Ski-Orientierungslauf
Luzerner Trio geht im Schnee von Estland auf Postensuche

Die Ski-OL-Läufer küren in Estland die Welt-und Europameister. Am Start steht auch ein Brüderpaar aus Malters und ein Mann aus Sursee.

Theres Bühlmann
Merken
Drucken
Teilen

Die Corona-Krise zwingt auch die Schweizer Ski-Orientierungsläufer zu einigen Umstellungen. Alle Wettkämpfe mussten abgesagt werden, so auch die Schweizer Meisterschaften auf Melchsee-Frutt im vergangenen Dezember. Für die Kader-Mitglieder wurden deshalb interne Selektionsläufe abgehalten, um eine Standortbestimmung im Hinblick auf die Weltmeisterschaften (Elite und Junioren) und die Europameisterschaften (Jugend) im estnischen Kääriku (22. bis 28. Februar) zu erhalten.

Zudem standen Trainingslager auf dem Vorbereitungsprogramm. Die Schweiz schickt 7 Frauen und 13 Männer an diesen Grossanlass. Mit dabei sind auch die drei Luzerner Noel und Corsin Boos (Malters), beide starten an der WM bei der Elite und der Surseer Flavio Ehrler, der die Jugend-EM bestreitet. Alle drei gehören der OLV Luzern an.

Der Jüngste

Der Surseer Flavio Ehrler Training.

Der Surseer Flavio Ehrler Training.

Nadia Schaerli (Engelberg, 14. Dezember 2020)

Der Jüngste des Luzerner Trios ist der 16-jährige Flavio Ehrler, der an den Jugend-Europameisterschaften im Einsatz stehen wird. Ehrler gehörte jener Staffel an, die im letzten Jahr die Bronzemedaille gewann. Der Surseer wird im Sprint, über die Mittel-und Langdistanz und in der Staffel starten. «Mit der Staffel möchte ich wieder eine Medaille gewinnen und im Einzel einen Top-6-Platz erreichen und somit ein Diplom holen», blickt der Schüler des Gymnasium Plus in Schüpfheim diesem Grossanlass entgegen. Im Sprint schätzt sich Ehrler am stärksten ein. Übrigens, das Staffelrennen findet am 28. Februar statt, an jenem Tag, an dem Flavio Ehrler 17 Jahre alt wird. Vielleicht wird er dann doppelten Grund zum Feiern haben.

Der Routinierte

Die Pandemie zwang auch Noel Boos (Malters), der an der ETH Zürich Informatik studiert, im Sommer ins Home-Office. Der 23-Jährige kann dieser Situation aber auch Positives abgewinnen. «Ich konnte meine Arbeit so einteilen, dass mir noch genügend Zeit blieb, um zu trainieren», sagt er. Die Trainingslektionen absolvierte er mehrheitlich mit seinem jüngeren Bruder Corsin (20). Angesagt waren vor allem Laufen und Rollski-Fahren. Er habe dank dem Home-Office im Sommer selten so umfangreich trainieren können wie im letzten Jahr, erklärt Noel Boos, der über viel Routine verfügt. Er nahm an Jugend-Europameisterschaften und Junioren-Weltmeisterschaften teil, vertrat die Schweiz 2018 auch an der Studentenweltmeisterschaft und an der Winteruniversiade 2019. Im letzten Jahr belegte er an der EM mit der Staffel Platz 5.

Estland ist nun sein zweiter Start bei der Elite. Er wird den Sprint, das Verfolgungsrennen und die Mitteldistanz bestreiten und hat sich einen Platz in den Top 20 zum Ziel gesetzt. Bevor er sich ganz auf diese WM einstellen konnte, lag aber noch eine Herausforderung vor ihm: Letzte Woche absolvierte er die Bachelor-Abschlussprüfungen. Das grosse sportliche Highlight in näherer Zukunft ist für Noel Boos aber die Teilnahme an der Winteruniversiade vom kommenden Dezember in der Zentralschweiz. Ski-OL steht zum zweiten Mal auf dem Programm, die Wettkämpfe werden auf der Lenzerheide ausgetragen.

Der Elite-Debütant

Auch Corsin Boos (Malters) weist Erfahrung auf internationaler Ebene auf. So gewann er im letzten Jahr an der Junioren-WM die Bronzemedaille, 2019 ebenfalls Bronze mit der Staffel, an den Jugend-Europameisterschaften reichte es 2016 mit der Staffel und ein Jahr später im Sprint wieder zu dritten Plätzen. In Estland startet er zum ersten Mal bei der Elite. «Wir haben gut trainiert und die Leistungskurve bei den Kadermitgliedern zeigt nach oben», sagt der 20-Jährige, der an der ETH Zürich Umweltingenieurwissenschaften studiert. Die Freude auf den ersten und wohl letzten Ernstkampf in dieser Saison ist gross. «Vergleiche mit anderen Nationen fehlen, deshalb gestaltet sich diese WM sehr spannend», blickt Corsin Boos auf diesen Grossanlass. Er wird beim Sprint, bei der Verfolgung und über die Mitteldistanz an den Start gehen.