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Lüthis Blindflug geht weiter

Schon wieder ein Nuller – nun ist der Schweizer Tom Lüthi Sturzkönig der Königsklasse. Wenigstens kann sich Landsmann Dominique Aegerter über ein gelungenes Comeback freuen.
Klaus Zaugg, Mugello
Der 31-jährige Emmentaler Tom Lüthi schied in Italien bereits nach wenigen Runden aus. (Bild: Gareth Harford/Feshfocusext (Mugello, 3. Juni 2018))

Der 31-jährige Emmentaler Tom Lüthi schied in Italien bereits nach wenigen Runden aus. (Bild: Gareth Harford/Feshfocusext (Mugello, 3. Juni 2018))

Sein Ziel sind die ersten fünf Ränge. Dort gehört Dominique Aegerter (27) in der Moto2-WM auch hin. Aber jetzt ist er mit einer bescheideneren Klassierung zufrieden. Fünf Wochen nach einem operierten Beckenbruch braust er beim GP von Italien als 12. über die Ziellinie. 40 Minuten später sitzt er erschöpft im Teamlaster und versucht, seine Empfindungen in Worte zu fassen. «Ich bin froh, dass ich ein paar Punkte geholt habe.» Es sei ein schwieriges Wochenende gewesen. Er hätte die Trainings und das Rennen ohne schmerzstillende Mittel nicht ausgehalten.

Er hat vier Tabletten und zwei Pülverli – unter ärztlicher Aufsicht natürlich – vor dem Rennen eingeworfen und durchgehalten. «Ich stehe jetzt mit der ganzen Abstimmung der Maschine wieder ungefähr dort, wo ich am Anfang der Saison war. Und ich muss mich nach fünf Wochen Pause wieder an die Intensität eines Rennens gewöhnen. Deshalb bin ich froh, dass wir hier nun noch einen Tag testen können.» Aegerter ist zwar noch nicht topfit. Aber es geht wieder aufwärts.

Bei Tom Lüthi (31) verschärft sich hingegen die Krise weiter. Die Wirklichkeit übertrifft inzwischen jede Fiktion. Das Rennen der Königsklasse beim GP von Italien ist in vollem Gange. Begeisternder Rennsport. Valentino Rossi ringt um einen Platz auf dem Podest. Aber wo ist Lüthi? Er sitzt bereits frisch geduscht in seinem BMW. Er hat sich schon auf den Heimweg gemacht und versucht, vor dem Ende des Rennens aus dem Fahrerlager zu gelangen und dem Verkehrschaos zu entkommen. Wer böse ist, mag sagen: Er schafft auch das nicht. Selbst auf der Landstrasse sind andere schneller.

Ein Opfer der Umstände

Item, er bleibt auf dem Weg von der Rennstrecke durch die toskanischen Hügel zur Autobahn im Stau stecken. Der Emmentaler, der diese Saison die Königsklasse erobern wollte, befindet sich auf der Heimfahrt, bevor das Rennen zu Ende ist. Was ist passiert? Vor der Abreise sagt er einen Satz, der aufhorchen lässt: «Unter solchen Umständen kann man nicht arbeiten.» Aber er kann diese Umstände nicht beeinflussen. Einer der grössten Schweizer Motorradrennfahrer aller Zeiten ist ein Opfer der Umstände. Der Weltmeister von 2005 schildert kurz und präzis sein Malheur im Rennen. Er sei recht gut beim Start weggekommen. Aber dann sei Xavier Simeon in der dritten Runde vor ihm ins Rutschen geraten. Er sei mit ihm zusammengestossen und gestürzt. «Dabei habe ich den Kopf heftig aufgeschlagen. Aber jetzt bin ich wieder okay. Es war Pech, ich fuhr zur falschen Zeit am falschen Ort.»

