LUZERN: Alle gegen Patrick Ereng

Patrick Mugur Ereng (38) hat eine einmalige Erfolgsserie vorzuweisen. Der Kenianer gewann dreimal in Serie das Eliterennen am Luzerner Stadtlauf. Abraham Kipyatich (Ken) und der Neo-Schweizer Tadesse Abraham wollen heuer Erengs Siegeslauf stoppen.

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Wollen den Sieg in Luzern: Titelverteidiger Patrick Mugur Ereng (Nummer 1) und Tadesse Abraham (Mitte), hier angeführt von Bernhard Matheka. (Bild: Philip Schmidli / Neue LZ)

Wollen den Sieg in Luzern: Titelverteidiger Patrick Mugur Ereng (Nummer 1) und Tadesse Abraham (Mitte), hier angeführt von Bernhard Matheka. (Bild: Philip Schmidli / Neue LZ)

Jörg Greb

Schweizer, die an den Strassenläufen Renngeschichte schreiben oder zumindest um den Sieg mitlaufen können, sind selten geworden. Der Luzerner Stadtlauf ist bestes Beispiel. Man muss bis 27 Jahre zurückblättern, um einen Elitesieger aus der Schweiz auszumachen. 1988 holte sich Pierre Déleze nach 1983 und 1986 den dritten Sieg in Luzern. Auch Viktor Röthlin, Marathon-Europameister 2010 und WM-Dritter 2007, ­schaffte es nie 2006 reichte es immerhin zu einem Podestplatz (3.).

Zu stark, zu hochkarätig ist das geladene Starterfeld, primär die Ostafrikaner aus Kenia sind eine Macht. In diesem Jahr könnte sich allerdings wieder einmal ein Schweizer ins goldene Buch der Elitesieger eintragen lassen. ­Tadesse Abraham heisst der Hoffnungs­träger. Im vergangenen Juni hat der gebürtige Eritreer er lebt seit 2004 in der Schweiz – den roten Pass erhalten. An der Europameisterschaft im Sommer 2014 in Zürich gelang es dem 32-Jährigen nicht, dem hohen Schweizer Erwartungsdruck standzuhalten. Sein neunter Schlussrang war eine Enttäuschung für den Goldkandidaten.

Abrahams Zuversicht

Dass er den afrikanischen Strassenlaufspezialisten Paroli bieten kann, beweist der Tagessieg am Basler Stadtlauf kurz vor Weihnachten 2014. Und am 25. April in Luzern? In den engen Altstadtgassen, begleitet von der einzigartigen Ambiance, vermochte sich der Genfer im Dress des LC Uster zuletzt vorzüglich in Szene zu setzen: Platz zwei 2013, zweimal Rang drei 2014 und 2012. Entsprechend zuversichtlich gibt sich Abraham vor der Ausgabe 2015: «Ich ­möchte um den Sieg mitlaufen und somit dafür sorgen, dass ich auch in Luzern Aufnahme im goldenen Buch finde.» Dieses Vorhaben soll nicht nur Wunschdenken sein. Abraham wird besser vorbereitet als in der Vergangenheit in Luzern an den Start gehen. Mitte März erfüllte er in Seoul die WM-Limite im Marathon. Die Regenerationszeit seither ist genügend gross, um in Luzern seine beste Leistung abrufen zu können.

Erengs Anspruch

An potenziellen Widersachern, die aus Luzern mit einem Sieg im Gepäck wieder abreisen möchten, fehlt es nicht. Allen voran Patrick Mugur Ereng. Der Kenianer gewann die drei letzten Austragungen und realisierte damit in Luzern eine Serie, die zuvor noch keinem Läufer geglückt war. Der Ausnahmekönner hat seine Ambitionen kundgetan, diese Serie weiterzuführen. Heiss auf den Sieg ist auch Abraham Kipyatich. Der Teamkollege von Ereng setzte bereits letzten Herbst mit dem Sieg am Murtenlauf ein Ausrufezeichen. Zudem untermauert der Kenianer mit der Zeit von 1:00:03 Stunden im Halbmarathon von Berlin seine Klasse. Zum Vergleich: Tadesse Abraham erreichte bei seinem Rekordlauf ­Mitte Februar nach 1:00:42 Stunden das Ziel. Und die übrigen Schweizer? Sie werden keine Renngeschichte schreiben. Die Ostschweizer Fabian Downs und Eric Rüttimann verfügen nicht über das Format, um vorne mitzulaufen.

Reelle Siegchancen werden auch Simon Tesfay zugesprochen. Der Eritreer kam 2004 zusammen mit Tadesse Abraham in die Schweiz. Er verfügt aber (noch) nicht über den roten Pass mit dem weissen Kreuz. Jüngst aber sorgte er mit einem feinen 10. Rang am Berlin-Halbmarathon (1:01:43) für Aufmerksamkeit. Nur Abraham und der frühere Rekordhalter Stéphane Schweickhardt haben die 21,098km schon schneller zurückgelegt.

Männer, Elite: 10 Runden/8,710 km

1 Patrick Mugur Ereng (Kenia)
2 Abraham Kipyatich (Kenia)
3 Bernard Matheka (Kenia/Sz)
4 Jan Kreissinger (Tschechien)
5 Christoph Sander (Österreich)
6 Jean-Pierre Weerts (Belgien)
7 Tadesse Abraham (Schweiz)
8 Kennedy Kaptila (Kenia)
9 Frederick Ngeny (Kenia)
10 Simon Stützel (Deutschland)
11 Ivan Strebko (Ukraine)
12 Fabian Downs (Schweiz)
13 Eric Rüttimann (Schweiz)
14 Simon Tesfay (Eritrea/Sz)

Stand: 16. April 2015

Streckenrekord

1993: Tendai Chimusasa aus Simbabwe in 24:06 Minuten

Rangliste 2014

1. Patrick Mugur Ereng 25:01,6
2. Bernard Matheka 25:05,3
3. Tadesse Abraham 25:11,9