Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LUZERN: Sie haute auf leisen Sohlen ab

Offiziell weiss niemand, wo sie steckt – die Beachvolleyball-Spielerin Aminata Turay. Während der U-21-WM in Luzern tauchte die Sportlerin aus Sierra Leone heimlich und leise unter.
Aminata Turay aus Sierra Leone nahm in Luzern an der U-21-Weltmeisterschaft der Beachvolleyballer teil. Danach verliert sich ihre Spur. (Bild FIVB)

Aminata Turay aus Sierra Leone nahm in Luzern an der U-21-Weltmeisterschaft der Beachvolleyballer teil. Danach verliert sich ihre Spur. (Bild FIVB)

Thomas Heer

Luzern, als Austragungsort der U-21-Beachvolleyball-WM, darf den Anlass sicher als Erfolg abbuchen. Weltweit wurde über den Event berichtet. Ein Teil des Glanzes fiel dabei bestimmt auch auf die Innerschweizer Metropole ab. Auch aus sportlicher Sicht gibt es viel Gutes zu vermelden. Zum Beispiel von den hochklassigen Finalspielen, die vor beeindruckender Zuschauerkulisse während des Pfingstwochenendes ausgetragen wurden.

Schade nur, dass es von der WM im Nachhinein nicht nur Positives zu berichten gibt. Das Betrübliche bahnte sich am Freitag, dem 13. Mai, an. An jenem Tag stand das Frauen-Team aus Sierra Leone zum letzten Mal im Einsatz. In der Equipe spielte auch im dritten WM-Match Aminata Turay. Nicht unerwartet setzte es analog der beiden vorangegangenen Partien für die Westafrikanerinnen auch in jener Begegnung eine Niederlage ab. Sie fingen gegen die Kontrahentinnen aus Lettland mit 4:21 und 6:21 in zwei Sätzen gar eine regelrechte Klatsche ein. Das aber kann wohl kaum der Grund sein, weshalb Turay sich am selben Abend noch aus dem Staub machte.

Eltern sind schockiert

Am folgenden Tag ging dann bei der Luzerner Polizei, die entsprechende Vermisstmeldung ein, wie Urs Wigger damals gegenüber Radio Pilatus bestätigte. Noch heute weiss die Polizei gemäss Wigger nicht, wo sich Turay aufhält. Der Fall löste vor allem in Turays Heimatland, Sierra Leone, grosse Betroffenheit aus. Gegenüber Agence France-Presse AFP, sagt der Präsident des Verbandes, Christopher John: «Ich habe bereits ihre Eltern kontaktiert, und die sind auch schockiert.» Ein Verwandter von Turay sagte gegenüber AFP zudem: «Wir hatten keinerlei Anhaltspunkte, dass Aminata nicht nach Freetown zurückkommt.» Weiter sagte das Familienmitglied, Aminata habe sich sehr auf den Anlass in der Schweiz gefreut. Schliesslich war es das erste Mal gewesen, dass die junge Frau im Ausland an einem Beachvolleyball-Wettkampf teilnahm.

Gründe bleiben im Dunkeln

Was Aminata Turay dazu bewogen hat, die Rückreise in ihre Heimat nicht anzutreten, bleibt schleierhaft. Auch die WM-Organisatoren verfügen über keinerlei Angaben, die Rückschlüsse über das Verschwinden Turays zulassen würden. In diesem Sinn äusserte sich zumindest Peter Küchler, der Presseverantwortliche des Anlasses.

Naheliegend ist, dass Turay ihren ersten Auslandaufenthalt als Beachvolleyballerin dazu nutzte, in der Schweiz oder in einem anderen westeuropäischen Staat, um Asyl nachzufragen. Erstaunen würde das jedenfalls nicht. Zählt Sierra Leone doch zu jenen Staaten, die ihren Bürgerinnen und Bürgern wenig Perspektiven bietet. Die grosse Mehrheit der Bevölkerung lebt in bitterer Armut. Die jüngere Geschichte des Landes ist blutgetränkt. Während des Bürgerkrieges in den 1990er-Jahren wurde die Zivilbevölkerung aufs Brutalste massakriert.

Viele Beispiele aus der DDR

Dass sich Spitzensportler vor oder nach Wettkämpfen im Ausland von ihren Teams absetzen, ist ein altes Phänomen. Umfangreich ist allein jene Liste von Sportlerinnen und Sportlern, welche der damaligen DDR einst den Rücken zuwandten. Um nur ein Beispiel zu nennen: Der ehemalige Fussballer und heutige Trainer, Falko Götz, suchte vor einem Europapokal-Spiel auswärts gegen Partizan Belgrad im Jahr 1983 Zuflucht in der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland.

Marathonläufer lebt in der Schweiz

Auch in der Schweiz lebt seit vielen Jahren ein Athlet, der als Asylsuchender ins Land kam. Marathonläufer Tadesse Abraham lernte die Schweiz anlässlich der Cross-WM 2002 in Lausanne als Mitglied der eritreischen Nationalmannschaft kennen. Zwei Jahre später nahm er am selben Anlass in Belgien teil. Abraham entschied damals, sich von seinem Team abzusetzen. Er ersuchte danach in der Schweiz um Asyl. Mittlerweile verfügt Tadesse Abraham über den Schweizer Pass und hält den Marathon-Landesrekord in der hervorragenden Zeit von 2:06:40 Stunden. Damit hat sich der gebürtige Eritreer zumindest in Europa in der absoluten Spitze etabliert.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.