LUZERNER STADTLAUF: Kipyatich entthront Seriensieger Ereng

Die Siegesserien von Patrick Mugur Ereng und Cynthia Kosgei sind beendet. Bei den Frauen siegt Viktoriia Pogorielska (Ukraine), Abraham Kipyatich (Kenia) ist bei den Männern der Schnellste. Kipyatich kommt besser mit den Widrigkeiten beim Eliterennen zurecht als Dreifachsieger Ereng.

Drucken
Teilen
Zeigte einen starken Auftritt: Viktoriia Pogorielska aus der Ukraine. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Zeigte einen starken Auftritt: Viktoriia Pogorielska aus der Ukraine. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Stefan Klinger und Jörg Greb

Wer Abraham Kipyatich gestern Abend auf dem Weg zur Siegerehrung sah, der wäre nie auf den Gedanken gekommen, dass der 23-Jährige soeben das Eliterennen am Luzerner Stadtlauf gewonnen hatte. Denn da humpelte der aus dem westkenianischen Hochland Kapsait stammende Kipyatich mühevoll die wenigen Stufen zur Bühne hoch und nahm unter Schmerzen die Glückwünsche zu seinem ersten Sieg in Luzern entgegen.

Abraham Kipyatich (mitte) gewinnt vor Ngeny Frederick (links) und Bernard Matheka. (Bild: Swiss-Image)
25 Bilder
Cynthia Kosgei wird Zweite vor der Drittplatzierten Maryanne Wanijru. (Bild: Swiss-Image)
Abraham Kipyatich (links) vor Patrick Mugur Ereng. (Bild: Philipp Schmidli)
Jasmin Widmer (Bild: Philipp Schmidli)
Tadesse Abraham (Bild: Philipp Schmidli)
Eliterennen der Frauen. (Bild: Philipp Schmidli)
Tadesse Abraham (mitte) vor Patrick Mugur Ereng. (Bild: Philipp Schmidli)
Nachwuchselite Maenner Sieger Simon Schüpbach siegt beim Nachwuchs-Eliterennen. (Bild: Philipp Schmidli)
Abraham Kipyatich (KEN) gewinnt in der Kategorie 'Männer Elite international'. (Bild: Swiss-Image)
Spitzenfeld der Elite. (Bild: Swiss-Image)
Maryanne Wanjiru aus Kenia führt das Elite-Feld der Frauen an. (Bild: Swiss-Image)
Die Kenianerinnen Margaret Muringi und Wanjiru Maryanne (rechts) führen das Feld der Elite-Frauen an. (Bild: Swiss-Image)
Sven Marti aus Buochs (links) und Dominik Lötscher aus Ebikon. (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)
Patrick Mugur Ereng aus Kenia (Bild: Philipp Schmidli)
Viktoriia Pgorielska (Ukraine) vor Cynthia Kosgei (Kenia). (Bild: Philipp Schmidli)
Abraham Kipyatich aus Kenia. (Bild: Philipp Schmidli)
Bild: Philipp Schmidli
Bild: Philipp Schmidli
Flavia Stutz von der Läuferriege Gettnau (Bild: Philipp Schmidli)
Jonas Leuenberger vom LV Langenthal (links) und Simon Schüpbach von der Läuferriege Gettnau. (Bild: Philipp Schmidli)
Andreas Meyer aus Willisau. (Bild: Philipp Schmidli)
Nachwuchselite vor dem Start (von links): Ramon Christen (LA Nidwalden), Mischa Lubasch (ST Bern), Benjamin Lang (LR Beromünster), Mirko Blättler (LA-Nidwalden), Angus Fölmli (TSV Rotkreuz), Simon Schüpbach (LR Gettnau), Jonas Leuenberger (LV Langenthal) und Michele Lardi (SA Massagno). (Bild: Swiss-Image)
Frederick Ngeny (Kenia, links). (Bild: Swiss-Image)
Jasmin Widmer (Bild: Philipp Schmidli)
Stadtlauf 2015 (Bild: Roger Grütter / Neue LZ)

Abraham Kipyatich (mitte) gewinnt vor Ngeny Frederick (links) und Bernard Matheka. (Bild: Swiss-Image)

Es geschah in der zweiten Runde, als Kipyatich zu schnell in eine der engen Kurven in der Luzerner Altstadt stürmte. Er rutschte auf dem glitschigen Kopfsteinpflaster aus und knallte auf den Boden. Kipyatich konnte weiterlaufen, die Konkurrenten ein- und überholen und nach 8,710 km in 24:39,7 Minuten als Erster die Ziellinie überqueren. Doch in den Minuten danach wurden die Schmerzen in den aufgeschürften Knien immer stärker. «Meine Knie tun mir ganz schön weh», sagte Kipyatich in gutem Englisch, «aber ich freue mich trotzdem riesig, dass ich hier gewonnen habe.»

