Europameisterschaft
Luzerner Ringer wollen den guten Lauf bei Grossanlässen fortsetzen

Samuel Scherrer und Stefan Reichmuth liebäugeln an der Europameisterschaft mit dem Podest.

Simon Gerber
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Stefan Reichmuth, Ringer der Willisau Lions, hat sich bereits für Olympia qualifiziert.

Stefan Reichmuth, Ringer der Willisau Lions, hat sich bereits für Olympia qualifiziert.

Bild: Pius Amrein

Ab heute stehen die Willisauer Aushängeschilder Stefan Reichmuth (86 kg) und Samuel Scherrer (92 kg) an der Ringer-Europameisterschaft in Warschau im Einsatz. Die beiden Freistilspezialisten sorgten in den vergangenen zwei Jahren für Schlagzeilen. Dank dem sensationellen Gewinn der Bronzemedaille an den Weltmeisterschaften 2019 im kasachischen Nursultan gelang dem 26-jährigen Reichmuth die direkte Olympiaqualifikation für Tokio. Der 24-jährige Scherrer holte 2020 an der Europameisterschaft in Rom in der nichtolympischen Gewichtsklasse bis 92 kg völlig überraschend die Silbermedaille. Doch der Erfolg schürt die Erwartungen. «Wir wollen den guten Lauf an den letzten Grossanlässen nutzen und hoffen auf eine erfolgreiche EM. Das ist unser Anspruch», sagt Andreas Wieser, Chef Leistungssport von Swiss Wrestling Federation.

Da Reichmuth schon seit 2019 für Tokio qualifiziert ist, sieht er die EM als Hauptprobe auf dem Weg an die Olympischen Spiele. Es ist für das Muskelpaket seit 2019 der erste Grossanlass. Nach dem fünften EM-Platz 2014 liebäugelt der Luzerner mit einer Medaille. «Ich habe ein sehr gutes Gefühl. Nach einer leichten Knieverletzung vor sieben Wochen machte ich grosse Fortschritte und konnte mich stetig steigern, auch wenn ich die Topform noch nicht erreicht habe», sagt er. Seit dem vergangenen Oktober ist Reichmuth in Magglingen als Spitzensport-Zeitsoldat angestellt.

Der Willisauer Samuel Scherrer ist in guter Verfassung.

Der Willisauer Samuel Scherrer ist in guter Verfassung.

Bild: Manuela Jans-Koch

Auch der gelernte Landmaschinenmechaniker Samuel Scherrer strebt in Warschau wie letztes Jahr in der nicht olympischen Gewichtsklasse bis 92 kg das Podest an. Seit Ostern bereitet er sich in Polen zusammen mit den anderen EM-Teilnehmern intensiv auf den Wettkampf vor. Die Coronapandemie sei für ihn keine Belastung, man müsse jedoch die Regeln strikte einhalten. Dazu werde auch viel getestet. «Alles lief bis jetzt tipptop. Wir konnten unter besten Bedingungen trainieren. Mental und körperlich bin ich in einer sehr guten Verfassung. Die Chancen sind deshalb intakt, die letztjährige Klassierung zu wiederholen», sagt Scherrer.

Olympia-Ticket: Scherrer hat eine letzte Chance

Allerdings gilt diese EM nicht als Qualifikationsturnier für Tokio. Nur die bereits 2019 durchgeführte WM und zwei Qualifikationsturniere in diesem Jahr zählen explizit dazu. Mitte März klassierte sich Scherrer in Budapest auf dem achten Rang. In drei Wochen erhält der Willisauer in Sofia die allerletzte Chance, sich das Ticket für Tokio doch noch zu ergattern. Dazu ist in der Gewichtsklasse bis 97 kg eine Klassierung unter den ersten Zwei gefordert. «Es dürfte nicht einfach werden, doch an einem guten Tag ist für mich vieles möglich. Ich werde sämtliche Kräfte mobilisieren», sagt Scherrer. Olympia sei für ihn definitiv wichtiger als die jährlich stattfindende EM. Olympische Spiele gebe es schliesslich nur alle vier Jahre.

Die für die Europmeisterschaft selektionierten Schweizer Ringer. Greco: Andreas Vetsch (67 kg), Marc Weber (82 kg), Fabio Dietsche (77 kg). – Freistil: Samuel Scherrer (92 kg), Marc Dietsche (74 kg), Stefan Reichmuth (86 kg).