LUZERN: Der Sieg führt über Kosgei

Das Triple, welches Teamkollege Patrick Mugur Ereng im letzten Jahr in Luzern realisierte, strebt auch Cynthia Kosgei an und das mit erst 21 Jahren.

Jörg Greb
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Die Kleinste ganz gross: Cynthia Kosgei. (Bild: Philipp Schmidli  / Neue LZ)

Die Kleinste ganz gross: Cynthia Kosgei. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Jörg Greb

Sie ist 1,54 Meter gross. Und 44 kg schwer. Klein und unscheinbar könnte man meinen. Doch dieser Eindruck täuscht, und den gilt es rasch zu vergessen. Vor allem wenn Cynthia Kosgei Rennen bestreitet. Denn sie ist schnell, ausdauernd und äussert vielseitig. Trotz des jugendlichen Alters von erst 21 Jahren verfügt Kosgei über ­einen eindrücklichen Palmares an Strassenläufen. Berlin, Metz, Hamburg, Darmstadt, Bern, Zürich, ­Basel und Luzern quer durch Westeuropa ziert ihr Name die Siegerlisten. Auch beim Halbmarathon um den Greifensee war sie die Schnellste. Dass sich die Erfolgsgarantin aus dem kenianischen Hochland auch in diesem Jahr als «Königin der Strasse» profilieren will, zeigte sich bereits Anfang April mit dem brillanten Sieg am Berliner Halbmarathon. Die 1:10:52 Stunden sind eine eindrückliche Referenz.

Anreise direkt aus Kenia

Berlin war das erste Rennen in Europa nach einer mehrmonatigen Aufbauphase in ihrer Heimat. Danach kehrte sie nochmals zurück in ihr Heimatland zur Regeneration und zum weiteren Aufbau auf die nun folgenden Strassenläufe in Europa. In Luzern steht der erste Ernstkampf auf dem Programm. Und der Luzerner Stadtlauf geniesst bei Cynthia Kosgei nicht zuletzt wegen der starken Konkurrenz einen sehr hohen Stellenwert. Sie hat sich den Sieg zum Ziel gesetzt. Es wäre der dritte in Serie. Sie zählt vor allem auf ihre Erfahrung. Und sie reist direkt aus der Heimat an, mit der Erkenntnis, dass Höhentrainings ausserordentliche Leistungen begünstigen.

Ein besseres Leben

Die Erfolge ermöglichen der bescheidenen Athletin ein anderes, besseres Leben. Sie konnte sich dank der Startgagen und Preisgelder ein Steinhaus für sich und ihre Familie bauen lassen. Kosgeis Erfolgsweg begann vor rund drei Jahren am Schweizer Frauenlauf in Bern, wo sie damals einen Überraschungssieg realisierte. Sie möchte den eingeschlagenen Weg fortsetzen. Luzern dürfte daher nur eine Zwischenstation auf ihrem weiteren Weg nach oben darstellen. Eine Zwischenstation zu weiteren Triumphen, Bestmarken, Serien. Das will aber nicht heissen, dass es in Luzern an Kandidatinnen fehlen wird, die Kosgeis Dominanz stoppen können. Allen voran die routinierten Osteuropäerinnen Natalia Soloveva (Rus), Viktoriia Pogorielska (Ukr), Katarina Beresova (Slo) oder die Luzern-Siegerin von 2010, ­Sonja Roman (Rum). Aber auch ihre kenianische Landsfrau Maryanne Wanjiru, die Luzern-Siegerin von 2012 und letztjährige Dritte, zählt zu den Favoritinnen.

Und die Schweizerinnen? Ohne Fabienne Schlumpf (EM-Steeple-Finalistin und Post-Cup-Siegerin 2014), Sabine Fischer (Luzern-­Zweite 2008, nach Verletzung im Wiederaufbau), Nicola Spirig (EM-Teilnehmerin, lief den Zürich-Marathon) und Maja Neuenschwander (Wien-Marathon) fehlen aussichtsreiche Topathletinnen. Die einstige ­Steeple-Rekordhalterin Astrid Leutert und die Urnerin Jasmin Widmer (26) werden nicht um den Sieg mitlaufen können.

Frauen, Elite: 5 Runden/4,250 km

101 Cynthia Kosgei (Kenia)
102 Natalia Soloveva (Russland)
103 Margaret Muringi (Kenia)
104 Viktoriia Pogorielska (Ukr)
105 Katarina Beresova (Slo)
106 Jenni Wenth (Österreich)
107 Astrid Leutert (Schweiz)
108 Natalia Batrak (Ukraine)
109 Maryanne Wanjiru (Kenia)
110 Veerle Dejaeghere (Belgien)
111 Sonja Roman (Slowenien)
112 Regina Högl (Deutschland)
113 Stephanie Barnes (Gb)
114 Jasmin Widmer (Schweiz)
Stand: 16. April 2015

Streckenrekord

2003: Una English aus Irland in 12:50,5 Minuten

Rangliste 2014

1. Cynthia Kosgei 13:16,3
2. Beatrice Chepkoech 13:19,4
3. Maryanne Wanjiru 13:25,9