Weit weniger Grund zur Freude hatte sein Landsmann Patrick Mugur Ereng, der sich gestern Abend den vierten Sieg in Folge holen und damit seine Rekord-Siegesserie in Luzern um einen Erfolg ausbauen wollte. Ereng kam mit dem rutschigen Untergrund, in den sich die Altstadt-Gassen durch den unmittelbar vor Rennbeginn einsetzenden starken Regen verwandelt hatten, überhaupt nicht zurecht und stürzte insgesamt gleich dreimal. Am Ende belegte er Rang vier. In Abraham Kipyatich, der im vergangenen Oktober schon den 17,17 km langen Murtenlauf gewonnen und dabei in 50:28,1 Minuten gleich noch den Streckenrekord aufgestellt hatte, fand Ereng aber einen würdigen Nachfolger.

Pogorielskas Souveränität

Die zweifache Siegerin Cynthia Kosgei war mit viel Selbstvertrauen an die Startlinie getreten. Schliesslich war der Saisonstart mit dem Triumph am Berlin-Halbmarathon Ende März perfekt gelungen. Und schliesslich liessen die Regeneration und die weitere Vorbereitung in der Heimat kaum Wünsche offen. Aber die 22-jährige Kosgei machte die Rechnung ohne Viktoriia Pogorielska. Die 25-jährige Ukrainerin spielte eine Souveränität aus, der Kosgei und die weiteren Afrikanerinnen nichts entgegenzuhalten wussten. «Sie war eine Klasse für sich», mussten sie anerkennen. In der fünften und letzten Runde setzte sich die Osteuropäerin vehement ab und lief mit der schnellsten Runde sämtliche Widersacherinnen in Grund und Boden. «Ich hatte grossen Respekt vor meinen Gegnerinnen, umso erfreuter bin ich, mit welcher Power ich mich von ihnen hatte lösen können.»

Und auch mit der glitschigen Pflasterstein-Unterlage wusste sie am besten umzugehen. «Besonders heikel waren die zahlreichen Kurven, diese galt es dosiert anzugehen.» Das ermöglichte ihr Glücksgefühle erster Güte: «Ich bin happy, vor allem weil ich die Leistungsausweise der Kenianerinnen und die immensen Stärken von Kosgei und ihren Landsfrauen bestens kenne.» Und damit konnte sich Viktoriia Pogorielska erstmals ins Siegerbuch von Luzern eintragen lassen, nachdem sie bereits vor drei Jahren angetreten war. Damals aber musste sie Wanjiuru den Vortritt überlassen. Eine Unbekannte in der Schweiz ist die talentierte Langstrecklerin allerdings nicht. Am Schweizer Frauenlauf sorgte sie 2011 für eine kleine Sensation, als sie als weitgehend unbekannte 20-Jährige zum Sieg lief.

Männer (8,710 km)

Elite (8,710 km): 1. Abraham Kipyatich (Ken) 24:39,7. 2. Frederick Ngeny (Ken) 24:48,1. 3. Bernard Matheka (Ken) 25:17,3. 4. Bernard Mugur Ereng (Ken) 25:20,1. 5. Simon Tesfay (Eri) 25:30,3. 6. Tadesse Abraham 25:39,4. 7. Kennedy Kaptila (Ken) 25:52,8. 8. Ivan Strebkov (Ukr) 26:25,5. 9. Jan Kreissinger (Tsch) 26:29,9. 10. Jean-Pierre Weerts 26:32,6. 11. Eric Rüttimann (Sz) 26:34,9. 12. Simon Stützel (De) 27:08,4. 13. Christoph Sander (Ö) 27:13,4. 12. Fabian Downs (Sz) 27:18,3.

Nachwuchselite (2,465 km): 1. Simon Schüpbach (LR Gettnau/Schötz) 7:15,9. 2. Jonas Leuenberger (LV Langenthal) 7:22,8. 3. Miscah Lubasch (ST Bern) 7:32,9. Ferner: 8. Ramon Christen (LA Nidwalden) 7:45,8. 11. Mirko Blättler (LA Nidwalden) 7:59,3. 12. David Hodel (LR Gettnau) 8:25,2.

Frauen

Elite (4,250 km): 1. Viktoriia Pogorielska (Ukr) 13:24,4. 2. Cynthia Kosgei (Ken) 13:31,9. 3. Maryanne Wanjiru 13:34,5. 4. Sonja Roman (Slo) 13:37,2. 5. Jenni Wenth (Ö) 13.37,9. 6. Veerle Dejaeghere (Be) 13:40,1. 7. Natalia Batrak (Ukr) 13.51,38. 8. Margaret Muringi (Ken) 13.56,3. 9. Natalia Soloveva (Russ) 14:05,7. 10. Katarina Beresova (Slk) 14:12,7. 11. Regina Högl (De) 14.19,8. 12. Jasmin Widmer (Erstfeld) 14.24,0.

Nachwuchselite (2,465 km): 1. Flavia Stutz (LR Gettnau/Ufhusen) 8:26,7. 2. Antonella Lardi (Massagno) 8:50,8. 3. Céline Aebi (LV Langenthal) 8:51,3. Ferner: 11. Durrer Alicia (LR Ebikon) 9:21,7.

Siegte mit über acht Sekunden Vorsprung: der Kenianer Abraham Kipyatich. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)

Siegte mit über acht Sekunden Vorsprung: der Kenianer Abraham Kipyatich. (Bild: Philipp Schmidli / Neue LZ)