LUZERN: Laufschuhe und ihre Geschichten

Wir haben sechs Teilnehmer am Swiss City Marathon über ihr bevorzugtes Laufwerkzeug befragt.

Roland Eggspühler (text und Bilder)
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Bertrand Thinus aus Frankreich

Sein Schuh ist halbjährig, er kaufte ihn als Ersatz für den in Hawaii getragenen Vorgänger: Bertrand Thinus ist Triathlet, 2012 verwirklichte er sich nach mehreren Jahren mit Ironman-Teilnahmen in Europa seinen Traum, einmal in Hawaii an der Langdistanz-Weltmeisterschaft dabei zu sein. «Ich habe Rückenprobleme, darum bin ich bei den Schuhen sehr heikel. Ich schaue, dass ich nicht immer dieselbe Marke habe, damit sich der Fuss nicht zu fest an ein Produkt gewöhnt», erklärt Bertrand Thinus, der neue Schuhe immer bei einem Spezialisten auf dem Laufband evaluiert und sie dann recht lange einläuft. «Die Abstimmung auf meine orthopädischen Einlagen muss funktionieren, sonst kann ich keine guten Leistungen abrufen.» Der Elsässer macht dieses Jahr ein Ironman-Zwischenjahr, darum passte für ihn der Start am Marathon in Luzern gut in die Vorbereitung für einen Ironman 2014 in Kanada.

Sarah Bolton Howard aus Zürich

Sie ist in Britin, lebt aber in Zürich. Sarah Bolton nimmt regelmässig an Halbmarathons und gelegentlich an Marathons teil. Sie hat seit einigen Jahren ein ganz spezielles Ritual: Immer, wenn sie über die volle Marathondistanz gelaufen ist, wechselt sie danach den Schuh – ihr aktuelles Modell besorgte sich Sarah Bolton diesen Frühling nach dem Paris-Marathon. «Während der Regenerationsphase habe ich stets genügend Zeit, den neuen Schuh gut einzulaufen. Das ist für mich sehr wichtig», erklärt Bolton und stellt fest: «Die Farbe war nicht der Grund, warum ich mich für dieses Modell entschied. Da sind mir funktionale Kriterien viel wichtiger.» Sie fügt noch bei, dass sie sich bei der Auswahl immer sehr viel Zeit nehme. Und dass sich das lohne, weil sie sehr viel laufe. Und was macht sie eigentlich mit all den «pensionierten» Schuhen? «Die brauche ich fürs Walking.»

Michael Schardt ausDeutschland

Seine Laufschuhe sind nigelnagelneu. Michael Schardt kaufte sie unmittelbar vor der Abreise im heimischen Münster (De) bei seinem Sporthändler. «Ich nehme seit 15 Jahren immer dasselbe Modell derselben Marke», sagt er überzeugt: «Den kann ich einfach anziehen und losrennen, und es funktioniert.» Schardt hat immer zwei Paar Laufschuhe, mit denen er alternierend trainieren geht (pro Woche total 60 Kilometer). Nachdem er diesen Herbst mehrere Marathons gelaufen war, löste sich das etwas ältere Paar nach 2000 Laufkilometern buchstäblich in seine Einzelteile auf. Dummerweise brach bei einem Schuh des jüngeren Paars letzte Woche ein stützendes Element, so dass er nicht mehr funktioniert. «Normalerweise laufe ich die Schuhe ja schon noch ein kleines bisschen ein, bevor ich sie an einem Wettkampf einsetze. Aber diesmal ging es halt nicht anders.»

Tina Tellefsen aus Zumikon

Sie ist in Dänemark aufgewachsen, wo die höchste Erhebung 170 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Das entspricht in etwa der Anzahl Höhenmeter der Luzerner Marathonrunde. «Ich bin in die Schweiz gezogen, weil ich die Berge liebe. Darum habe ich fast nur Trail-Running-Schuhe. Und zwar ein normales Paar, plus ein Paar mit Goretex», holt Tina Tellefsen aus. Dann deutet sie zum Himmel und meint: «Ja, aber diesmal habe ich definitiv die falschen Schuhe mitgenommen. Das ist ja pures Gore-Tex-Wetter ...» Aber man spürt, dass es ihr nichts ausmacht. Tellefsen strahlt und erzählt von ihrem abwechslungsreichen Training auf Naturwegen in den Bergen und Hügeln. Auf Asphalt rennt sie fast nur an Wettkämpfen. Und das waren bei ihr vor allem der Zürich-Marathon im Frühling, der Greifenseelauf im September und als krönender Abschluss ihrer Wettkampfsaison der Swiss City Marathon in Luzern.

Alex Schulz aus Jona

Bei seinen Laufschuhen handelt es sich um ein deutsches Produkt, gekauft hat sie Alex Schulz aber in Las Vegas. In den Familienferien hatte er in diesem Sommer viel Zeit und konnte sich in aller Ruhe für das ihm zusagende Modell entscheiden. Diese Schuhe trugen den in Jona wohnhaften Basler unter anderem durch den Grand Canyon. Zum ersten Wettkampfeinsatz kamen sie vor gut einem Monat am Greifenseelauf. Alex Schultz montiert immer ein GPS-Modul an den einen Schuh, das mit seiner Pulsuhr gekoppelt ist: «So habe ich genaue Angaben. Denn ich will wissen, wo ich wann was und in welcher Intensität trainiert habe.» Da spürt man den sehr ambitionierten Läufer von früher. Sein von dieser Marke ausgerüstete Leichtathletik-Club ist wohl auch der Grund dafür, dass Schulz noch nie eine andere Schuhmarke trug: «Ich bin ihr seit Juniorenzeiten einfach immer treu geblieben.»

Rahel Estermann aus Luzern

Die Politikerin startete im Rahmen der Parlamentarier-Stafette und lief den Abschnitt KKL-Verkehrshaus in einem Schuh, der ein beeindruckendes Alter aufweist. «Ich kaufte ihn vor gut 10 Jahren, aber ich brauche ihn nicht so viel. Darum ist er immer noch in einem guten Zustand und nach wie vor sehr bequem», sagt Rahel Estermann, die im Handballsport zu Hause ist und rund zwei Mal pro Monat joggen geht. Den speziellsten Einsatz hatte dieser Schuh übrigens in Venedig. Rahel Estermann reiste einen Tag vor ihrer Kollegin in die Lagunenstadt und erkannte nach dem ersten Stadtbummel schnell, dass ihre Alltagsschuhe dazu völlig ungeeignet waren: «Ich telefonierte sofort nach Luzern und liess mir meinen Laufschuh von ihr nach Italien mitbringen. Als wir uns am Bahnhof in Venedig trafen, wechselte ich als Erstes gleich die Schuhe. Von da an gefiel mir diese Städtereise noch viel besser.»

Läufer, die Schuhe und die Geschichten. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Läufer, die Schuhe und die Geschichten. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)