Luzerner Radprofi Michael Schär für einmal mit neuen Aufgaben

Michael Schär aus Geuensee fährt für das Team CCC an der Tour de France. Dort sieht sich der Luzerner Radprofi für einmal mit neuen Voraussetzungen konfrontiert.

Tom Mustroph
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Seine 10. Tour de France bestreitet Michael Schär gerade. «Für mich ist es eine der Härtesten, die ich je gefahren bin», erzählt er. Denn die Strecke gab kaum Ruhepausen. «Es gab viele Berge schon in der ersten Woche. Einen Prolog, der etwas Ruhe bringt, gab es hingegen nicht. Und auch die Teams sind sehr stark», sagt er weiter.

Michael Schär (vorne) aus Geuensee im Dienste des Teams CCC.

Michael Schär (vorne) aus Geuensee im Dienste des Teams CCC.

Bild: Freshfocus (Nizza, 89. August 2020)

Die kollektive Stärke führt dann auch dazu, dass Individualisten es besonders schwer haben in diesem Jahr. «Es ist eine Tour, bei der die Ausreissergruppen nur schwer wegkommen», meint Schär. Für ihn und sein Team CCC ist das besonders bedauerlich. Denn der Rennstall mit dem zum Saisonende aussteigenden polnischen Hauptsponsor ist auf Fluchtgruppen angewiesen. «Wir sind ohne einen Leader hergekommen, wollen unser Glück in den Gruppen suchen», sagt Schär. Für ihn führt das zu einer völligen neuen Tour de France. «Mit BMC waren wir es gewohnt, einen Leader für das Gesamtklassement zu haben, erst Cadel Evans, später Tejay van Garderen. Da musste man die ersten zehn Tage voll im Wind fahren. Das hat viel Kraft gekostet», blickt der Ende September 34 Jahre alt werdende Luzerner auf seine früheren Touren zurück. Weil jetzt aber kein Klassementfahrer im Team ist, kann Schär es bei dieser harten Tour an einigen Tagen etwas ruhiger angehen lassen. «Ich cruise mehr im Feld herum, um Kraft zu sparen, für die Tage, an denen ich in Ausreissergruppen gehe», sagt er. Selbstkritisch gibt er zu, dass das bislang nicht von Erfolg gekrönt war. «Bei der Etappe in Nizza war ich vorn mit dabei. Ich habe auch genauso viel Bergpunkte gesammelt, wie der Fahrer, der dann das Trikot trug. Dann gab es aber die Stürze und es kam zum Massensprint.

Der nächste Versuch war die Etappe mit der Windkante, als hinten sehr viel Druck gemacht wurde. Und auf der 10. Etappe haben sie mir und Stefan Küng auch nicht ausreichend Zeit gegeben», fasste er seine Ausflüge zusammen. Dennoch ist er optimistisch, dass es noch klappen kann mit der Gruppe und dem Etappensieg für ihn. Die Etappe am Freitag ist die beste Gelegenheit dafür. «Das wird natürlich hart, weil viele Teams, die bisher nichts gewonnen haben, diese Chance ergreifen wollen. Es wird eine Lotterie, überhaupt in die Gruppe zu kommen. Aber ich will mein Lotterie-Los holen», sagt er entschlossen.

Die finanziellen Probleme des Rennstalls konnten er und seine Tourkollegen ausblenden, versichert Schär. «Wir sind Profis, konzentrieren uns auf unsere Arbeit hier. Da ist so viel zu tun, dass gar keine anderen Gedanken in den Kopf kommen», meint er. Auch die Stimmung im Team sei gut. «Wir haben es bisher in jede der Fluchtgruppen geschafft. Das zeigt, dass die Organisation stimmt», meint er.

Radmarke als Grund für einen Teamwechsel

Er selbst hat seine Zukunft ohnehin geregelt und für drei Jahre bei AG2R unterschrieben. «Ich gehe dort gemeinsam mit Greg van Avermaet und unserem Soigneur hin. Es wird auch eine Rückkehr zu den Rädern von BMC. Darauf freue ich mich schon, weil ich zuvor schon viele Jahre mit BMC-Rädern verbracht habe», sagt Schär, und er betont, dass die Räder tatsächlich eine Rolle bei der Vertragsentscheidung gespielt haben. AG2R fährt in dieser Saison noch mit Edyy Merckx-Velos, wechselt ab 2021 aber auf die Schweizer Radmarke.

Bei der Tour de France jetzt ist er guter Dinge, dass das Rennen bis Paris gehen wird. Im Rennen selbst spüre er die Auswirkungen der Pandemie kaum, meint er. Nur wenn die Zuschauer zu dicht stehen und sogar ohne Maske ans Feld heranrücken, wird ihm mulmig. «Es ist einerseits schön, wenn die Zuschauer kommen. In Lyon war das ja so, als wäre das Publikum von l’Alpe d’Huez und den Champs Elysees zusammen gekommen. Das war beeindruckend. Es war gleichzeitig beängstigend. Denn man fährt da zwischen den Leuten durch eine enge Gasse und jeder Zweite hat keine Maske auf», erzählt Michael Schär. Zum Schutz aller ruft er, wie andere Profis auch, zum Tragen der Maske auf. Und selbst geht er auch auf Sicherheit. «Ich gehe dann immer in die Mitte der Gruppe», erzählt er. Dazu muss sie dann aber gross genug sein.

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