Volleyball

Luzern-Trainer sucht Benzin und erinnert sich an eine Wutrede von Bruno Labbadia

Volley Luzern steht am Ende der Tabelle der NLA. Am Samstag in Schönenwerd kehrt das Team von Alessandro Lodi nach dreieinhalbwöchiger Pause in den Meisterschaftsbetrieb zurück.

Stephan Santschi
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Luzerns NLA-Volleyballer sind zurück, am Samstag (17.30 Uhr) gastieren sie in Schönenwerd. Die letzte Partie bestritten sie am 4. November im Europacup-Heimspiel gegen die Österreicher aus Waldviertel (0:3). Dann folgten positive Coronatests, eine zehntägige Quarantäne für Staff und Mannschaft, sowie drei verschobene Begegnungen. Seit Dienstag letzter Woche sind die Akteure nun gestaffelt in den Trainingsbetrieb zurückgekehrt. «Es ging darum, wieder zum Spielen zu kommen und alle auf ein gemeinsames Level zu bringen. Der Fokus in den letzten eineinhalb Wochen lag darauf, wieder ein Volleyballteam zu werden», berichtet Trainer Alessandro Lodi und er hält fest: «Zeit für die Weiterentwicklung hatten wir nicht, das kommt ab nächster Woche wieder. Wir sind nicht besser als vor der Pause.»

Der bisherige Saisonverlauf überrascht Alessandro Lodi (rechts) nicht.

Der bisherige Saisonverlauf überrascht Alessandro Lodi (rechts) nicht.

Patrick Huerlimann (Luzern, 23. September 2020)

Vor der Pause gewannen die Luzerner zwar den Supercup gegen Lausanne, verloren aber sämtliche fünf Meisterschaftsspiele und liegen entsprechend am Ende der NLA-Tabelle. Die Neugier, worauf das Ausbleiben positiver Resultate zurückzuführen sei, nervt Lodi. «Bisher ist genau das passiert, was ich mir vorgestellt habe, die Leistungen entsprechen unserem Niveau. Ich bin nicht überrascht, ich weiss wo wir stehen. Wenn jemand mehr erwartet hat, so entstanden diese Erwartungen in seiner Fantasie.»

Die Wutrede von Bruno Labbadia

Lodi erwähnt eine Wutrede von Bruno Labbadia aus dem Jahr 2012, als der Trainer des VfB Stuttgart nach einem schlechten Saisonstart in der Fussball-Bundesliga während Wochen harscher Kritik ausgesetzt war. Der Verein hatte damals das Budget kürzen und Spieler verkaufen müssen. «Ich kann nicht akzeptieren, wenn ein Trainer wie der letzte Depp dargestellt wird, als hätte er keine Ahnung», polterte Labbadia. Und in Bezug auf die finanziell schwierigen Begleitumstände fügte er an: «Gehe ich einen schweren Weg, wie ihn Stuttgart gehen muss, mit? Oder sage ich: am Arsch geleckt?» Eine Frage, die sich auch Alessandro Lodi in Luzern stellen kann. Die Erwartungen sind nach den Erfolgen seiner Vorgänger Lauren Bertolacci (bis 2018) und Liam Sketcher (2020) gestiegen, etatmässig bewegt sich der Verein aber noch immer im untersten Bereich der Liga. Als Folge davon wechselten im vergangenen Sommer die Leistungsträger Edvarts Buivids, Shonari Hepburn und Mathis Jucker zur zahlungskräftigeren Schweizer Konkurrenz, hinzu kam die Fussverletzung von Teamleader Dominik Fort. «Für uns ist es schon in kompletter Formation schwierig, ein Spiel zu gewinnen. Bisher waren wir aber noch nie komplett», sagt Lodi. Wie man angesichts dieser Umstände fehlende Punkte thematisieren kann, ist für ihn nicht nachvollziehbar.

Weshalb spielen deutsche Neuzuzüge so wenig?

Die Ausgangslage der Luzerner vergleicht er dabei mit einer Autofahrt nach Zürich. «Wenn ich zu wenig Benzin habe, kann ich nicht überrascht sein, wenn ich nicht in Zürich ankomme.» Die Niederlagen an sich seien es deshalb nicht, die ihn beunruhigen. «Wenn mich etwas nervös macht, dann der Fakt, dass wir nach einer guten Annahme nur 33 Prozent der Bälle im ersten Angriff in einen Punkt ummünzen. Das ist mit Abstand der schlechteste Wert der Liga.» Auf die Frage, weshalb die deutschen Neuzuzüge Lars Wilmsen und Malte Neubert bisher kaum zum Einsatz kamen, hält er fest: «Ich setze auf meine Angaben, ich mache das, was ich für das Beste halte. Bisher spielten andere, weil sie besser sind. Doch das kann sich auch ändern.»

Und so will der 41-jährige Italiener vor allem eines: An den Defiziten arbeiten, die Spieler weiterbringen, mehr Benzin auftreiben, sozusagen. «Ich weiss, was nötig ist, damit wir besser werden», betont Lodi. Gegen das drittrangierte Schönenwerd, das nach seiner Coronaquarantäne eine Woche länger im Training ist und am letzten Wochenende Basel mit 3:1 bezwang, ist Volley Luzern der Aussenseiter. Doch wer weiss: Vielleicht ist der Tank der Zentralschweizer für eine Überraschung ja bereits gut genug gefüllt.