Nach wie vor hat Lüthi keine WM-Punkte herausgefahren. Aber er führt eine beunruhigende Statistik an. Gleichauf mit Weltmeister Marc Marquez. Die Sturzstatistik. Lüthi ist nun achtmal gestürzt. Gleich oft wie der Titelverteidiger, der aber auch drei Rennen gewonnen hat.

Lüthi ist von seinem Stil her alles andere als ein Bruchpilot. Er pflegt bei weitem nicht den aggressiven Fahrstil eines Marquez. Er ist ein kluger, eleganter Stilist. Zur Erklärung hilft ein Vergleich mit dem Skisport: Lüthi ist mehr ein Riesenslalomfahrer, seine Konkurrenten sind eher Abfahrer. Stürze in der Königsklasse, mit Spitzengeschwindigkeiten über 300 km/h, sind gefährlich. Lüthi riskiert nicht nur seine Karriere. Er riskiert unter diesen Umständen seine Gesundheit.

Oder wird das Chaos im Marc-VDS-Team bald gelöst? Nein, so sieht es nicht aus. Es ist inzwischen noch schlimmer geworden. Am Freitag hat Teambesitzer Graf Marc van der Straten versichert, er habe nun sein Team unter Kontrolle. Sein ungetreuer Teammanager Michael Bartholemy sei nach der Entlassung (wegen finanzieller Ungereimtheiten) ganz aus dem Geschäft und werde gerichtlich belangt. Nun kehre Ruhe ein. Es war bloss die Ruhe vor dem nächsten Sturm. Am Samstag machte Bartholemy die Runde bei den Mechanikern und sonstigen Teammitgliedern und versicherte ihnen, er sei nach wie vor handlungsbevollmächtigt. Und unschuldig. Van der Straten setzt offenbar alles daran, juristisch Teamchef zu bleiben, das Team zusammenzuhalten und für nächste Saison einem Investor zu verkaufen. Es stellt sich die Frage: Ist der Graf, der das Team finanziert, juristisch gut beraten? Oder hat der Belgier nicht darauf geachtet, welche Verträge er unterschrieben, wem er welche Vollmachten gegeben hat?

Lüthis Blindflug geht weiter. In dieser «Lindenstrasse des Rennsports» kommt es in zwei Wochen beim GP von Katalonien in Barcelona zur nächsten Folge.

GP von Italien Mugello. MotoGP (23 Runden à 5,245 km/ 120,635 km): 1. Lorenzo (ESP), Ducati, 41:43,230 (173,4 km/h). 2. Dovizioso (ITA), Ducati, 6,370 Sekunden zurück. 3. Rossi (ITA), Yamaha, 6,629. – Ferner: 16. Marc Marquez (ESP), Honda, 39,311. – Ausgeschieden unter anderen: Lüthi (SUI), Honda (3./Sturz). WM-Stand (6/19): 1. Marquez 95. 2. Rossi 72. 3. Maverick Viñales (ESP), Yamaha, 67. 4. Dovizioso 66. Ferner: 10. Lorenzo 41.
Moto2 (21 Runden/110,145 km): 1. Oliveira (POR), KTM, 39:42,018 (166,4 km/h). 2. Baldassarri (ITA), Kalex, 0,184. 3. Mir (ESP), Kalex, 0,334. 4. Bagnaia (ITA), Kalex, 0,334. – Ferner: 12. Aegerter (SUI), KTM, 20,353. WM-Stand (6/19): 1. Bagnaia 111. 2. Oliveira 98. 3. Baldassarri 84. – Ferner: 11. Aegerter 20.
Moto3 (20 Runden/ 104,900 km): 1. Martin (ESP), Honda, 39:20,810 (159,9 km/h). 2. Bezzecchi (ITA), KTM, 0,019. 3. Di Giannantonio (ITA), Honda, 0,043. WM-Stand (6/19): 1. Bezzecchi 83. 2. Martin 80. 3. Di Giannantonio 75.
Nächstes WM-Rennen: Grand Prix von Katalonien in Montmeló am 17. Juni.

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