Volley Luzern glückt der Einstand in Europa

Volley Luzern startet nervös, siegt am Ende aber in einem stimmungsvollen Spiel mit 3:1 gegen Luxemburgs Meister.

Stephan Santschi
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Volley Luzern (im Angriff) hat mit dem Gegner aus Luxemburg keine Probleme. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 13. November 2019)

Volley Luzern (im Angriff) hat mit dem Gegner aus Luxemburg keine Probleme. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 13. November 2019)

An Ende standen sie alle in der Luzerner Bahnhofhalle. 400 Zuschauer waren gekommen, um sich die Premiere von Volley Luzern im Europacup anzusehen. Und dann war ihr Team nur noch einen Punkt vom ersten Sieg auf europäischem Parkett entfernt. «Uno! Uno!», hallte es durchs Rund, so wie üblich im Volleyball, wenn einem Team nur noch eine erfolgreiche Aktion zum Sieg fehlt.

Kurz darauf herrschte Partystimmung, Diekirchs Laurent Weber hatte seinen Service neben die Linie gesetzt. Die ­Luzerner gewannen damit das Hinspiel in der zweiten Quali­fikationsrunde des Challenge-Cups mit 3:1. Captain Nick Amstutz:

«Cool, dieses ­Publikum, es hat uns wirklich weitergebracht»

Und Trainer Liam Sketcher fand: «Es war wie in den Playoffs. Ich wünschte mir, es wäre jedes Mal so hier.»

Gegner fliegt kurzfristig einen Russen ein

Bevor der Vollerfolg in trockenen Tüchern war, hatten die Einheimischen allerdings einen Fehlstart wegzustecken. Der erste Satz nämlich, der ging an den luxemburgischen Meister. Vor allem der Service und die Blockarbeit waren zu Beginn mangelhaft, hie und da war auch Nervosität zu spüren. «So ist das halt, wenn man den Gegner davor nie persönlich gesehen hat», sagte Trainer Sketcher.

Die Mannschaft aus Diekirch, von Teammanager Josef Wicki im Vorfeld als «Black Box» bezeichnet, war ein neuer Gegner für die Luzerner, von dem es keine Videosequenzen auszuwerten gab. Und der kurzfristig noch einen 1,97 Meter grossen Russen einflog. «Von ihm erfuhr ich erst am Dienstag, einen Tag vor dem Spiel also», verriet Sketcher. Und genau dieser Russe, Alexander Shmelev mit Namen, machte den Luzernern mit seinen harten Aufschlägen und den wuchtigen ­Abschlüssen durch die Mitte ­immer wieder Probleme.

Je länger die Partie dauerte, umso besser kam Volley Luzern aber ins Spiel. «Wir brauchten eine Weile, bis wir den Rhythmus fanden», analysierte Sketcher. «Was passierte, wenn wir ihn gefunden haben, sah man im letzten Satz.» 25:18 ging dieser an sein Team, nie geriet es in dieser Phase noch in Gefahr, den Sieg aus den Händen zu geben.

Volley Luzern kann jubeln. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 13. November 2019)

Volley Luzern kann jubeln. (Bild: Jakob Ineichen, Luzern, 13. November 2019)

Zwischen dem verlorenen Startsatz und dem lockeren ­Finish lagen aber noch zwei Durchgänge, die von den Luzernern Schwerstarbeit forderten. Im zweiten Satz wehrten sie einen Satzball ab, ehe Shonari Hepburn mit einem Block den 27:25-Teilerfolg sicherstellte. Und im dritten Satz brachte sie ein Durchhänger mit 17:19 in Rückstand, ehe sie noch ein 25:22 erzwingen konnten.

Dominik Fort – die Zuverlässigkeit in Person

Unter dem Strich verfügte Volley Luzern über das ausgewogenere Kader. Wenn einer schwächelte, sprang ein anderer in die Bresche. Hätte trotzdem ein Akteur besondere Erwähnung verdient, wäre dies Dominik Fort. Der 30-jährige Tscheche war die Zuverlässigkeit in Person, stand offensiv wie defensiv seinen Mann. Und liess sich auch in heiklen Momenten nie aus der Ruhe bringen. Die Fassung von Beginn weg wahren, so lautet denn auch die Devise für das Rückspiel am Donnerstag, 28. November. Dann kann Luzern eine weitere Premiere schaffen und erstmals eine Runde im Europacup überstehen. Der Lohn im Dezember wäre das Aufeinandertreffen mit dem französischen Spitzenklub Montpellier.

Volley Luzern – Diekirch 3:1

Bahnhofhalle. – 400 Zuschauer. – Spieldauer: 106 Minuten. – Sätze: 23:25, 27:25, 25:22, 25:18. – Luzern: Amstutz, Köpfli, Fort, Jucker, Hepburn, Buivids, Gautschi (Libero); Döös Traagstad, Perezic. – Diekirch: Glesener, Abreu Lopez (Libero), Mather, Pavelka, Terence, Shmelev, Ney;Wagner, Ginter, Weber, Jacobs.

Der Aufsteiger kommt

Bereits am Sonntag geht es weiter für Volley Luzern: Dann trifft die Mannschaft von Trainer Liam Sketcher in der Meisterschaft zu Hause auf Traktor Basel (17 Uhr, Bahnhofhalle). Der Aufsteiger der letzten Saison hat bisher zwar alle seine sechs Spiele verloren, zweimal allerdings erst im Tiebreak. «Wir werden diesen Gegner nicht auf die leichte Schulter nehmen dürfen», warnt Sketcher. Klar aber ist, dass für die Luzerner im Kampf um einen Platz in den Playoffs nur ein Sieg zählt. (ss)