachnamen Müller, und am Ende gar das Glück des Tüchtigen.

Lucas zählte ruhig und mit klarer Stimme die Gründe für den gelungenen Start ins Jahr 2020 auf: «Wir absolvierten eine gute Vorbereitung, haben einen neuen Trainer mit neuen Ideen. Die Stimmung im Team ist gut.» Aber er stellte auch ganz realistisch fest: «Wir müssen alles geben, es gibt keine andere Wahl.» In die unbequeme Lage hatten sie sich im Herbst manövriert, zehn Niederlagen in 18 Spielen, sechs allein in den letzten sieben Partien der Hinrunde. Da gibt es vor dem Heimspiel am nächsten Samstag (19 Uhr) gegen Leader YB keinen Grund, nach zwei knappen Siegen gegen Basel (2:1) direkt vor der Winterpause und nun in Zürich in eine Euphorie zu verfallen.

Celestini ist begeistert von Lucas und machte ihn zum Vize-Captain

Sogar Lucas, der sich letzte Saison verletzungsfrei zu den FCL-Leistungsträgern aufschwang, verlor im Herbst zwischenzeitlich seine Formstärke. «Alle gingen durch ein Tief, nur unser Goalie war immer gut», sagte er und schaute zu Müller hinüber, der im Kabinengang des Letzigrunds ebenfalls Interviews gab. Allerdings hat Lucas ein Verb aus seinem Wortschatz gestrichen: Aufgeben, das gibt es bei ihm nicht. «Ob es läuft oder nicht, ich gebe immer alles.» Keine leeren Worte, Fabio Celestini hat den aussergewöhnlichen Arbeitsethos und Esprit schon nach wenigen Tagen in Luzern gesehen. «Lucas ist ein fantastischer Spieler», stellte der weit herumgekommene Ex-Profi und Trainer vor den Journalisten fest. Celestini beförderte den Brasilianer zum Vize-Captain hinter dem neuen Captain, dem 35-jährigen Christian Schwegler.

Lucas hörte die lobenden Worte des Coaches gerne, gab zur eigenen Mentalität eine einfache Erklärung: 

«Ich komme aus der Favela, lebe vom Fussball und habe immer Hunger.»

Der Profi, der den FCL in Zürich als Captain auf den Rasen führte, stammt aus einem Armenviertel in der Zwölf-Millionen-­Einwohner-Metropole São Paulo.

Leidenschaftlicher Profi würde verbesserten Vertrag verdienen

Captain zu sein, sei für ihn eine Ehre. «Aber es spielt keine Rolle, ob ich die Captainbinde trage oder nicht. Ein Vorbild will ich sowieso immer sein.» Über den noch immer nicht fitten Christian Schwegler sagte er: «Mein Vorbild ist Schwegler, er ist der erste Captain, er leistet uns grosse Unterstützung. Ich hoffe, er kann bald wieder spielen.»

Die Rushes von Lucas übers halbe Feld wie gegen den FCZ vor dem 3:1 lieben die FCL-Fans. «Ich mag es, Raum zu haben. Dann bin ich nicht zu halten.» Ende Saison läuft sein Vertrag aus, die Verhandlungen laufen längst. «Luzern ist mein Verein, aber ich bin nicht hier, um Ferien zu machen», so Lucas. Einen gut dotierten neuen Vertrag hätte er sich gewiss verdient.

Zürich – Luzern 2:3 (1:3)

8623 Zuschauer. – SR Schnyder.

Tore: 5. Schönbächler (Mirlind Kryeziu) 1:0. 13. Voca 1:1. 24. Matos (Margiotta) 1:2. 27. Margiotta (Males) 1:3. 78. Kramer (Kololli) 2:3.

Zürich: Brecher; Rüegg, Nathan, Mirlind Kryeziu, Kempter (83. Winter); Janjicic (46. Mahi), Domgjoni; Tosin, Marchesano (57. Kololli), Schönbächler; Kramer.

Luzern: Müller; Sidler, Lucas, Knezevic, Balaruban (52. Grether); Matos (70. Mistrafovic), Voca, Ndenge, Ndiaye; Males (66. Schürpf), Margiotta.

Bemerkungen: Zürich ohne Sohm (gesperrt), Pa Modou, Charabadse (beide verletzt) und Omeragic (krank). Marchesano verletzt ausgeschieden. Luzern ohne Kakabadse, Schulz und Binous (alle verletzt) und Schwegler (krank sowie verletzt). Super-League-Debüt des 18-jährigen Ashvin Balaruban. Verwarnungen: 7. Domgjoni (Foul), 20. Ndiaye (Foul), 29. Mirlind Kryeziu (Foul). 34. Balaruban (Foul), 45. Kramer (Foul), 46. Nathan (Foul), 74. Rüegg (Foul), 80. Sidler (Foul).