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Spiel gegen Island macht Lust auf mehr

Die Schweiz darf sich auf dem 6:0 gegen Island nicht ausruhen. Die Stimmungslage ist selbstredend gut, der Burgfrieden vorerst wiederhergestellt. Doch es warten weitere Fallstricke auf Mannschaft und Trainer, der den sanften Umbruch moderieren muss.
Christian Brägger, Leicester
Er hat geliefert, weil er es kann: Xherdan Shaqiri sorgte für Schweizer Offensivspektakel. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri (St. Gallen, 9. September 2018))

Er hat geliefert, weil er es kann: Xherdan Shaqiri sorgte für Schweizer Offensivspektakel. (Bild: KEYSTONE/Walter Bieri (St. Gallen, 9. September 2018))

«Island akut überfordert. Schweiz schenkt sechs ein.» Die Online-Ausgabe des «Kicker» fand bedeutungsvolle Worte, verwendete eine bildhafte Sprache nach dem Auftakt der Schweizer in der Nations League. In Tat und Wahrheit war am Samstagabend das 6:0 in St. Gallen kein Einschenken der Schweiz. Sondern vor allem dies: ein Geschenk an den Anhang. Und an sich selbst.

«Das ist nun einmal passiert, aber man muss das mehrmals bestätigen, um sagen zu können, es sei ein Neuanfang», sagte Vladimir Petkovic. Von einem Neuanfang wollte der Trainer noch nicht sprechen, was auch verfrüht wäre. Petkovic weiss sehr wohl, dass in den nächsten Tagen und Wochen neue Fallstricke warten, dass dieses erfolgreiche Weibeln um die Gunst der Anhänger und Öffentlichkeit sehr schnell die Gegenrichtung annehmen kann. Und so hängt fortan alles davon ab, was die Schweizer aus den Unruhen und Debatten mitnehmen, die auf ihren Köpfen ausgetragen wurden. Was sie daraus gelernt haben, vor allem hinsichtlich verbaler und nonverbaler Kommunikation. Mit ihrer Leistung bewiesen sie, keinen Schaden ­genommen zu haben. Und dass Gefüge und Moral weiter intakt sind.

Derzeit befinden sich die Schweizer auf einer Art Versöhnungstour und wählten die beste aller Varianten, um wieder den Fussball das dominierende Thema werden zu lassen. Sechs verschiedene Torschützen, ein jeder Treffer mit seiner eigenen Geschichte. Über Steven Zuber zum Beispiel, der nicht nur wegen seines Traumtors in der 13. Minute Fahrt im Nationalteam aufnimmt und Admir Mehmedi auf der linken Seite hintenanstehen lässt. Über Denis Zakaria, der das 2:0 erzielte und spielerisch im Zentrum ungleich stärker als der zurückgetretene Valon Behrami ist. In der 83. Minute war dies augenscheinlich, als er nach einem Sprint über den Platz Albian Ajeti die Torvorlage gab. Es war wie Fabian Schärs Absatzpass, der zum 5:0 durch Haris ­Seferovic führte, eine von zig Szenen der Schweizer, die für die wiedererlangte Lust am Fussball stand. Und nicht zuletzt für die neue Ausrichtung in der Offen­sive, in der man nun variabler, vertikaler und mit mehr Wucht agieren will.

Petkovic wird weiterhin sein Team auf Ballbesitz trimmen und die DNA nicht verändern, selbst morgen im Test in Leicester gegen England nicht. Denn auch der Tessiner hat festgestellt, dass das Spiel seiner Mannschaft zu berechenbar geworden war. Dass der Code, die Schweiz in Verlegenheit zu bringen, schnell gefunden werden kann. Mit Xherdan Shaqiri hinter der Sturmspitze dürfte dies für den Gegner indes schwieriger werden. Shaqiri sagte: «Ich glaube, auf dieser Position kann ich wichtig für die Mannschaft werden und ihr noch mehr helfen.» Das ist eine leichte Untertreibung, besonders dann, wenn sich der 26-Jährige die Spielfreude des Island-Auftritts bewahrt. Petkovic sagte: «Shaqiri hat extrem gut gespielt, nach vorne, nach hinten, zur Seite.»

In Zukunft wird es positive Reibungen geben

Torschütze Ajeti, der als 15-Jähriger einst ein Angebot des FC Barcelona vor allem wegen des Zwillingsbruders ausschlug, fand nach seinem Debut und ersten Treffer im Nationaldress den Schlaf erst spät. Die Erlebnisse hatten ihn aufgewühlt, und so beantwortete er bis in die frühen Morgenstunden die zahlreichen Glückwunsch-SMS. Der Stürmer des FC Basel steht stellvertretend für die guten personellen Aussichten des Schweizer Teams. Sprach man im Vorfeld noch ­davon, die Mannschaft stelle sich von ­alleine auf, Petkovic nominiere eher konservativ und umgehe mögliche Reibungen, werden in Zukunft Spieler wie Ajeti und allen voran Kevin Mbabu für ebendiese sorgen. Für die Mannschaft können sie nur positiv sein – die Auffrischung tut gut. Umso besser, wenn man wie jetzt wieder im Rückenwind steht.

Das 6:0 macht jedenfalls Lust auf mehr, weil die Perspektiven mit dem sanften Umbruch, den Petkovic eingeleitet hat, auf Wohlwollen stossen. Bis auf Behrami scheinen dies auch alle verstanden zu haben. Wenn die Schweizer auf dem Platz mit Leistung von sich ­reden machen, braucht den Coach alles andere wie Umstrukturierungen im Verband, die da noch kommen müssen und werden, nicht zu interessieren. Weil dann nicht Fragen auftauchen, ob Granit Xhaka genügend Stolz besitzt, im Schweizer Nationaldress aufzulaufen. Oder ob er der richtige Captain ist, falls Stephan Lichtsteiner irgendwann nicht mehr dabei sein sollte; die Antworten waren gegen Island zu offensichtlich. Auch deswegen ist (vorsichtiger) Optimismus angebracht.

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